Über das NVL-Programm

Das NVL-Programm

Das Programm für Nationale Versorgungsleitlinien (NVL) ist eine Initiative zur Qualitätsförderung in der Medizin unter Schirmherrschaft von Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Die operative Durchführung und Koordination erfolgt durch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Kooperation mit dem Institut für Medizinisches Wissensmanagement (IMWi) der AWMF.

Hintergrund und Ziele des NVL-Programms

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) entwickeln seit vielen Jahren Leitlinien. Diese sind in der Regel auf spezifische Krankheitssituationen und definierte Teilbereiche des Versorgungsgeschehens (ambulante, stationäre oder rehabilitative Versorgung) ausgerichtet. Nur selten beschreiben sie auch organisatorische Rahmenbedingungen der Patientenversorgung.

Zur Förderung der Vernetzung medizinischer Leistungen in übergreifenden Versorgungsformen (z. B. Disease Management Programme (DMP)) werden Leitlinien benötigt, die diese Aspekte ergänzen und Lösungen für Schnittstellen zwischen den verschiedenen Sektoren, aber auch zwischen den verschiedenen beteiligten Disziplinen und Gesundheitsberufen anbieten ("Versorgungsleitlinien"). Aus diesem Grund wurde im Jahr 2003 das Programm für Nationale Versorgungsleitlinien (NVL-Programm) ins Leben gerufen.

Akteure und Finanzierung

Von 2003 bis 2024 war das NVL-Programm eine gemeinsame Initiative der AWMF und der Selbstverwaltungskörperschaften der Ärzteschaft (Bundesärztekammer BÄK und Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV) (BÄK). Die Koordination und Redaktion des NVL-Programms oblag bis 2024 dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Nach dessen Auflösung hat 2025 das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die operative Koordination und Redaktion im NVL-Programm übernommen und kooperiert dabei mit dem Institut für Medizinisches Wissensmanagement (IMWi) der AWMF.

BÄK und KBV fördern das NVL-Programm finanziell und übernehmen gemeinsam mit der AWMF die Schirmherrschaft. Zi und AWMF wenden für die operative Durchführung zusätzlich eigene Mittel auf.

Die Durchführung und Fortentwicklung des NVL-Programms erfolgt auf der Grundlage des NVL-Methodenreports. Über konzeptionelle Fragen und die Rahmenplanung stimmen sich AWMF und Zi mit einem Steuerungsgremium ab, in dem die für das NVL-Programm wichtigsten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften vertreten sind. Ein wissenschaftlicher Beirat unterstützt das NVL-Programm mit Empfehlungen zu methodischen Fragen. Er umfasst Personen mit fundierter Expertise in den Bereichen evidenzbasierte Medizin, Leitlinienerstellung, medizinisch-wissenschaftliche (Versorgungs-)Forschung, Funktionsweise des deutschen Gesundheitswesens, Patientensicherheit, Patientenbeteiligung und Patienteninformation.

Themen und Formate

Aktuell gehören zum NVL-Programm 8 Leitlinien zu hochprävalenten chronischen Erkrankungen:

Die Implementierung der Leitlinien-Empfehlungen wird im NVL-Programm durch die Entwicklung und Bereitstellung von verschiedenen Materialien für die ärztliche Praxis unterstützt. Zu den Formaten aus dem NVL-Programm gehören:

  • Praxishilfen für Behandelnde, zum Beispiel Dokumentationsbögen, Entscheidungshilfen, Fragebögen, Algorithmen und Tabellen.
  • Patientenmaterialien: Diese ein- bis zweiseitigen Gesundheitsinformationen ("Patientenblätter") sind für das Arzt-Patienten-Gespräch bei spezifischen Beratungsanlässen gedacht. Sie zeichnen sich durch eine klare Gestaltung und verständliche Sprache aus. Einige gibt es auch in mehreren Fremdsprachen und in Leichter Sprache.
  • Patientenleitlinien: In diesen Broschüren werden die NVLs in eine verständliche Sprache übersetzt. Sie sind sehr ausführlich und richten sich vorrangig an sehr interessierte Personen.

Diese Materialien sind integraler Bestandteil der NVLs und durchlaufen die gleichen etablierten Entwicklungsschritte und Konsensprozesse wie die Leitlinien.

Methodik im NVL-Programm

NVL werden methodisch hochwertig nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin entwickelt. Sie basieren auf systematisch recherchierter und kritisch bewerteter Evidenz. Sie werden von einer multidisziplinären Leitliniengruppe entwickelt und in einem formalen Konsensprozess erstellt.

Die allgemeine Methodik für die Entwicklung von Leitlinien ist im Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) beschrieben. Im Abschnitt "Über Leitlinien" sind die wichtigsten Aspekte kurz zusammengefasst.

Der NVL-Methodenreport spezifiziert die methodischen Grundlagen des AWMF-Regelwerks für das NVL-Programm. Darüber hinaus gibt es zu jeder NVL-Version einen Leitlinienreport, in dem detailliert das jeweilige Vorgehen dokumentiert wird und der unter anderem sämtliche Evidenzaufbereitungen und Informationen zum Management von Interessenkonflikten der Mitglieder der Leitliniengruppen enthält. Die Erstellung der Patientenleitlinien und Gesundheitsinformationen ist ausführlich im "Methodenreport Patientenleitlinie" und im "Methodenreport Gesundheitsinformationen" beschrieben.

Patientenbeteiligung im NVL-Programm

Im NVL-Programm ist Patientenbeteiligung festgeschrieben. Patienten- und Angehörigenvertretungen sind konsequent in alle Entwicklungsschritte der Leitlinien involviert und haben Stimmrecht. Außerdem haben Selbsthilfe- und Patientenorganisationen sowie die interessierte Öffentlichkeit die Möglichkeit, ihre Vorschläge und Kommentare in Rahmen der öffentlichen Konsultation einzubringen. Zusätzlich werden öffentliche Befragungen durchgeführt, um aus Sicht der Betroffenen wichtige Aspekte in den NVL berücksichtigen zu können.
Der Nominierungsprozess und der festgelegte Verfahrensablauf sind im Detail im "Handbuch Patientenbeteiligung" nachzulesen.

Mehr zum Nachlesen

 

Wird geladen
zuletzt verändert: 26.02.2026 | 15:47 Uhr