NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage – Empfehlungsübersicht

Diagnostik

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

3-1 [Hintergrund und Evidenz]

Finden sich bei Patienten mit Kreuzschmerzen durch Anamnese und körperliche Untersuchung beim Erstkontakt keine Hinweise auf gefährliche Verläufe oder andere ernstzunehmende Pathologie, sollen vorerst keine weiteren diagnostischen Maßnahmen durchgeführt werden.

Expertenkonsens

Starke Empfehlung

3-2 [Hintergrund und Evidenz]

Psychosoziale und arbeitsplatzbezogene Risikofaktoren sollen von Beginn der Kreuzschmerzen an und im Behandlungsverlauf berücksichtigt werden.

Expertenkonsens

Starke Empfehlung

3-3 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Kreuzschmerzen soll eine körperliche Untersuchung durchgeführt werden, um ernstzunehmende Pathologien zu erkennen und die Wahrscheinlichkeit abwendbarer gefährlicher Erkrankungen abzuschätzen.

Literatur 11592, 24191, 24421, 24192

Starke Empfehlung

3-4 [Hintergrund und Evidenz]

Nach vier Wochen Schmerzdauer und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie sollten psychosoziale Risikofaktoren durch den koordinierenden Arzt mit einem standardisierten Screeninginstrument, z. B. STarT Back Tool oder Örebro Kurzfragebogen, erfasst werden.

Expertenkonsens

Abgeschwächte Empfehlung

3-5 [Hintergrund und Evidenz]

Nach vier Wochen Schmerzdauer und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie können arbeitsplatzbezogene Risikofaktoren mit einem standardisierten Screeninginstrument erfasst werden.

Expertenkonsens

Offene Empfehlung

3-6 [Hintergrund und Evidenz]

Bei akuten und rezidivierenden Kreuzschmerzen soll ohne relevanten Hinweis auf gefährliche Verläufe oder andere ernstzunehmende Pathologien in Anamnese und körperlicher Untersuchung keine bildgebende Diagnostik durchgeführt werden.

Literatur 15486, 24186

Starke Negativ-Empfehlung

3-7 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit anhaltenden aktivitätseinschränkenden oder progredienten Kreuzschmerzen (nach vier bis sechs Wochen) trotz leitliniengerechter Therapie soll die Indikation für eine bildgebende Diagnostik überprüft werden.

Expertenkonsens basierend auf 24528, 24188

Starke Empfehlung

3-8 [Hintergrund und Evidenz]

Die Wiederholung der Bildgebung ohne relevante Änderung des klinischen Bildes soll nicht erfolgen.

Expertenkonsens

Starke Negativ-Empfehlung

3-9 [Hintergrund und Evidenz]

Bei akuten Kreuzschmerzen soll ohne relevanten Hinweis auf gefährliche Verläufe oder andere ernstzunehmenden Pathologien keine routinemäßige Laboruntersuchung zum Ausschluss entzündlicher oder neoplastischer Ursachen durchgeführt werden.

Expertenkonsens

Starke Negativ-Empfehlung

3-10 [Hintergrund und Evidenz]

Ein multidisziplinäres Assessment zur weiteren Therapieempfehlung soll durchgeführt werden:

  • nach sechs Wochen Schmerzdauer, alltagsrelevanten Aktivitätseinschränkungen1 und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie sowie dem Vorliegen von psychosozialen und/oder arbeitsplatzbezogenen Risikofaktoren zur Chronifizierung;
  • nach zwölf Wochen Schmerzdauer, alltagsrelevanten Aktivitätseinschränkungen1 und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie;
  • bei chronischen nicht-spezifischen Kreuzschmerzen mit erneuter therapieresistenter Exazerbation.

Expertenkonsens

Starke Empfehlung

3-11 [Hintergrund und Evidenz]

Liegen Warnhinweise ("red flags") vor, sollen je nach Verdachtsdiagnose und Dringlichkeit weitere bildgebende oder Laboruntersuchungen und/oder Überweisungen in spezialfachärztliche Behandlung eingeleitet werden.

Expertenkonsens

Starke Empfehlung

NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, 2017. Version 1 – Empfehlungsübersicht
Wird geladen
zuletzt verändert: 25.06.2021 | 13:25 Uhr