NVL Typ-2-Diabetes, 2. Auflage – Teilpublikation

Anhang

Vorbereitung für das Gespräch mit der Ärztin/dem Arzt

Reden Sie mit uns …

Nehmen Sie sich bitte einen Moment Zeit und versuchen Sie, die folgenden vier Fragen zu beantworten, bevor Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt sprechen. Vielleicht hilft es Ihnen, dabei an Ihre Familie und Freunde, Ihre Partnerschaft, Ihre Arbeit, Ihre Nachbarschaft, Ihre Finanzen, Ihr Schicksal, Ihre Gefühle, Ihre Schlaf- und Essgewohnheiten oder Ihre Hobbys zu denken.

Was sollte Ihre Ärztin/Ihr Arzt unbedingt über Sie wissen, auch wenn es nicht unmittelbar Ihre Gesundheit betrifft?

Welche Empfehlung Ihrer Ärztin/Ihres Arztes hat Ihnen am meisten geholfen?

Welche Empfehlung Ihrer Ärztin/Ihres Arztes bezüglich Ihrer Gesundheit empfinden Sie als besondere Belastung?

Wobei brauchen Sie mehr Unterstützung oder Information, was Ihr Leben mit der Erkrankung betrifft?

(modifiziert nach "Tell us about your Life", https://patientrevolution.org/s/Reflection_Doc_8_F_2016.pdf)

Umsetzungs-Barrieren auf Seite der Behandelnden

Beispiele für Barrieren bei der Umsetzung vereinbarter Therapieziele auf Seite der Behandelnden

Kommunikationsgestaltung

🠒 Kommunikation zwischen Ärztin/Arzt und Patient*in?

🠒 Besteht eine vertrauensvolle Beziehung zu der Patientin/dem Patienten?

🠒 Ausreichende Einbeziehung der Patientin/des Patienten in Therapieentscheidungen?

Erkennen von Barrieren (Beispiele): Lösungsansätze (Beispiele):
  • Habe ich im Gespräch eine akzeptierende, wertschätzende und empathische Haltung eingenommen?
  • Habe ich nach ihrem/seinem Anliegen gefragt und danach, was sie/er in diesem Gespräch von mir erwartet?
  • Habe ich das Anliegen der Patientin/des Patienten wahrgenommen und den Inhalt des Gespräches auch darauf abgestimmt?
  • Habe ich im Gespräch die Wünsche und Erwartungen aufgegriffen?
  • Habe ich im Gespräch die Patientin/den Patienten ermuntert, selbst Fragen zu stellen oder nachzufragen?
  • Habe ich im Gespräch die Eigeninitiative der Patientin/des Patienten aktiv gefördert?
  • Habe ich die konkreten Therapieziele – vor allem auch Etappenziele – mit der Patientin/dem Patienten besprochen und mit ihr/ihm eine Vereinbarung getroffen?
  • Habe ich die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen mit ihrem Nutzen-Schadens-Potenzial ausführlich mit der Patientin/dem Patienten besprochen?
  • Habe ich gegebenenfalls danach gefragt, was sie/ihn an der Erfüllung der Therapieziele hindert und ob bzw. wie ich ihrer/seiner Meinung nach helfen kann?
  • Habe ich zum Abschluss des Gespräches eine konkrete Vereinbarung mit der Patientin/dem Patienten getroffen oder mit ihr/ihm ein bestimmtes Thema für den nächsten Termin vereinbart?
  • Hatte ich für das Gesprächsthema genügend Zeit oder sollte ich das Thema das nächste Mal noch einmal aufgreifen?
  • Reflektion der eigenen Kommunikationsgestaltung (z. B. Zeitplanung? passende Gesprächssituation?)
  • Nachfragen, wie die Patientin/der Patient das Gespräch empfunden hat
  • Fragebögen zur Zufriedenheit der Patient*innen einsetzen und auswerten
  • Fortbildung für kommunikative Kompetenzen
  • Nutzung von Unterstützungsangeboten (z. B. Dolmetscher*in)

Therapieplanung

🠒 Zeitgerechte Initiierung oder Anpassung der Therapie ("clinical inertia")?

🠒 Ausreichende Berücksichtigung person- und umweltbezogener Kontextfaktoren?

