2 Prävention und Screening (Stand 2009)

NVL Chronische Herzinsuffizienz

2. Auflage, 2017. Version 3 – Druckversion (PDF ) | Kapitelübersicht | weitere Informationen

2.1 Einleitung

Gegenwärtig sind viele Faktoren bekannt, welche die Entwicklung einer chronischen Herzinsuffizienz begünstigen. Im Folgenden werden als Risikofaktoren* Einflüsse aufgeführt, die nachweislich die Entwicklung einer chronischen Herzinsuffizienz fördern. Da die Herzinsuffizienz keine eigenständige, sondern Folge von verschiedenen Erkrankungen ist, stehen diese Risikofaktoren in enger Verbindung mit den auslösenden Ursachen der chronischen Herzinsuffizienz. Die frühzeitige Erkennung und Therapie von Patienten mit Risikokonstellationen sind deshalb die zentralen Säulen der Prävention der chronischen Herzinsuffizienz.

2.2 Prävention

Aus epidemiologischen Untersuchungen zur Ätiologie der Herzinsuffizienz – die weitaus meisten Fälle resultieren aus einer koronaren Herzkrankheit und/oder einer arteriellen Hypertonie – lassen sich die wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten einer Herzinsuffizienz ableiten: Bluthochdruck (mit oder ohne linksventrikuläre Hypertrophie), koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Rauchen und Adipositas (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Wichtigste Risikofaktoren für die Entstehung einer chronischen Herzinsuffizienz

Bluthochdruck
[46]; [47]; [48]; [49]; [50]; [51]

Abbildung 4 Wichtigste Risikofaktoren für die Entstehung einer chronischen Herzinsuffizienz - nur Pfeil

KHK
[52]; [48]

Diabetes mellitus
[53]; [54]; [48]

Rauchen
[51]; [48]; [50]; [55]; [56]

Einige Krebstherapeutika
[35]

Familiäre Disposition für
Kardiomyopathien

[35]

Adipositas
[48]; [57]; [58]

Entwicklung und Manifestation der Herzinsuffizienz

Weitere Risikofaktoren betreffen eine familiäre Disposition für Kardiomyopathien, einige Therapieverfahren in der Behandlung von Tumorerkrankungen** und bestimmte Arzneimittel (siehe Abbildung 4), welche die Entwicklung einer Herzinsuffizienz begünstigen [35].

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

2-1

Patienten mit bekannten Risikofaktoren für die Entstehung einer chronischen Herzinsuffizienz wie KHK, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Rauchen oder Adipositas sollen Therapiemaßnahmen entsprechend den aktuellen nationalen Leitlinien angeboten werden, um die Entwicklung einer chronischen Herzinsuffizienz zu verhindern.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

Hinsichtlich des Bluthochdruckes liegen Belege aus randomisierten Interventionsstudien vor, die zeigen, dass die Behandlung des Bluthochdruckes die Inzidenz der chronischen Herzinsuffizienz verringert*** [35]; [64]; [62].

Tabelle 9: Nationale Leitlinien zur Therapie von Risikofaktoren der chronischen Herzinsuffizienz

Risikofaktor

Nationale Leitlinie

KHK

www.leitlinien.de/nvl/khk

Diabetes mellitus

www.leitlinien.de/nvl/diabetes

Tabakkonsum

www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/076-006.html

Weitere Maßnahmen zur Prävention einer chronischen Herzinsuffizienz sind die Behandlung einer Myokardischämie, die frühzeitige Revaskularisation bei akutem Myokardinfarkt, die Vorbeugung eines Reinfarkts sowie eine zeitgerechte Therapie von Klappenfehlern, angeborenen Herzvitien und Rhythmusstörungen [33]. Für die Prävention der chronischen Herzinsuffizienz ist die eigenverantwortliche Etablierung eines gesunden Lebensstils durch den Patienten ein entscheidender Faktor. Dazu gehören nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Nikotinabstinenz, mediterrane Diät, körperliche Aktivität, Gewichtsreduktion zur Prävention der wichtigsten Risikofaktoren KHK und Hypertonie.

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2.3 Screening

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

2-2

Ein bevölkerungsbezogenes Screening auf chronische Herzinsuffizienz soll nicht durchgeführt werden.

soll nicht

Sowohl neurohumorale Biomarker (BNP, NT-proBNP) als auch transthorakale Echokardiographie, die als Screeninginstrumente evaluiert wurden, können derzeit nicht als genügend spezifisch und sensitiv für ein bevölkerungsbezogenes Screening angesehen werden ([65]; [66] zit. n. [35], [67]; [68]; [64]; [69]; [70] zit. n. [64]).

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

2-3

Asymptomatischen Personen mit erhöhtem Risiko (mehrere kardiovaskuläre Risikofaktoren, familiäre Disposition, kardiotoxische Exposition) sollte eine Untersuchung auf das Vorliegen einer Herzinsuffizienz empfohlen werden.

sollte

2-4

Wenn eine Früherkennung bei asymptomatischen Personen mit erhöhtem Risiko für eine chronische Herzinsuffizienz durchgeführt werden soll, dann ist die Echokardiographie die Methode der ersten Wahl.

Statement

Die Empfehlung und das Statement basieren auf einem Expertenkonsens. Bei asymptomatischen Personen mit erhöhtem Risiko für eine Herzinsuffizienz sollte ebenso wie bei symptomatischen Personen (siehe Kapitel 3 Diagnostik bei Verdacht auf chronische Herzinsuffizienz (Stand 2009)) eine Echokardiographie nur dann durchgeführt werden, wenn sich mittels Anamnese und Basisdiagnostik Hinweise auf eine chronische Herzinsuffizienz ergeben.


* Als Prognosefaktoren werden dagegen solche Faktoren bezeichnet, die bei einer manifesten Herzinsuffizienz mit einer ungünstigen Prognose assoziiert sind (siehe Kapitel 5 Allgemeine Behandlungsstrategie (Stand 2009)).

** Zu den Behandlungsverfahren mit erhöhtem Herzinsuffizienzrisiko gehören ionisierende Strahlung, die das Mediastinum einschließt ([59] zit. n. [35]) sowie einige Zytostatika und Immuntherapeutika in Abhängigkeit von der kumulativen Dosis ([60]; [61] zit. n. [35]).

*** NNT = 40-44 [62], bei Patienten mit Myokardinfarkt NNT = 15 (RR 0,15 KI 0,05-0,47) [63].

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zuletzt verändert: 23.04.2018 11:17