Empfehlungen

2. Auflage, 2017. Version 3 – Druckversion (PDF ) | Kapitelübersicht | weitere Informationen

Die Empfehlungen der NVL Chronische Herzinsuffizienz sind im Folgenden zusammengefasst. Zur Einordnung in den Kontext der NVL klicken Sie bitte bei den jeweiligen Empfehlungen auf "Hintergrund und Evidenz".

2 Prävention und Screening (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

2-1 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit bekannten Risikofaktoren für die Entstehung einer chronischen Herzinsuffizienz wie KHK, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Rauchen oder Adipositas sollen Therapiemaßnahmen entsprechend den aktuellen nationalen Leitlinien angeboten werden, um die Entwicklung einer chronischen Herzinsuffizienz zu verhindern.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

2-2 [Hintergrund und Evidenz]

Ein bevölkerungsbezogenes Screening auf chronische Herzinsuffizienz soll nicht durchgeführt werden.

soll nicht

2-3 [Hintergrund und Evidenz]

Asymptomatischen Personen mit erhöhtem Risiko (mehrere kardiovaskuläre Risikofaktoren, familiäre Disposition, kardiotoxische Exposition) sollte eine Untersuchung auf das Vorliegen einer Herzinsuffizienz empfohlen werden.

sollte

2-4 [Hintergrund und Evidenz]

Wenn eine Früherkennung bei asymptomatischen Personen mit erhöhtem Risiko für eine chronische Herzinsuffizienz durchgeführt werden soll, dann ist die Echokardiographie die Methode der ersten Wahl.

Statement

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3 Diagnostik bei Verdacht auf chronische Herzinsuffizienz (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

3-1 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit den typischen Symptomen einer Herzinsuffizienz wie Dyspnoe, Müdigkeit, reduzierte physische Belastbarkeit und/oder Flüssigkeitsretention soll differentialdiagnostisch an eine zugrunde liegende Herzinsuffizienz gedacht werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-2 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Verdacht auf Herzinsuffizienz soll dieser Verdacht zunächst durch eine gründliche Anamnese und klinische Untersuchung weiter erhärtet oder entkräftet werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-3 [Hintergrund und Evidenz]

Bei der Anamnese sollen bestimmte Vorerkrankungen, Expositionen, seltene Erkrankungen und eine familiäre Disposition berücksichtigt werden, welche die Entstehung einer Herzinsuffizienz verursachen können. Zusätzlich sollen Hinweise auf wichtige Differentialdiagnosen und weitere Erkrankungen erfragt werden (z. B. COPD, Depression).

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-4 [Hintergrund und Evidenz]

Bei weiter bestehendem Verdacht auf Herzinsuffizienz soll eine Abklärung durch eine Basisdiagnostik und nachfolgend eine Echokardiographie erfolgen.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-5 [Hintergrund und Evidenz]

Die initiale Basisdiagnostik sollte folgende Laborwerte umfassen:

  • Blutbild;
  • Serumelektrolyte (Na, K);
  • Serumkreatinin;
  • Nüchternblutzucker;
  • Leberenzyme;
  • Urinstatus.

sollte

3-6 [Hintergrund und Evidenz]

Die apparative Basisdiagnostik bei Patienten mit Verdacht auf Herzinsuffizienz soll ein EKG (12 Ableitungen) umfassen.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-7 [Hintergrund und Evidenz]

Im ambulanten Bereich sollte die Bestimmung der Plasmakonzentration der natriuretischen Peptide BNP und NT-proBNP nicht generell empfohlen werden.

sollte

3-8 [Hintergrund und Evidenz]

Bei allen Patienten, bei denen nach der Basisdiagnostik der Verdacht auf Herzinsuffizienz weiterhin besteht, soll eine zweidimensionale transthorakale Echokardiographie mit Doppler durchgeführt werden. Sie dient der Objektivierung und Quantifizierung der kardialen Dysfunktion und Pathologie sowie der Diagnostik zur Ätiologie.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-9 [Hintergrund und Evidenz]

Die echokardiographische Untersuchung sollte folgende Aspekte beinhalten:

