Anhang

S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression

2. Auflage, 2015. Version 5 – Druckversion (PDF ) | Kapitelübersicht | weitere Informationen

Anhang 1: Cut-off-Werte bei Fragebogenverfahren

Siehe Kapitel 2: Diagnostik

Testverfahren

Cut-off-Werte

Beck-Depressions-Inventar (BDI) [1539; 1540; 1541]

< 10: keine Depression bzw. klinisch unauffällig oder remittiert
10-19: leichtes depressives Syndrom
20-29: mittelgradiges depressives Syndrom
≥ 30: schweres depressives Syndrom

Beck-Depressions-Inventar II (BDI-II) [1542]

< 13: keine Depression bzw. klinisch unauffällig oder remittiert
13-19: leichtes depressives Syndrom
20-28: mittelgradiges depressives Syndrom
≥ 29: schweres depressives Syndrom

Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) [1161; 1543]

≤ 7: keine Depression bzw. klinisch unauffällig
8-10: "suspekt", d. h. zumindest leichte depressive Störung
> 10: klinisch relevantes depressives Syndrom

Symptom Checklist (SCL 90-R)

Es liegen keine zuverlässigen Cut-off-Werte für die SCL 90-R vor.

Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D) [246; 1541]

≥ 5 der 9 Items werden bejaht (wenigstens "mehr als die Hälfte der Tage"): Major Depression (mindestens mittelgradige depressive Störung)

Geriatrische Depressionsskala [269]

0-5 Punkte: klinisch unauffällig
≥ 6 Punkte: depressive Störung wahrscheinlich

Hamilton-Depressions-Rating-Skala (HDRS; 17-Item-Version) [1543]

≤ 8: keine Depression bzw. klinisch unauffällig oder remittiert
9-16: leichtes depressives Syndrom
17-24: mittelgradiges depressives Syndrom
≥ 25: schweres depressives Syndrom

Bech-Rafaelsen-Melancholie-Skala (BRMS) [274; 1544]

0-5: kein depressives Syndrom
6-14: leichtes depressives Syndrom
15-24: mittelgradiges depressives Syndrom
≥ 25: schweres depressives Syndrom

Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS)

0-6: kein depressives Syndrom bzw. remittiert
7-19: leichtes depressives Syndrom
20-34: mittelgradiges depressives Syndrom
≥ 35: schweres depressives Syndrom


Anhang 2: Antidepressiva – Wirkstoffe gegliedert nach Wirkstoffgruppen mit Angaben zu Dosierung, Plasmaspiegel und Monitoring

(mod. n. [478] und dort zitierten Quellen und [595])

Siehe Kapitel 3.4: Pharmakotherapie

Wirkstoff
(Wirkstoffgruppe)

Dosierung

Plasmaspiegel

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)

Anfangsdosis
[mg/Tag]

Standard-Tagesdosis
[mg/Tag]

Serumkonzentration (Talspiegel vor Medikamenteneinnahme) [ng/ml]

Empfehlungsgrad für TDM

Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA) – nichtselektive Monoamin-Rückaufnahme-Inhibitoren (NSMRI)

Amitriptylin

25-50

75-300

80-200*

stark empfohlen

Amitriptylinoxid

30-60

75-300

--

--

Clomipramin

25-50

75-250

230-450*

stark empfohlen

Desipramin

25-50

75-250

100-300

empfohlen

Doxepin

25-50

75-300

50-150*

empfohlen

Imipramin

25-50

75-300

175-300*

stark empfohlen

Maprotilin

25-50

75-225

75-130

empfohlen

Nortriptylin

25-50

50-200

70-170

stark empfohlen

Trimipramin

25-50

75-300

150-300

empfohlen

Selektive Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren (SSRI)

Citalopram

20

20-40

50-110

empfohlen

Escitalopram

10

10-20 (bei Pat > 65 Jahre 10)

15-80

empfohlen

Fluoxetin

20

20-40

120-500*

empfohlen

Fluvoxamin

50

100-250

60-230

empfohlen

Paroxetin

20

20-40

30-120

hilfreich

Sertralin

50

50-100

10-150

empfohlen

Vortioxetin**

10

10 (5-20)

noch nicht verfügbar

keine Empfehlung

Monoaminoxidase (MAO)-Inhibitoren

Moclobemid

150

300-600

300-1000

hilfreich

Tranylcypromin

10

20-40

≤50

möglicherweise hilfreich

Selektive Serotonin-/ Noradrenalin- Rückaufnahme-Inhibitoren (SSNRI)

