9 Rehabilitation (Stand 2009)

NVL Chronische Herzinsuffizienz

2. Auflage, 2017. Version 3 – Druckversion (PDF ) | Kapitelübersicht | weitere Informationen

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

9-1

Die Indikation von Rehabilitationsmaßnahmen soll in Kooperation zwischen Hausarzt, Kardiologen und Rehabilitationsmediziner geprüft werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

9-2

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA II-III) und/oder bei klinisch stabilisierten Patienten nach Dekompensation sollte eine kardiologische Rehabilitation durchgeführt werden, wenn als Ursache der Herzinsuffizienz eine koronare Herzkrankheit und/oder eine hypertensive Herzkrankheit vorliegt.

Eine kardiologische Rehabilitation sollte insbesondere dann erfolgen, wenn:

  • die Optimierung der Herzinsuffizienzmedikation häufiger Kontrollen bedarf;
  • die körperliche Trainingstherapie noch initiiert und anfänglich überwacht werden muss;
  • ein besonderer Bedarf an Schulungen und/oder Lebensstilinterventionen besteht;
  • Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und/oder bei der psychischen Stabilisierung notwendig ist;
  • die Aussicht auf Stabilisierung bzw. Verbesserung der sozialen und/oder insbesondere der beruflichen Teilhabe besteht.

Eine kardiologische Rehabilitation sollte auch bei anderen kardialen Grunderkrankungen angeboten werden, wenn die oben aufgezählten Aspekte bei einem Patienten von Bedeutung sind.

sollte

Nationale und internationale Leitlinien zum Thema chronische Herzinsuffizienz empfehlen unter der Überschrift "nichtpharmakologische Therapie" übereinstimmend und unabhängig von der kardialen Grundkrankheit bei allen Patienten mit Herzinsuffizienz folgende Maßnahmen [20]; [72]; [162]; [100]; [33]; [35]; [479]; [139]; [127]; [480]; [27]; [124]; [481]:

  • Etablierung eines regelmäßigen körperlichen Trainings;
  • Schulung der Patienten im Umgang mit der eigenen Erkrankung;
  • Förderung der Krankheitsverarbeitung (Angst, Depression);
  • Ernährungsberatung, Kontrolle der Flüssigkeitsbilanz;
  • tägliches Wiegen und Dokumentation des Körpergewichts;
  • Beendigung des Nikotinkonsums;
  • Beschränkung auf moderaten Alkoholkonsum;
  • Erfassung aller Funktionseinschränkungen im Sinne der Teilhabestörung (ICF) und Erstellung einer sozialmedizinischen Beurteilung.

Mit Hilfe dieser Maßnahmen sollen die Therapietreue verbessert, Komplikationen verringert bzw. früher erfasst werden, dadurch Krankenhauseinweisungen vermieden und somit Morbidität und Mortalität der chronischen Herzinsuffizienz reduziert sowie die Lebensqualität der Patienten verbessert werden. Darüber hinaus soll durch die Rehabilitation eine möglichst vollständige Teilhabe am Alltags- und Sozialleben sowie am Arbeitsplatz erreicht werden. Dieser multidisziplinäre und multimodale Therapieansatz wird in Deutschland fast ausschließlich in der stationären oder ambulanten kardiologischen Rehabilitation angeboten.

Zur Wirksamkeit der kardiologischen Rehabilitation in Bezug auf die Reduktion klinischer Endpunkte liegen für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz nur begrenzt Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien vor [482]. Die kardiologische Rehabilitation verbessert die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität. Gesicherte Daten aus großen randomisierten kontrollierten Studien zur Morbidität und Mortalität liegen derzeit nicht vor. Nutzenbelege und Hinweise auf einen Nutzen liegen dagegen zu einzelnen Komponenten (Training, Schulung, psychosoziale Betreuung, Optimierung der medikamentösen Therapie) der Rehabilitation vor [483]. Hinweise auf den Nutzen einer Rehabilitation bei Herzinsuffizienz können auch aus kleinen, nicht kontrollierten Studien [484]; [485] und Kohortenstudien zu Rehabilitationsmaßnahmen bei anderen kardialen Erkrankungen abgeleitet werden [486]; [487]. Ein möglicher Schaden von Rehabilitationsmaßnahmen wurde bisher nicht untersucht.

