13 Palliativversorgung (Stand 2009)

NVL Chronische Herzinsuffizienz

2. Auflage, 2017. Version 3 – Druckversion (PDF ) | Kapitelübersicht | weitere Informationen

Die wesentlichen Elemente der Palliativversorgung sind die Linderung von körperlichen und seelischen Beschwerden unter Berücksichtigung von psychosozialen und spirituellen Bedürfnissen und unter konsequenter Einbeziehung des Patienten und seines sozialen Umfeldes. Die palliative Betreuung umfasst weiterhin die Thematisierung und Klärung ethischer und rechtlicher Fragen sowie die Planung der Versorgung (Versorgungsmanagement) [554]. Palliativversorgung hat sich in der gesellschaftlichen Wahrnehmung bisher auf die Versorgung unheilbar Tumorkranker konzentriert [20]. Sie richtet sich jedoch an alle Patienten, die an einer fortschreitenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden [20]. Britische und schwedische Analysen deuten darauf hin, dass Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im Endstadium nur unzureichend palliativ versorgt werden [138]; [555]; [27].

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

13-1

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten mögliche Verunsicherungen und Ängste bezüglich eines plötzlichen Todes in allen Stadien der Erkrankung besprochen werden. Dabei sollte auf gezielte Äußerungen oder Nachfragen des Patienten oder seiner Angehörigen sowie auf nonverbale Angstsignale geachtet und eingegangen werden, insbesondere bei Erstdiagnose oder Progredienz der Erkrankung bzw. bei wiederholten Dekompensationen.

sollte

13-2

Mögliche Bedürfnisse von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und ggf. von deren Angehörigen hinsichtlich einer palliativen Versorgung sollten rechtzeitig im Krankheitsverlauf ermittelt und in regelmäßigen Abständen erneut besprochen werden.

sollte

Die Empfehlungen beruhen auf existierenden Leitlinien [20]; [72]; [100]; [35] und stellen einen Expertenkonsens dar. Die Vorhersage des Krankheitsverlaufs und des Todes von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist wesentlich schwieriger als beispielsweise bei malignen Tumorerkrankungen [27]. Die geringe Lebenserwartung (Fünf-Jahres-Überlebensrate in Olmsted County (USA) 1997-2000, 54% bei Frauen und 50% bei Männern [39] (siehe auch [556]) und das hohe Risiko eines plötzlichen Herztodes (bei ca. 30-40% der Patienten) [557]; [558] bedroht und verunsichert auch Patienten mit keinen oder geringen Symptomen (NYHA I-II) und ihre Angehörigen.

Die Diskussion und Regelung der Bedürfnisse und Wünsche des Patienten hinsichtlich einer palliativen Versorgung sollten wegen der Gefahr unerwarteter Dekompensationsperioden und kognitiver Beeinträchtigungen im weiteren Krankheitsverlauf (siehe Kapitel 12 Multimorbidität und geriatrische Aspekte (Stand 2009)) nicht zu spät erfolgen. Auf gezielte Äußerungen oder Nachfragen des Patienten oder seiner Angehörigen sowie auf nonverbale Angstsignale sollte geachtet und auf diese eingegangen werden. Dies gilt vor allem bei Erstdiagnose oder Progredienz der Erkrankung bzw. bei wiederholten Dekompensationen. Die regelmäßige Überprüfung der Bedürfnisse der Patienten hinsichtlich ihrer palliativen Versorgung wird empfohlen, weil amerikanische Studien darauf hindeuten, dass sich die Wiederbelebungspräferenzen von Herzinsuffizienzpatienten im Krankheitsverlauf häufig verändern [559]; [560]. Bei Patienten, die einen Herzschrittmacher (CRT) und/oder implantierten Defibrillator (ICD) erhalten haben, sollte das Abschalten der Geräte mit dem Patienten und ggf. seinen Angehörigen diskutiert und geregelt werden [72]; [127]; [27].

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

13-3

Für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im Terminalstadium besteht die Möglichkeit, unter Einbeziehung von Ärzten, Pflegekräften und anderen Berufsgruppen mit Erfahrung in Palliativmedizin und den verfügbaren lokalen Ressourcen (z. B. Hospizdienste) behandelt zu werden.

Statement

Die Empfehlung basiert auf einer existierenden Leitlinie [20] und stellt einen Expertenkonsens dar. In einer systematischen Übersichtsarbeit wurde keine aussagekräftige Evidenz zur palliativen Versorgung von Herzinsuffizienzpatienten mit Schmerzen, symptomatischer Dyspnoe und zu psychischen und physischen Krankheitsfolgen von Pflegenden (caregiver burden) identifiziert [561]. In Deutschland ist eine Vielzahl von Leistungsanbietern aus dem ambulanten und stationären Sektor, aber auch private und kirchliche Initiativen in die Palliativversorgung involviert [20]. Eine Linksammlung zu regionalen Versorgungsstrukturen bietet die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (www.dgpalliativmedizin.de).

Aktuelle deutsche Leitlinien
S3-Leitlinie Palliativmedizin www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/128-001OL.html

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zuletzt verändert: 23.04.2018 11:21