Venlafaxin

37,5-75

75-225

100-400*

empfohlen

Duloxetin

30-60

60

30-120

empfohlen

Alpha2-Rezeptor-Antagonisten

Mianserin

30

60-120

15-70

hilfreich

Mirtazapin

15

15-45

30-80

empfohlen

Selektiver Noradrenalin- und Dopamin-Rückaufnahme-Hemmer

Bupropion

150

150-300

225-1500*

hilfreich

Melatonin-Rezeptor-Agonist und Serotonin-5-HT2C-Rezeptor-Antagonist

Agomelatin

25

25-50

7-300 (50ng/ml 1-2 Std. nach letzter Einnahme)

möglicherweise hilfreich

Serotonin-Wiederaufnahme-Verstärker

Tianeptin

37,5

37,5

keine Angabe

keine Empfehlung

*: Antidepressivum mit antidepressiv wirksamem ersten Metaboliten. Die Angabe zur empfohlenen Serumkonzentration be­zieht sich auf die Summe aus Wirkstoff und erstem Metaboliten.

**: Vortioxetin ist ein SSRI mit zusätzlicher Aktivität an postsynaptischen Serotonin-Rezeptoren (5-HT-Rez.): agonistisch an 5-HT1A-Rez., partialagonistisch an 5-HT1B-Rez., antagonistisch an 5-HT1D-, 5-HT3- und 5-HT7-Rezeptoren.

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Anhang 3: Weitere zur Behandlung der Depression eingesetzte Arzneimittel mit Angaben zu Dosierung, Plasmaspiegel und Monitoring

(soweit anwendbar mod. n. [478] und dort zitierten Quellen)

Siehe Kapitel 3.4: Pharmakotherapie

Wirkstoff
(Wirkstoffgruppe)

Dosierung

Plasmaspiegel

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)

Anfangsdosis
[mg/Tag]

Standard-Tagesdosis
[mg/Tag]

Serumkonzentration [ng/ml]

Zusammenhang zwischen Serumspiegel und klinischer Wirkung

Nichtklassifizierte Antidepressiva

Trazodon

50-100

200-400

650-1 500

nachgewiesen

Lithiumsalze

Ausschließlich anhand des Plasmaspiegels dosieren. Übliche Anfangsdosis:
8-12 mmol/Tag

Zielwert:
0,6-0,8 mmol/l

s. links

sehr hoch

Phytopharmaka

Hypericum perforatum (Johanniskraut)

Unsicherheit bezüglich des Wirkmechanismus und des verantwortlichen Wirkstoffes. Dosierung unsicher wegen schwankender Wirkstoffkonzentrationen der pflanzlichen Zubereitung.

Angeboten werden 500-1000 mg Trockenextrakt.

 

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Anhang 4: Antidepressivagruppen mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen

(mod. nach [478] und dort zitierten Quellen)

Siehe Kapitel 3.4: Pharmakotherapie

Unerwünschte
Arzneimittelwirkungen

Interaktionen/Arzneimittel-Wechselwirkungen (WW)

Kontraindikationen

Tri- und tetrazyklische Antidepressiva, TZA (Nichtselektive Monoamin-Rückaufnahme-Inhibitoren, NSMRI)

Aufgrund der Vielzahl der Nebenwirkungen und ihrer Variabilität zwischen den einzelnen Stoffen werden hier nur für die Wirkstoffgruppe typische UAW aufgeführt. Näheres siehe Fachinformationen oder spezielle Übersichtsliteratur.