Erkennen von Barrieren (Beispiele): Lösungsansätze (Beispiele):
  • Sollte bei der Patientin/dem Patienten die Therapie initiiert oder angepasst werden?
  • Habe ich den Behandlungsverlauf mit allen wichtigen Informationen im Blick?
  • Habe ich bei der Therapieplanung relevante person- und umweltbezogene Kontextfaktoren mit einbezogen?
  • Habe ich mit der Patientin/dem Patienten über mögliche Barrieren der Umsetzung im Vorfeld gesprochen und ggf. gemeinsam vorausschauend nach alternativen Lösungen gesucht?
  • Erarbeitung und Anwendung von Behandlungsroutinen (SOPs = Standard Operation Procedure)
  • Gezielte Planung der Konsultationen
  • Digitale Unterstützung zum Erkennen des richtigen Zeitpunkts zur Initiierung oder Anpassung der Therapie
  • Monitoring von Behandlungserfolgen
  • Systematische Überprüfung der Therapien
  • Qualitätsmanagement (Überprüfung der Prozess- und Ergebnisqualität)

Leitliniengerechtes Vorgehen

🠒 Kenntnisse aktueller leitliniengerechter Therapieempfehlungen?

🠒 Umsetzung der evidenzbasierten Leitlinien?

🠒 Ist die Anwendbarkeit evidenzbasierter Therapieempfehlungen für die individuelle Patientin/den individuellen Patienten unklar?

Erkennen von Barrieren (Beispiele): Lösungsansätze (Beispiele):
  • Kenne ich die aktuellen leitliniengerechten Therapieempfehlungen?
  • Habe ich bei der Therapieplanung die Empfehlungen der wissenschaftlichen Leitlinien berücksichtigt?
  • Habe ich bei der Patientin/dem Patienten die Übertragbarkeit von Leitlinienempfehlungen in verschiedenen klinischen Situationen entsprechend der Prinzipien der evidenzbasierten Medizin überprüft? 
  1. Orientierung an bester wiss. Evidenz (Leitlinien)
  2. Klinische Expertise
  3. Werte und Ziele der Patientin/des Patienten überprüft?
  • Fortbildungen, Fachzeitschriften, wissenschaftliche Veranstaltungen, kollegialer Austausch
  • Leitlinienportal www.awmf.org  

Praxisorganisation und interprofessionelle Kooperation

🠒 Zeitmanagement und andere organisatorische Barrieren?

🠒 Gute Kommunikation im Team und mit anderen an der Behandlung Beteiligten?

🠒 Möglichkeiten interprofessioneller Kooperationen ausgeschöpft?

Erkennen von Barrieren (Beispiele): Lösungsansätze (Beispiele):
  • Gibt es klare und transparente Praxis-/Einrichtungsstrukturen, in der jedes Teammitglied klare Aufgaben hat?
  • Gibt es Schwachstellen bei der Organisation der Praxis/Einrichtung, die verbessert werden können?
  • Werden die Patientenorganisation, Therapieplanungen und -entscheidungen, Dokumentation digital unterstützt um rasch einen Überblick über relevante Parameter zu haben?
  • Gibt es eine gute Kommunikation im Team, ein positives Teamklima?
  • Wird die Qualität regelmäßig überprüft (Qualitätsmanagement)?
  • Werden externe Hilfen zur Weiterentwicklung der Praxis in Anspruch genommen?
  • Werden die Möglichkeiten der interprofessionellen Kooperation ausreichend ausgeschöpft?
  • Kann die Qualität und Tragfähigkeit der Kommunikation mit den Kooperationspartnern verbessert werden (inhaltlich, organisatorisch, menschlich)?
  • Überprüfung der Praxisstrukturen, Einbezug digitaler Routinen
  • Digitale Unterstützung bei der Praxisorganisation und therapeutischen Entscheidungen
  • Teambesprechungen, -fortbildungen, regelmäßiger Austausch, Aufgabenklärung, gemeinsame interprofessionelle Leitlinien, strukturierte und transparente interprofessionelle Kommunikation (z. B. formale Mitteilungsbögen, Nutzung der EPA)
  • Qualitätsmanagement, interprofessionelle QM-Zirkel
  • Personalfortbildung, individuelle und Team-Supervision

Patientenblätter

Die NVL Typ-2-Diabetes stellt für spezifische Entscheidungs- oder Informationssituationen evidenzbasierte Materialien in allgemeinverständlicher Sprache bereit. Diese auf den Empfehlungen der NVL beruhenden Patientenblätter sollen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in der Beratung der Patient*innen unterstützen und so zur partizipativen Entscheidungsfindung beitragen:

Die Patientenblätter sind abrufbar unter www.leitlinien.de/diabetes oder www.patienten-information.de/themen/diabetes.

