NVL Unipolare Depression (2022)

Anhang 4: Antidepressiva: Neben- und Wechselwirkungen, Kontraindikationen

Wirkstoffgruppe

wichtige Nebenwirkungen1

wichtige pharmakodynamische Wechselwirkungen1,2

wichtige Kontraindikationen1

TZA
(Amitriptylin, Clomipramin u. a.)

anticholinerge Effekte, Sedierung; Appetit- und Gewichtszunahme; kardiale Überleitungsstörungen/ Herzrhythmusstörungen; Dysorthostase, Schwindel und Hypotonie; Mundtrockenheit; Akkomodationsstörungen; Gewichtszunahme; Delir

CAVE: enge therapeutische Breite

Substanzen mit anticholinergem Wirkprofil; Alkohol; Substanzen mit QT-Zeit-verlängernden Effekten

Harnverhalt/Prostatahyperplasie; Engwinkelglaukom; Pylorusstenose, Ileus; schwere kardiale Erkrankungen einschließlich Überleitungsstörungen und Arrhythmien; Demenz, Delir

SSRI
(Citalopram, Fluoxetin, Sertalin u.a.)

Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Dysfunktion, Schwitzen, Tremor; Hyponatriämie/SIADH; bei manchen Subtanzen QT-Zeit-Verlängerung

gerinnungshemmende Medikamente, Substanzen mit QT-Zeit-verlängernden Effekten (Citalopram, Escitalopram), Substanzen mit serotonergem Wirkprofil

bekannte QT-Zeit-Verlängerung, erhöhte Blutungsneigung

SSNRI
(Venlafaxin, Duloxetin)

Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Dysfunktion, Schwitzen (v. a. nachts), Tremor; Hypertonie; Mundtrockenheit, Hyponatriämie/SIADH

CAVE: z. T. ausgeprägte Absetz-symptome (à langsam ausschleichen)

gerinnungshemmende Medikamente, Substanzen mit serotonergem Wirkprofil

bekannte QT-Zeit-Verlängerung, erhöhte Blutungsneigung, schwere Leberfunktionsstörung

MAO-Hemmer
(Moclobemid, Tranyl­cypromin)

Schlafstörungen; Mundtrockenheit; Dysorthostase;
Tranylcypromin: hypertensive Krisen (à tyraminarme Diät)

Substanzen mit serotonergem Wirkprofil

Tranylcypromin: Leberinsuffizienz, schwere Hypertonie, Phäochromozytom, rupturgefährdete Aneurysmen

α2R-Antagonisten
(Mianserin, Mirtazapin)

Sedierung, Appetit- und Gewichtszunahme, Dysorthostase, Alpträume

Substanzen mit serotonergem Wirkprofil

schwere Leber- und Nierenfunktions-Störungen; Dosisreduktion bei Nierenfunktionsstörung

Trazodon

Müdigkeit, orthostatische Dysregulation

sedierende sowie Substanzen mit α2R-Blockade

Intoxikationsgefahr mit anderen sedierenden Substanzen

Bupropion

Unruhe, Schlafstörungen, Hypertonie; Mundtrockenheit, Appetitverlust, Tremor, epileptische Anfälle

Substanzen, die die Krampfschwelle senken, MAO-Hemmer, dopaminerge Substanzen

schwere Hypertonie, Epilepsie

Agomelatin

Leberfunktionsstörungen; Müdigkeit; Albträume

 

Lebererkrankungen

Tianeptin

Appetitminderung, Schlafstörungen; CAVE: missbräuchliche Verwendung

 

Suchterkrankungen

1     Auswahl, Stand 2021. Es gilt die jeweils aktuelle Fachinformation.

2     Antidepressiva haben zudem ein hohes pharmakokinetisches Interaktionspotenzial über Cytochrom P450 (CYP), P-Glykoprotein (P-gp) und UDP-Glucuronosyltransferase (UGT). Daher empfiehlt die Leitliniengruppe, vor dem Ansetzen eines Antidepressivums und insbesondere bei Johanniskraut bei multimedizierten Patient*innen einen Interaktionscheck in entsprechenden Datenbanken durchzuführen, anhand der Fachinformationen auf Wechselwirkungen zu prüfen oder einen Apotheker bzw. klinischen Pharmazeuten hinzuzuziehen.

TZA Tri- und tetrazyklische Antidepressiva; SSRI Selektive Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren; SSNRI Selektive Serotonin-/ Noradrenalin- Rückaufnahme-Inhibitoren; MAO Monoaminoxidase; α2R Alpha2-Rezeptor (Mianserin, Mirtazapin)

NVL Unipolare Depression, Version 3.1, 2022

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  • Langfassung

    NVL Unipolare Depression, Version 3.1, 2022

  • Kurzfassung

    NVL Unipolare Depression, Version 3.1, 2022

Das Archiv enthält abgelaufene, zurückgezogene Dokumente zur Nationalen Versorgungsleitlinie Unipolare Depression.

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zuletzt verändert: 13.01.2023 | 09:51 Uhr