Anticholinerge Effekte: Mundtrockenheit, Miktions- und Akkommodationsstörungen, Obstipation, Hypohidrose, Ileus, Glaukomanfall; Gewichtszunahme; Sedierung; Orthostase-Reaktionen: Blutdruckabfall, Tachykardie, Schwindel; kardiale Erregungsleitungsstörungen; Ödeme; Blutbildungsstörungen; Leberwerterhöhung

Verstärkung der anticholinergen und/ oder sedierenden Effekte bei Kombination mit anderen Anticholinergika oder zentral-dämpfenden Stoffen: Antihistaminika, Parkinsonmittel, Hypnotika/Sedativa/ Tranquilizer, Neuroleptika, Anästhetika, Alkohol (pharmakodynamische Interaktionen (pd)); Verminderte antihypertensive Wirkung von Methyldopa oder Clonidin (pd); Wirkungsverstärkung von Sympathikomimetika (z. B. Blutdruckkrisen oder Arrhythmien bei sympathomimetikahaltigen Lokalanästhetika) (pd); Kombination mit nichtselektiven MAO-Hemmern (Tranylcypromin) vermeiden (hypertone Krisen, Hyperpyrexie, Krampfanfälle) (pd), Wirkungsverstärkung von oralen Antikoagulantien (pharmakokinetische Interaktionen (pk)); Wirkungsverstärkung durch die SSRI Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, einige Neuroleptika (Levomepromazin, Melperon, Thioridazin), Cimetidin (pk); Wirkungsabschwächung (Enzyminduktion) durch Antiepileptika (Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate), Rifampicin, Johanniskraut (pk), orale Kontrazeptiva bzw. Zigarettenrauchen möglich. Clomipramin: Eine Kombination auch mit reversiblen MAO-Hemmern vermeiden (lebensgefährliches serotonerges Syndrom).

Akute Intoxikationen mit zentral dämpfenden Stoffen inkl. Alkohol. Unbehandeltes Engwinkelglaukom. Akute Harnverhaltung, Pylorusstenose, Paralytischer Ileus. Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vorsicht bei Prostatahypertrophie, intestinalen Stenosierungen, schweren Leberschäden, erhöhter zerbraler Krampfbereitschaft, Störung der Blutbildung, zerebrovaskuläre Störungen und kardialer Vorschädigung, insbesondere Reizleitungsstörungen (Vorsicht bei Patienten mit vorbestehendem Schenkelblock). Strenge Indikation vorausgesetzt, ist Schwangerschaft, insbesondere nach dem 1. Trimenon, keine absolute KI. In der Stillzeit sollen TZA nicht genommen werden.

Selektive Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren (SSRI)

Häufig gastrointestinale (Übelkeit, Erbrechen) sowie exzitatorische (Unruhe und Schlafstörungen) UAW; Kopfschmerzen. Häufig Störungen der Sexualfunktion, insbesondere verzögerte Ejakulation sowie Orgasmusstörungen bei beiden Geschlechtern. Reversible Beeinträchtigung der Spermienqualität. Blutungsneigung kann erhöht sein. Gelegentlich Hautausschläge (absetzen, wenn Fieber und immunallergische Symptome hinzutreten!). Hyponatriämie, SIADH. Dosisabhängige Verlängerung der QTc-Zeit im EKG mit Risiko potentiell lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen, insbesondere bei Fluoxetin, Citalopram und Escitalopram [489]. Selten extrapyramidalmotorische Störungen. Gelegentlich Sinusbradykardie. Im Vergleich zu TZA sehr viel geringere anticholinerge, adrenolytische, antihistaminerge und kardiotrope UAW. Citalopram: Kumulationsgefahr bei alten Patienten und Leberinsuffizienz. Alle SSRI außer Fluoxetin: Entzugssymptome bei abruptem Absetzen; bei Niereninsuffizienz (Serum-Kreatinin > 2,7 mg/dl) oder schwerer Leberinsuffizienz Dosis reduzieren. Sertralin: Dosisreduktion bei Leberinsuffizienz.