Typ-2-Diabetes: Welche Medikamente gibt es?

(zum Lesen/Download Abbildung bitte anklicken)

Patientenblatt Diabetes - Medikamente 1.jpgPatientenblatt Diabetes - Medikamente 2.jpg

Typ-2-Diabetes: Medikamente: Wann helfen Gliflozine oder Glutide?

(zum Lesen/Download Abbildung bitte anklicken)

Patientenblatt Diabetes - Gliflozine-Glutide 1.jpgPatientenblatt Diabetes - Gliflozine-Glutide 2.jpgPatientenblatt Diabetes - Gliflozine-Glutide 3.jpg

Typ-2-Diabetes: Wie soll der Blutzucker eingestellt sein?

(zum Lesen/Download Abbildung bitte anklicken)

Patientenblatt Diabetes - HbA1c 1.jpgPatientenblatt Diabetes - HbA1c 2.jpg

Risikosituationen für Gliflozin-assoziierte diabetische Ketoazidosen

Tabelle: Risikosituationen für Gliflozin-assoziierte diabetische Ketoazidosen und Maßnahmen, um ihr Auftreten zu verhindern 29010

Risikosituation

Maßnahmen in Bezug auf Gliflozine

Akute Erkrankung (z. B. Infektion, Gastroenteritis, Myokardinfarkt, Schlaganfall)

  • Pausierung
  • Einnahme fortsetzen, wenn klinischer Zustand gebessert und Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme normalisiert

Bariatrische Chirurgie

  • Pausierung bei präoperativer Diät, Indikation für Gliflozin postoperativ reevaluieren

Größere operative Eingriffe

  • drei Tage vor Eingriff pausieren
  • Einnahme fortsetzen, wenn klinischer Zustand gebessert und Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme normalisiert

Drohende Dehydratation (Vorbereitung zur Koloskopie, exzessives Training)

  • Pausierung bis Dehydratation behoben

Low-Carb Diät

  • Pausierung bis normale Ernährung wieder aufgenommen wird

Exzessiver Alkoholkonsum

  • sofortige Pausierung
  • Indikation für Gliflozin zu späterem Zeitpunkt reevaluieren

Abweichende Einschätzungen von DDG/DGIM/DGK/DGfN und DEGAM/AkdÄ/DGP

Die vorliegende NVL beschreibt die gemeinsame Sicht der Fachgesellschaften. Einzelne Aspekte der Therapie werden jedoch unterschiedlich bewertet. An diesen Stellen bleibt die NVL und z. B. der Algorithmus zur medikamentösen Therapie unscharf. Abweichende Sichtweisen der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) zu einigen Aspekten der Therapie werden im Folgenden dargestellt. Informationen zu den unterschiedlichen Sichtweisen stammen aus der aktuellen Praxisempfehlung der DDG zur Therapie des Typ-2-Diabetes 30699, aus der DEGAM-Anwenderversion als Addendum zur NVL Typ-2-Diabetes 30838, sowie den Diskussionen im Rahmen der Leitlinienarbeit.

Diese Positionen wurden nicht im Rahmen der NVL konsentiert und durch das NVL-Team nicht inhaltlich überprüft. Es handelt sich um Bewertungen der jeweiligen Fachgesellschaftsgruppen.

Zu Kapitel 2.3 Algorithmus Medikamentöse Therapie des Typ-2-Diabetes und Kapitel 2.9 HbA1c-Zielkoridor

Die Leitliniengruppe hat sich darauf verständigt, HbA1c-Wert-Ziele nicht in den Algorithmus der NVL aufzunehmen. Aus den analysierten Studien und Reviews ließen sich keine klaren Grenzwerte ableiten. Gleichzeitig wird die Evidenz von den Fachgesellschaften teilweise unterschiedlich interpretiert. Voraussetzungen für eine medikamentöse Senkung der Blutglukose, sowie Patient*innen- und Wirkstoff-spezifische Beeinflussung des HbA1c-Zielbereichs werden wie folgt benannt. Unberührt von den hier vorgeschlagenen Zielwerten bzw. Ziel-Korridoren bleiben die primär gemeinsam mit den Patient*innen vereinbarten individuellen Therapieziele (siehe Kapitel 1 Partizipative Entscheidungsfindung (PEF) und Teilhabe in allen relevanten Lebensbereichen).