  • Beurteilung der linksventrikulären systolischen Funktion inklusive möglicher regionaler Wandbewegungsstörungen;
  • Beurteilung der diastolischen Funktion;
  • Bestimmung der linksventrikulären Wandstärke;
  • dopplergestützte Untersuchung auf signifikante Vitien;
  • nach Möglichkeit Schätzung des pulmonalarteriellen Drucks;
  • Nachweis oder Ausschluss intrakardialer Thromben.

sollte

3-10 [Hintergrund und Evidenz]

Befunde und/oder Arztbriefe zu den Ergebnissen der Echokardiographie sollen neben den technischen Angaben eine klare Interpretation der Messwerte beinhalten.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-11 [Hintergrund und Evidenz]

Die Bestimmung der natriuretischen Peptide BNP und NT-proBNP kann im akutstationären Bereich bei Patienten mit dem Leitsymptom Dyspnoe, die nicht mit einer spezifischen Herzinsuffizienzmedikation (z. B. ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorenblocker) vorbehandelt sind, zum Ausschluss einer Herzinsuffizienz eingesetzt werden.

Empfehlungsfeil "kann"

3-12 [Hintergrund und Evidenz]

Bei allen Patienten mit Symptomen und klinischen Zeichen einer Herzinsuffizienz sowie einer nachgewiesenen systolischen und/oder diastolischen Dysfunktion, sollen nach Diagnosestellung in Abhängigkeit vom klinischen Gesamtzustand des Patienten und sich daraus ergebenden Konsequenzen folgende Aspekte abgeklärt werden:

  • verursachende Erkrankungen (beispielsweise Myokardischämie), um ggf. eine kausale Therapie einzuleiten;
  • Prognosefaktoren, um die Prognose einzuschätzen;
  • wesentliche Begleiterkrankungen, die ein spezifisches Vorgehen in der Versorgung der Herzinsuffizienz erfordern;
  • Folgen für andere Organe (z. B. Niereninsuffizienz).

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-13 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit unklarer Ätiologie sollten weiterführende diagnostische Maßnahmen in Kooperation mit einem Kardiologen erwogen werden.

sollte

3-14 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten weiterführende, insbesondere aufwändige und invasive diagnostische Maßnahmen von Hausarzt und Kardiologen gemeinschaftlich geplant werden.

sollte

3-15 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollen über weiterführende diagnostische Maßnahmen (siehe Tabelle 14), über weitere Therapieoptionen und die möglichen Konsequenzen der Maßnahmen (z. B. operative Konsequenzen) aufgeklärt werden und diese mittragen.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-16 [Hintergrund und Evidenz]

Bei herzinsuffizienten Patienten, mit nach Basisdiagnostik und Echokardiographie unklarer Ätiologie der Herzinsuffizienz, für die sich aus einer Herzkatheteruntersuchung therapeutische Konsequenzen ergeben können, soll eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden.

Bei Verdacht auf Myokardischämie soll entsprechend den Empfehlungen der NVL KHK vorgegangen werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-17 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit nachgewiesener chronischer Herzinsuffizienz soll der aktuelle funktionelle Status initial und im Verlauf mit Hilfe der NYHA-Klassifikation bestimmt werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

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4 Akute Dekompensation (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

4-1 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit bekannter chronischer Herzinsuffizienz soll eine unmittelbare stationäre Einweisung bei folgenden Indikationen erwogen werden:

  • Hypotension oder hydropische Dekompensation als Hinweis auf eine schwer dekompensierte Herzinsuffizienz;
  • Ruhedyspnoe (Ruhetachypnoe, Sauerstoffsättigung < 90%);
  • hämodynamisch relevante Arrhythmie (inkl. neu aufgetretenem Vorhofflimmern);
  • wiederholte ICD-Schocks;
  • bedeutende Elektrolytverschiebungen (Hyponatriämie, Hypo- oder Hyperkaliämie);
  • neu aufgetretene oder dekompensierte Komorbidität (z. B. Pneumonie, Lungenembolie, diabetische Ketoazidose, Schlaganfall, akutes Nierenversagen usw.);
  • Dekompensation der Grunderkrankung (z. B. akutes Koronarsyndrom, Ischämie, Klappenfehler usw.).