Bei gleichzeitiger Verordnung von SSRI und anderen Medikamenten ist vorherige genaue Information über potentiell gefährliche WW notwendig (Fachinformation)! Die CYP-inhibierende Wirkung von Sertralin, Escitalopram und Citalopram ist deutlich schwächer als die von Fluoxetin, Fluvoxamin und Paroxetin, die von Vortioxetin ist vernachlässigbar. Kombination mit MAO-Hemmern ist kontraindiziert, Vorsicht bei Kombination mit Tramadol: serotonerges Syndrom (Bauchkrämpfe, Kleinhirnzeichen, Myoklonus, Verwirrtheit, Schwitzen, Tachykardie, Hypertonie), auch Serotonin-Präkursoren (Tryptophan, Oxitriptan) oder Carbamazepin meiden (pd). Nebenwirkungsverstärkung auch bei Kombination mit Johanniskraut. Lithium: Verstärkung serotonerger Wirkungen möglich (pd). Verstärkung der Blutungsneigung durch Azetylsalizylsäure, NSAR und orale Antikoagulanzien (Gerinnungsparameter) (pk). Risiko für QTc-Zeit-Verlängerung im EKG und Gefahr potentiell letaler Herzrhythmusstörungen steigt bei Komedikation mit anderen QTc-Zeit-verlängernden Pharmaka. Fluoxetin und Paroxetin hemmen den CYP2D6-abhängigen Metabolismus einiger anderer Arzneistoffe (z. B. trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika vom Phenothiazin-Typ, Metoprolol, Klasse-Ic-Antiarrhythmika, Codein u. a.), Fluvoxamin den CYP1A2-abhängigen Metabolismus von Arzneistoffen (z. B. einige TZA, Clozapin, Melatonin, Theophyllin, Zotepin) bei denen Dosisreduktionen erforderlich sind (pk). Enzyminduktoren (Phenytoin, Rifampicin, Phenobarbital) können den Abbau von SSRI beschleunigen (pk).

Kombination mit MAO-Hemmstoffen (s. links). Akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- und Psychopharmakavergiftungen. Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, erhöhte Krampfbereitschaft. Zumindest im 1. Trimenon der Schwangerschaft sollten SSRI nicht eingenommen werden, wenngleich neuere Studien kein erhöhtes teratogenes Risiko unter Fluvoxamin, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin berichtet haben. Besondere Vorsicht bei long-QT-Syndrom.

Monoaminoxidase (MAO)-Inhibitoren

Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, gel. gastrointestinale Störungen, Schlaf-störungen, Unruhe. Bei Diätfehler (Konsum größerer Mengen von Tyramin) unter Tranylcypromin-Medikation Gefahr potentiell lebensbedrohlicher Bluthochdruckkrisen.

Keine Kombination mit serotonergen Substanzen: SSRI, Clomipramin, Tryptophan, Triptanen, Sibutramin, Selegilin, Duloxetin oder Venlafaxin (pd). Die Wirkung von Sympathikomimetika (direkten oder indirekten) kann verstärkt werden. Tyraminhaltige Nahrungsmittel (z. B. gealterten Käse, Sauerkraut, überreife Bananen, Hefeextrakte; s. Fachinfo) müssen unter einer Tranylcypromin-Medikation streng gemieden werden. Moclobemid verstärkt die Wirkung von Opioiden (pd). Moclobemid hemmt den CYP2D6- und den CYP2C19-abhängigen Metabolismus einiger anderer Arzneistoffe (z. B. TZA, Neuroleptika vom Phenothiazin-Typ, Metoprolol, Klasse-Ic-Antiarrhythmika, Codein u. a.), bei denen Dosisreduktionen erforderlich sind (pk).

Akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- und Psychopharmakavergiftung. Phäochromozytom oder Thyreotoxikose. Möglichst nicht einsetzen bei Suizidalität oder erhöhter Krampfbereitschaft. Keine Kombination mit Opioiden oder serotonergen Antidepressiva.

Nicht-Einhaltung der tyraminarmen Diät bei Tranylcypromin-Behandlung.

Selektive Serotonin-/ Noradrenalin-Rückaufnahme-Inhibitoren (SSNRI)

Venlafaxin: ähnlich wie SSRI, Übelkeit, Obstipation, Mundtrockenheit, Unruhe, Schlaflosigkeit; dosisabhängige Blutdrucksteigerung – regelmäßige Kontrolle; Hyponatriämie.

Duloxetin: ähnlich wie SSRI, Übelkeit, Mundtrockenheit, Diarrhoe, Obstipation, Harnverhalt, Schlaflosigkeit, Schwindel, Müdigkeit, Blutdruckkontrolle angeraten.

Venlafaxin: Konzentrationserhöhung und vermehrte Nebenwirkungen mit Fluoxetin oder Paroxetin (pk u. pd).