Therapieziel HbA1c (DDG/DGIM/DGK/DGfN) und Zielbereich für eine medikamentöse Senkung des HbA1c (DEGAM/AkdÄ/DGP)

DDG/DGIM/DGK/DGfN

DEGAM/AkdÄ/DGP

  • HbA1c-Zielkorridor von 6,5-7,5% (48-58 mmol/mol Hb)
  • multimorbide ältere Menschen und/oder stark eingeschränkte Lebenserwartung HbA1c-Wert < 8,0% (< 64 mmol/mol Hb), seltener < 8,5% (< 69 mmol/mol Hb)
  • bei antidiabetischen Medikationen ohne intrinsisches Hypoglykämierisiko auch niedrigere HbA1c-Wert-Ziele möglich

Hausärztlicher Versorgungsbereich:

  • medikamentöse Senkung der Blutglukose bei Patient*innen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen erst ab HbA1c >7,5%
  • HbA1c-Ziel bei medikamentöser Blutglukose-Senkung 7,0-8,0%
  • bei Behandlung mit Glibenclamid oder Insulin HbA1c-Wert von 7,0-7,5% nicht unterschreiten
  • bei über 70-Jährigen HbA1c bis 8,5% akzeptieren, solange asymptomatisch

Zu Kapitel 2.3 Algorithmus Medikamentöse Therapie des Typ-2-Diabetes, Abbildung 6

Divergierende Einschätzungen zum Algorithmus werden im Folgenden dargestellt:

Linke Seite im Algorithmus: Patient*innen ohne hohes Risiko für diabetesassoziierte kardiovaskuläre und/oder renale Ereignisse

Bevorzugtes zweites Medikament, wenn durch Metformin-Monotherapie die individuellen Therapieziele nicht erreicht werden.

DDG/DGIM/DGK/DGfN

DEGAM/AkdÄ/DGP

Individuelle Wirkstoffwahl unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile der Medikamente, Grade der Evidenz für relevante Endpunkte (auch Hypoglykämien), Patient*innencharakteristika und -Präferenzen

Bevorzugter Einsatz von Glibenclamid in der niedrigsten effektiven Dosierung

Effektivste Blutzuckersenkung abgesehen von Insulin

Bewertung der verschiedenen Wirkstoffgruppen

DPP-4-Hemmer: ersetzen in zunehmendem Maße die Therapie mit Sulfonylharnstoffen

Begründung:

  • günstiges Sicherheitsprofil auch bei progredienter Niereninsuffizienz und gute Verträglichkeit (insbesondere bei älteren Menschen wichtig)
  • weitgehend gewichtsneutrale Effekte, vergleichbare glukosesenkende Potenz wie Metformin und die anderen OADs

DPP-4-Hemmer: Ausnahmefällen vorbehalten (als Monotherapie bei symptomatischen Patient*innen, die andere Substanzen nicht vertragen oder ablehnen; siehe Anwenderversion)

Begründung:

  • Nutzen hinsichtlich klinisch relevanter Endpunkte nicht belegt
  • Einsatz bei Herzinsuffizienz nicht empfohlen
  • additive Senkung des HbA1c bei zusätzlichem Einsatz marginal

Sulfonylharnstoffe: werden zunehmend durch andere OADs ersetzt

Begründung:

  • höchstes Hypoglykämiepotential aller oralen Antidiabetika (z. T. schwere und prolongierte Hypoglykämien, insbesondere bei älteren Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion)
  • bei Patient*innen mit kardiovaskulären und renalen Komplikationen aufgrund der Gefährdung durch schwere Hypoglykämien nicht empfohlen;
  • meist moderate Gewichtszunahme
  • keine Vorteile auf makrovaskuläre Endpunkte, in Studien eher gesteigerte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität

Sulfonylharnstoffe: Glibenclamid, Gliclazid und Glimepirid als bevorzugte Kombinationspartner von Metformin

Begründung:

