Zur Behandlung einer Depression kommen meist Psychotherapie und Medikamente zum Einsatz. Doch sie helfen nicht allen betroffenen Menschen: Manchmal ist eine Depression so hartnäckig oder so schwer, dass eine Elektrokonvulsions-Therapie in Betracht kommen kann. Wir erklären Ihnen, wie die Behandlung abläuft und welche Nebenwirkungen es geben kann.
Empfehlung
Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob eine Elektrokonvulsions-Therapie für Sie in Frage kommt. Lassen Sie sich Nebenwirkungen erklären.
Was ist eine EKT?
Die Elektrokonvulsions-Therapie (kurz: EKT) gehört zu den sogenannten neurostimulatorischen Verfahren. Bei diesen Verfahren werden Nervenzellen im Gehirn stimuliert, das heißt angeregt. Das passiert bei einer EKT mit Hilfe von elektrischen Stromreizen. Dadurch werden vermutlich Botenstoffe im Gehirn beeinflusst und das Wachstum von Nervenzellen angeregt.
Ein veralteter Begriff für eine EKT ist "Elektrokrampf-Therapie".
Wie läuft eine Behandlung ab?
Für die EKT-Behandlung werden Elektroden an Ihrem Kopf angebracht. Außerdem bekommen Sie Medikamente, die Ihre Muskeln entspannen. Der Eingriff erfolgt in kurzer Narkose. Nachdem Sie eingeschlafen sind, werden kleine Stromimpulse über die Elektroden übertragen. Sie spüren davon nichts.
Wo und wie oft erfolgt eine EKT?
In der Regel findet eine EKT im Krankenhaus statt.
Die Behandlung besteht meist aus 10 bis 12 Einzelbehandlungen, die zwei- bis dreimal pro Woche stattfinden. Daher spricht man von einer Therapieserie.
Wann kommt eine EKT in Frage?
Studien zeigen, dass eine EKT bei hartnäckigen Depressionen die Beschwerden wirksam lindern und einige Rückfälle verhindern kann. Die Wirkung einer EKT-Behandlung tritt relativ schnell ein.
Daher empfehlen Fachleute das Verfahren, wenn mehrere Behandlungen mit Psychotherapie oder Medikamenten die Beschwerden nicht verbessert haben. In diesen Situationen ist sie besonders für ältere Menschen oder bei psychotischen Anzeichen wirksam. Psychotische Anzeichen sind zum Beispiel Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.
Außerdem kann eine EKT schwer depressiven Menschen helfen, die nicht mehr leben wollen. Hier kann eine EKT zusätzlich zur psychotherapeutischen Hilfe angeboten werden.
Allerdings kann eine Depression nach einer EKT-Therapie wiederkommen. Deshalb ist eine Weiterbehandlung ratsam, beispielsweise mit Medikamenten, mit Psychotherapie oder manchmal auch mit weiteren EKT-Anwendungen. Weitere EKT-Behandlungen können in Frage kommen, wenn Sie schon einmal einen Rückfall hatten, andere vorbeugende Maßnahmen nicht vertragen haben oder sich ausdrücklich eine EKT wünschen.
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Eine EKT ist insgesamt ein sicheres Verfahren.
Als Nebenwirkungen können Gedächtnisprobleme auftreten, die aber in den meisten Fällen rasch wieder verschwinden. So berichten zum Beispiel 26 von 100 Menschen in einer Studie, dass sie kurz nach einer EKT-Behandlung Gedächtnisstörungen hatten. Weitere Daten zeigen, dass die Probleme nach etwa 2 Wochen wieder weg sind.
Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelkater und Schläfrigkeit sind ebenfalls möglich. Sehr selten sind Komplikationen wie Herz-Rhythmus-Störungen oder Blutdruckprobleme.
Dazu ist der Eingriff mit den üblichen Risiken einer Narkose verbunden.
Wo Sie eine Selbsthilfeorganisation in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen).
Internet www.nakos.de
Telefon 030 31018960
Selbsthilfe-Organisationen:
Dieses Patientenblatt ist Bestandteil der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) "Unipolare Depression".
Weiterführende Links
Für diese Information haben wir die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Unipolare Depression genutzt. Diese ist für Ärztinnen, Ärzte und andere medizinische Fachleute gedacht.