Duloxetin: s. Fachinformation

ähnlich wie SSRI

Alpha-2-Rezeptor-Antagonisten (Mirtazapin, Mianserin)

Sedierung, Benommenheit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Orthostase, Ödeme; cave potenziell Induktion von Agranulozytose; Leberfunktionsstörungen.

 

Verstärkung der zentral dämpfenden Wirkung anderer Arzneimittel (z. B. Benzodiazepinen) bzw. von Alkohol (pd). Keine gleichzeitige Therapie mit MAO-Inhibitoren, Sibutramin, Triptanen (pd). Wirkungsverminderung von Mirtazapin durch Enzyminduktoren (z. B. Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin); Wirkungsverstärkung durch Enzyminhibitoren (z. B. HIV-Proteasehemmer, Azol-Antimykotika, Erythromycin, Clarithromycin) (pk).

Schwere Leber- oder Niereninsuffizienz, kardiale Erkrankungen

Selektiver Noradrenalin-Dopamin-Rückaufnahme-Inhibitor (Bupropion)

Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauch-schmerzen, Verstopfung, Schlaflosigkeit, Agitiertheit, Angst, Zittern, Schwindel, Geschmacksstörungen, Sehstörungen, Tinnitus, erhöhter arterieller Blutdruck, Kopfschmerzen, Fieber und Brustschmerzen, epileptische Anfälle.

Keine Kombination mit MAO-Hemmern. Erhöhte Plasmaspiegel von Desipramin, Imipramin, Risperidon, Thioridazin, Metoprolol, Propafenon und Flecainid, wenn diese Substanzen gleichzeitig mit Bupropion verabreicht werden.

Krampfleiden, ZNS-Tumore, Behandlung mit weiteren Bupropion-haltigen Medikamenten (z. B. zur Raucherentwöhnung), Alkohol- oder Benzodiazepinentzug, schwere Leberzirrhose, Bulimie, Anorexia nervosa.

Melatonin-Rezeptor-Agonist und Serotonin-2C-Rezeptor-Antagonist (Agomelatin)

Transaminasen-Erhöhung (regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich, s. Fachinformation), Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Migräne, Schläfrigkeit oder Schlaflosigkeit, Diarrhö und Obstipation, Übelkeit, vermehrtes Schwitzen, Rückenschmerzen, Angst

Keine Kombination mit CYP1A2-Inhibitoren Fluvoxamin und Ciprofloxacin, die den Abbau von Agomelatin hemmen (kontraindiziert, bei Agomelatin-Gabe). Bei gleichzeitiger Anwendung von Agomelatin mit mäßigen CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Propranolol, Grepafloxacin, Enoxacin) ist Vorsicht geboten, da dies zu einer erhöhten Agomelatin-Exposition führen könnte, ebenso Östrogene.

Demenz, eingeschränkte Leberfunktion oder erhöhte Transaminasenwerte um mehr als das 3-fache des oberen Normbereichs.
Gleichzeitige Anwendung mit starken CYP1A2-Inhibitoren (z.B. Ciprofloxacin, Fluvoxamin).

 

Nichtklassifizierte Antidepressiva (Trazodon)

Müdigkeit, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden, Mundtrockenheit, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Priapismus.

 

Verstärkung der hypotensiven Wirkung durch Phenothiazine (z. B. Chlorpromazin, Fluphenazin, Levomepromazin, Perphenazin) (pd).

Akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- und Psychopharmakavergiftungen.

Lithiumsalze

Siehe Anhang 8 Anwendungsempfehlungen: Lithiumtherapie

Phytopharmaka (Johanniskraut)

Phototoxische und allergische Hautreaktionen, gastrointestinale Beschwerden, Müdigkeit, Unruhe.

Wirkungsverminderung (Enzyminduktion) von oralen Antikoagulantien (Phenprocoumon), Antidepressiva (Amitriptylin, Paroxetin, Sertralin), Antiepileptika (Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital), Alprazolam, oralen Kontrazeptiva, Ciclosporin, Digoxin, Theophyllin, Proteaseinhibitoren (z. B. Indinavir), Methadon, evtl. auch anderen HIV-Medikamenten (Efavirenz, Nevirapin), (pk); Serotonerges Syndrom bei Kombination mit SSRI, Triptanen möglich (pd).