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Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

9-3

Rehabilitationsprogramme für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollen folgende Grundelemente umfassen:

  • Implementierung einer leitlinienkonformen und individuell angemessenen Medikation;
  • Durchführung eines ärztlich überwachten und individuell ausgerichteten körperlichen Trainings;
  • Erfassung der psychosozialen Situation und ggf. Therapie psychischer Probleme bzw. Sozialberatung;
  • Patientenschulung;
  • Angebote zur Verhaltensmodifikation/Lebenstiländerung.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

Es ist gut belegt, dass die langfristige Polypharmakotherapie der Herzinsuffizienz mit ACE-Hemmern oder AT1-Rezeptorblockern, Betarezeptorenblockern und Aldosteronantagonisten die Mortalität und Morbidität senkt (siehe Kapitel 6 Medikamentöse Therapie (aktualisiert 2017)). Die positiven Effekte der Pharmakotherapie können jedoch nur bei einer entsprechenden Adhärenz der Patienten eintreten. In einer deutschen Studie an 1 346 konsekutiven Patienten mit Herzinsuffizienz zeigte sich, dass die in Deutschland übliche stationäre kardiologische Rehabilitation über drei bis vier Wochen bei Patienten mit Herzinsuffizienz wesentlich zur Implementierung einer leitlinienkonformen medikamentösen Therapie beiträgt und dadurch bei 89% der rehabilitierten Patienten eine leitlinienkonforme Medikation erreicht werden konnte [483]. Zu Evidenz und Hintergrundinformationen von Trainingsmaßnahmen und psychosozialer Betreuung siehe Kapitel 5 Allgemeine Behandlungsstrategie (Stand 2009) und Kapitel 10 Psychosoziale Aspekte (Stand 2009).

Die Adhärenz der Patienten ist eine entscheidende Voraussetzung für den langfristigen Erfolg der therapeutischen Maßnahmen bei chronischer Herzinsuffizienz [488]; [126]; [489]. Das Gesundheitsbildungsprogramm in der kardiologischen Rehabilitation besteht aus der Gesamtheit aller Aufklärungs-, Beratungs- und Trainingsmaßnahmen, die auf positive Veränderungen gesundheits- und krankheitsbezogener Einstellungen und Verhaltensweisen ausgerichtet sind. Dies ist für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, insbesondere aber auch nach Dekompensation, von entscheidender Bedeutung. In der kardiologischen Rehabilitation beinhaltet die Schulung der Patienten mit Herzinsuffizienz die Vermittlung der Krankheitszusammenhänge, die Einübung einer angemessenen Patientenselbstkontrolle (Dokumentation von Blutdruck, Puls, Gewicht, Beschwerden und Symptomatik), den Umgang mit den Medikamenten, das Erlernen einer angemessenen Ernährung und die individuell dosierte körperliche Trainingstherapie.

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

9-4

Zum Abschluss der Rehabilitationsmaßnahme soll den Patienten, basierend auf dem erreichten Bewegungsniveau, den Risikofaktoren und Stresstestdaten (falls verfügbar), ein spezifischer Übungsplan sowie Informationen zu Möglichkeiten der strukturierten Nachsorge (z. B. ambulante Herzgruppen, Selbsthilfegruppen) angeboten werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

Die Empfehlung stellt einen Expertenkonsens dar und basiert auf einer existierenden Leitlinie [108]. Ein spezifischer Übungsplan und die Beteiligung an Maßnahmen der strukturierten Nachsorge können helfen, den Erfolg der Rehabilitation zu stabilisieren und einen Rückfall in alte Verhaltensweisen zu verhindern. Bei der Erstellung des Übungsplanes sollten die folgenden Aspekte berücksichtigt werden (siehe Kapitel 5.4 Training und körperliche Aktivität):

  1. Aufklärung über Zeichen von Überbelastung, Angina pectoris und kardiopulmonalem Distress;
  2. Art und Intensität der körperlichen Belastungen;
  3. Dauer und Häufigkeit der körperlichen Belastungen;
  4. angestrebte Herzfrequenz;
  5. Belastungskontrolle (Borg Skala [490]);
  6. Lebensstilfaktoren (Ernährung, Rauchen, Alkohol).

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zuletzt verändert: 23.04.2018 11:20