  • kein Schadpotential, solange keine Hypoglykämien auftreten
  • Hypoglykämierisiko als gering einzuschätzen, wenn keine HbA1c-Zielwerte < 7,5% angestrebt werden
  • Gewichtszunahme als gering einzuschätzen
  • Glibenclamid ist eine Substanz mit gesichertem Nutzen aus Endpunktstudien

SGLT2-Inhibitoren:

  • eine der präferierten Therapieoptionen als Kombinationswirkstoff von Metformin

Begründung:

  • effektive antihyperglykämische Substanzen
  • günstige Wirkprofil durch geringes Hypoglykämierisiko, Gewichtssenkung, vermehrte Harnsäureausscheidung und Absenkung des systolischen Blutdrucks
  • positive Effekte auf kardiovaskuläre und renale Endpunkte in großen kardiovaskulären Endpunktstudien
  • Sicherheitsaspekte (z. B. genitale Infektionen, Ketoazidosen) sind zu beachten

GLP-1-RA:

  • Plasmaglukosesenkung im Mittel stärker als bei den klassischen oralen Antidiabetika; sowie blutdrucksenkende (gering), gewichtsreduzierende Effekte
  • kardio- und renoprotektive Effekte
  • geringes Hypoglykämierisiko

SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-RA:

  • bei Patient*innen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen nur in Ausnahmefällen, wenn Glibenclamid oder Insulin wegen erhöhten Hypoglykämie-Risikos oder anderen Nebenwirkungen bzw. Kontraindikationen nicht in Frage kommen

Begründung:

  • Bisher ergibt sich aus den Einzelstudien kein ausreichender Nutzennachweis bei Patient*innen ohne kardiovaskuläre Erkrankung (inkonsistente Effekte bei weniger Endpunkten, u.a. Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz bzw. Schlaganfallinzidenz). Allerdings zeigt eine Meta-Analyse von Palmer aus 2021 30887 einen sehr geringen Nutzen hinsichtlich Tod und nicht-tödlichen kardiovaskulären Ereignissen.
  • Gefahr von Mykosen in der Genitalregion und Ketoazidosen

Bevorzugter weiterer Wirkstoff, wenn die Kombination aus Metformin und einem zweiten blutzuckersenkenden Medikament nicht ausreicht, um individuelle Therapieziele zu erreichen.

DDG/DGIM/DGK/DGfN

DEGAM/ AkdÄ/DGP

Individuelle Wirkstoffwahl (siehe oben)

  • Gabe oraler Dreifachkombination (z. B. Metformin + DPP-4-Inhibitor + SGLT2-Inhibitor) kann individuell sinnvoll sein oder
  • Beginn einer oralen oder s.c. Gabe von GLP-1-RA vor Insulintherapie erwägen, insbesondere bei erhöhtem Body Mass Index
  • Dreifachkombinationen möglichst vermeiden
  • lässt sich eine Dreifachkombination nicht vermeiden, kommen zusätzlich zu Metformin in Frage:
    • Sulfonylharnstoffe
    • SGLT2-Inhibitoren
    • GLP-1-RA
    • nächtliches Basalinsulin (dann keinen Sulfonylharnstoff einsetzen)

Rechte Seite im Algorithmus: Patient*innen mit klinisch relevanter kardiovaskulärer Erkrankung

DDG/DGIM/DGK/DGfN

DEGAM/AkdÄ/DGP

Frühzeitige Kombinationstherapie (Metformin plus SGLT2-Inhibitor oder GLP-1-RA) anstreben

Initiale Kombinationstherapie nur bei HbA1c-Wert > 7%

Begründung:

  • in den Studien untersuchte Patient*innen hatten bereits eine vorbestehende glukosesenkende Therapie. Daten zur initialen Kombinationstherapie bei Therapie-naiven Patient*innen liegen nicht vor
  • Baseline-HbA1c-Wert in den Studien überwiegend > 7%

Bevorzugter weiterer Wirkstoff, wenn die Kombination aus Metformin plus SGLT2-Hemmer oder GLP-1-RA nicht ausreicht, um individuelle Therapieziele zu erreichen

Individuelle Wirkstoffwahl (siehe oben)

  • Gabe von mehr als zwei oralen Antidiabetika kann individuell sinnvoll sein, oder
  • Beginn einer oralen oder s.c. Blutglukose-senkenden Therapie mit GLP-1-RA und/oder Insulin

Insulin hinzufügen (bevorzugt NPH zur Nacht)

Mitte im Algorithmus: Patient*innen mit hohem Risiko für diabetesassoziierte kardiovaskuläre und/oder renale Ereignisse

Bei welchen Patient*innen aus dieser Gruppe ist eine initiale Kombinationstherapie aus Metformin und SGLT2-Inhibitor oder GLP-1-RA zu empfehlen?