Schwere depressive Episoden, bekannte Lichtüberempfindlichkeit, besondere Vorsicht bei Multimedikation und Komedikation mit geringer therapeutischer Breite.

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Anhang 5: Substrate (nur Antidepressiva) der Cytochrom P450-Isoenzyme

(nach [595; 648] und www.drug-interactions.com)

CYP1A2

CYP2C9/10

CYP2C19

CYP2D6

CYP3A3/4

Agomelatin

(Amitriptylin)

(Clomipramin)

Duloxetin

Fluvoxamin

Imipramin

(Mirtazapin)

(Amitriptylin)

Doxepin

Fluoxetin

Amitriptylin

Citalopram

Clomipramin

Doxepin

Fluoxetin

Imipramin

Moclobemid

Sertralin

Trimipramin

Amitriptylin

Clomipramin

Desipramin

Doxepin

(Duloxetin)

Fluoxetin

Fluvoxamin

Imipramin

Maprotilin

Mianserin

(Mirtazapin)

Nortriptylin

Paroxetin

Trimipramin

Venlafaxin

Vortioxetin

(Amitriptylin)

(Mirtazapin)

Trazodon

Angaben in Klammern: untergeordnete Bedeutung

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Anhang 6: Gründe für erhöhtes Nebenwirkungsrisiko der Antidepressiva bei älteren und alten Menschen

[695]

  • erhöhte Wirkspiegel bei reduzierter Clearance
  • gehäuft im Alter,
  • bei Komorbidität (z. B. Leberfunktionsstörungen),
  • als Folge von pharmakokinetischen Wechselwirkungen;
  • erhöhte oder wechselnde Wirkspiegel durch Fehleinnahme (kognitive Störungen, Multimedikation);
  • pharmakodynamische Faktoren wie
  • verringerte Homöostase-Kapazität,
  • Arzneimittelinteraktionen (z. B. bei anticholinerg wirkenden Substanzen);
  • erhöhte Folgerisiken von Nebenwirkungen wie
  • Orthostase → Sturz → Schenkelhalsfraktur,
  • Sedierung → Inaktivität → Bettlägerigkeit.

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Anhang 7: Medikamentöse Behandlung der therapieresistenten Depression

(Evidenzbewertung aus CPA-CANMAT-Leitlinie [222] in Level 1-3 übernommen)

Abbildung 10: Medikamentöse Behandlung der therapieresistenten Depression

Abbildung 10

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Anhang 8: Anwendungsempfehlungen: Lithiumtherapie

Vor Beginn der Behandlung:

  • körperliche Untersuchung (internist. u. neurolog.);
  • Körpergewicht;
  • Na, K, BZ, T3, T4, TSH, Ca i. S., BB, U-Status, Schwangerschaftstest;
  • Serum-Kreatinin, Abschätzung der Kreatinin-Clearance nach der Cockcroft-Formel:

Kreatinin-Clearance =

(140 – Alter) x Körpergewicht [kg]
KreaS [µmol/l] x 0,82

bzw.: ([mg/dl] x 72)

Frauen: x 0,85 !

Normwerte (mindestens):

Norm:

male

110

100

90

80

70

60

female

95

85

75

65

55

45

ml/
Min.

Alter:

30J.

40J.

50J.

60J.

70J.

80J.

30J.

40J.

50J.

60J.

70J.

80J.

 

Patient aufklären über:

  • Flüssigkeitsverlust und Kochsalzmangel meiden;
  • Verhaltensmaßregeln: ausreichend Trinken insb. bei Hitze oder körperl. Anstrengung; bei Flüssigkeitsverlust wie Fieber, starker Diarrhoe oder starkem Erbrechen Lithiumeinnahme unterbrechen und umgehend Spiegelkontrolle; keine kochsalzarme oder Nulldiät; keine Diuretika, ACE-Hemmer oder nicht-steroidale Antiphlogistika ohne Rücksprache mit Lithium-verschreibendem Arzt; jeden Arzt über die Lithiumbehandlung informieren; vor Narkosen Rücksprache mit Lithium-verschreibendem Arzt halten;
  • die NW (siehe unten);
  • Intoxikationszeichen (siehe unten) (beim Auftreten Lithiumeinnahme unterbrechen und sofortige Serumspiegelkontrolle);
  • Erfordernis einer sicheren Kontrazeption;
  • Lithiumpass und Stimmungskalender aushändigen.

Absolute Kontraindikationen:

  • akutes Nierenversagen;
  • akuter Myokardinfarkt.

Relative Kontraindikationen:

  • Niereninsuffizienz;
  • Psoriasis;
  • Schwangerschaft und Stillen;
  • M. Addison.

Praktische Durchführung:

  • Beginnen bei unbeeinträchtigter Nierenfunktion und Fehlen von Medikamenten, die den Lithium-Serumspiegel erhöhen (siehe unten) mit 12- bis 18 mmol Lithium pro Tag, verteilt auf 2x tgl. Gabe in 12-stündigem Abstand;
  • cave: Lithiumdosis immer nach mmol berechnen, da die verschiedenen Lithiumsalze (Lithiumcarbonat, Lithiumacetat, Lithiumaspartat, Lithiumsulfat) unterschiedliches Gewicht haben, wirksam aber der molekulare Lithiumanteil ist;
  • Dosierung nach 12-Stunden-Serumspiegel anpassen, d. h. Blutentnahme am Morgen vor Einnahme der Medikation;
  • therapeutisches Fenster: 0,6- bis 1,0 mmol/l;
  • Serumspiegel-Bestimmung anfangs wöchentlich, bei stabiler Langzeitbehandlung mind. 1x/Vierteljahr;
  • dabei immer auch kontrollieren: Kreatinin, Na, K, Ca im Serum;
  • Absetzen immer sehr langsam ausschleichend (Gefahr der Rezidiv-, insb. Manieinduktion), sofern nicht wegen Intoxikation oder schweren NW sofortiges Absetzen unumgänglich.

Typische NW auch bei therapeutischen Serumpiegeln:

  • Polyurie, Polydipsie;
  • feinschlägiger Tremor;
  • Gewichtszunahme;
  • (latente) Hypothyreose, Strumaentwicklung;
  • Diarrhoe;

→ erste Maßnahme: Absenken des Serumspiegels innerhalb des therapeutischen Bereichs.

Intoxikation:

  • Ataxie, Schwindel;
  • grobschlägiger Tremor;
  • Dysarthrie;
  • Übelkeit, Erbrechen;
  • Diarrhoe;
  • (dauerhafte) Nierenschädigung;
  • Rigor, Hyperreflexie, Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung, Koma, Tod.

Wechselwirkungen:

  • Diuretika, ACE-Hemmer und nichtsteroidale Antiphlogistika (außer ASS) heben (gefährlich) den Lithium-Serumspiegel.

Anwendung von Lithium in der Schwangerschaft

  • sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung;
  • Aufklärung und Schulung der Schwangeren hinsichtlich Teratogenität, Toxizität und Komplikationen;
  • besonders enge Indikationsstellung im ersten Trimenon;
  • Lithium-Serumspiegelbestimmungen 14-täglich, ab 20. Schwangerschaftswoche wöchentlich (relevante Verschiebungen im Wasser- und Elektrolythaushalt in der zweiten Schwangerschaftshälfte);
  • Serumspiegel am unteren Rand des therapeutischen Bereichs einstellen, d. h. ca. 0,5 bis 0,6 mmol/l;
  • Tagesdosis auf drei bis fünf Einzeldosen eines retardierten Lithiumpräparates verteilen, um Serumspiegel-Spitzen zu vermeiden;
  • keine Anwendung von Diuretika, keine salzarme Diät, eine Saunabesuche, keine starke sportliche Betätigung;
  • bei gastrointestinalen Störungen (Cave Schwangerschaftsübelkeit) und fieberhaften Erkrankungen Serumspiegel-Kontrolle, Aussetzen der Lithiumeinnahme bis zum Ausschluss einer Lithium(sub)intoxikation;
  • zusätzliche Ultraschallkontrolle in Spezialzentrum mit fetalem Echokardiogramm in der 18. und 23. Schwangerschaftswoche;
  • sofern Geburt vorhersehbar oder planbar, Lithium zwei Tage zuvor pausieren, wegen der erheblichen Flüssigkeitsverschiebung durch die Geburt;
  • siehe auch [1545; 1546].

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zuletzt verändert: 15.06.2017 12:43