DDG/DGIM/DGK/DGfN

DEGAM/AkdÄ/DGP

  • Patient*innen mit klinisch relevanter renaler Erkrankung (eGFR < 60 ml/min und/oder Makroalbuminurie)
  • Patient*innen mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko gemäß ESC-Risiko-Rechner
  • Patient*innen mit Makroalbuminurie und HbA1c-Wert > 7,0% (Empagliflozin)

Zu Kapitel 2.5.6 Insulintherapie

Bevorzugtes langwirksames Insulin

DDG/DGIM/DGK/DGfN

DEGAM/AkdÄ/DGP

Langwirksame Analoginsuline

Begründung:

  • flaches Wirkprofil, tageszeitlich flexible Injektion, stabileres Glukoseprofil, geringeres Hypoglykämierisiko
  • NPH-Suspension muss geschwenkt werden
  • Anmerkung: GLP-1-RA eventuell vor Insulintherapie erwägen

NPH-Insulin zur Nacht

Begründung:

  • lange Erfahrung
  • sehr geringes Hypoglykämie-Risiko am Tag, insbesondere wenn HbA1c-Ziel nicht zu niedrig gewählt
  • kaum Gewichtszunahme 30298

Zu Kapitel 2.8 Spezifische Therapiezielfindung für Stoffwechsel, Gewicht und Bluthochdruck

Weitere Therapieziele

 

DDG/DGIM/DGK/DGfN

DEGAM/AkdÄ/DGP

Blutdruck

  • systolisch: 120-140 mmHg (≥ 65 Jahre 130-140 mmHg)
  • ≤ 65 Jahre 120-129 mmHg); diastolisch: < 80 mmHg (nicht < 70 mmHg); wenn die Therapie ohne relevante Nebenwirkungen ist
  • ≤ 140 mmHg systolisch, ≤ 90 mmHG diastolisch (40-80 Jahre) 30888
  • 140-150 mmHg bei Patient*innen ≥ 80 Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung 30469

Lipide

LDL-Cholesterin-Senkung:

Sehr hohes Risiko in der Primär- und Sekundärprävention:

≥ 50% LDL-C-Reduktion von der Basis vor lipidsenkender Therapie und ein LDL-C-Ziel < 1,4 mmol/l (< 55 mg/dl)

High Risk: ≥ 50% LDL-C-Reduktion von der Basis und ein LDL-C < 1,8 mmol/l (< 70 mg/dl)

Mäßiges Risiko: < 2,6 mmol/l (< 100 mg/dl)

Niedriges Risiko: < 3,0 mmol/l (< 116 mg/d)

  • Strategie der festen Dosis, keine Zielwertorientierung:
  • in der Sekundärprävention Verweis auf NVL chronische KHK 28150
  • Statintherapie anbieten bei kardiovaskulärem Gesamtrisiko > 20%/10 Jahre
  • Statintherapie nach individueller Beratung erwägen bei absolutem Gefäßrisiko 10-20%/10 Jahre und deutlich erhöhtem altersbezogenem Risiko
NVL Typ-2-Diabetes, 2. Auflage, 2021. Version 1

NVL Typ-2-Diabetes – Weitere Formate

  • Flyer: Was ist wichtig?

    Die Kernaussagen der NVL für Ärztinnen und Ärzte zusammengefasst.

  • Foliensatz

    Für Präsentationen zu den NVL bei Kongressen.

  • Patient*innen

    Weitere Materialien für Patient*innen auf unserer Seite Patienten-Information.de.

  • Dokumentationsbögen

    Dokumentationsbögen zur Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes.

Bitte beachten Sie, dass nur die unter www.leitlinien.de enthaltenen Dokumente des Programms für Nationale VersorgungsLeitlinien durch die Träger des NVL-Programms autorisiert und damit gültig sind. Bei NVL-Dokumenten, die Sie von anderen Webseiten beziehen, übernehmen wir keine Verantwortung für deren Gültigkeit.

Die jeweiligen Archive der verschiedenen Nationalen VersorgungsLeitlinien zum Thema Diabetes:

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