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-2 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit bekannter chronischer Herzinsuffizienz kann bei folgenden Kon­stellationen eine stationäre Einweisung nach gründlicher Anamnese und klinischer Untersuchung erwogen werden:

  • Volumenüberlastung, auch ohne Dyspnoe (typischerweise mit anderweitig nicht erklärter Gewichtszunahme);
  • Zeichen und Symptome einer pulmonalen oder systemischen Volumenbelastung auch ohne Gewichtszunahme;
  • verschlechterte Nierenfunktion;
  • zunehmende hirnorganische Beeinträchtigung.

Empfehlungsfeil "kann"

4-3 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Zeichen einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz (z. B. Dyspnoe, Rasselgeräusche, periphere Ödeme, Müdigkeit) soll der Verdacht durch eine – wenn möglich – gründliche Anamnese und Untersuchung auf weitere klinische Zeichen und Symptome einer dekompensierten Herzinsuffizienz erhärtet werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-4 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom als Ursache für die akute Dekompensation der chronischen Herzinsuffizienz soll die entsprechende Diagnostik sofort erfolgen.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-5 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Verdacht auf eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz soll die Basisdiagnostik folgende Parameter umfassen:

  • Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Puls;
  • Blutbild;
  • Serumkreatinin und -harnstoff;
  • Elektrolyte;
  • Blutzucker;
  • Leberenzyme;
  • Troponin;
  • EKG;
  • Röntgenthorax;
  • Echokardiographie.

Weitere Parameter betreffen differentialdiagnostische Überlegungen und spezifische therapeutische Maßnahmen (z. B. mechanische Ventilation).

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-6 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Verdacht auf akut dekompensierte Herzinsuffizienz und dem Leitsymptom Dyspnoe kann bei unklarer Diagnose die Bestimmung der Plasmakonzentration der natriuretischen Peptide BNP und NT-proBNP vor allem zum Ausschluss einer kardialen Ursache hilfreich sein.

Empfehlungsfeil "kann"

4-7 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz sollen positiv inotrope Substanzen (Katecholamine, PDE-Hemmer) ausschließlich bei folgenden Indikationen als Kurzzeittherapie bis zur Stabilisierung angewendet werden:

  • kardiogener Schock;
  • persistierende Volumenbelastung bei Diuretikaresistenz.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-8 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz und Zeichen der Volumenbelastung sollen initial intravenös Schleifendiuretika erhalten.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-9 [Hintergrund und Evidenz]

Bei akut dekompensierter Herzinsuffizienz soll, abhängig von Komplikationen (Hypotension, Elektrolytentgleisung, Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen), die vorbestehende medikamentöse Dauertherapie (ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorblocker, Aldosteronantagonisten, Betarezeptorenblocker, Thiazide) überprüft und ggf. modifiziert werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-10 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz sollten verringert Flüssigkeit aufnehmen, insbesondere bei Hyponatriämie.

sollte

4-11 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz und Ruhedyspnoe sowie normalen oder erhöhten Blutdruckwerten kann adjuvant zu den Diuretika ein Nitroglyzerinpräparat gegeben werden.

Empfehlungsfeil "kann"

4-12 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten im frühen Stadium einer schweren, akut dekompensierten Herzinsuffizienz, bei denen Unruhe und schwere Dyspnoe im Vordergrund stehen, kann Morphin eingesetzt werden, wenn die Möglichkeit zu Beatmung und Kreislaufunterstützung gegeben ist.

Empfehlungsfeil "kann"

4-13 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz und persistierender Hypoxämie trotz Sauerstoffgabe sollen CPAP-Beatmung, BiPAP-Beatmung oder endotracheale Intubation durchgeführt werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-14 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz, bei denen die Ursache der Dekompensation identifiziert werden konnte und eine spezifische Therapie möglich ist (z. B. hypertensive Entgleisung, Vorhofflimmern, Myokardinfarkt), sollen umgehend entsprechend behandelt werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-15 [Hintergrund und Evidenz]

Als weiterführende Maßnahmen können bei akut dekompensierten Patienten folgende Maßnahmen erwogen werden:

  • Einsatz einer intraaortalen Ballonpumpe (IABP) bei therapierefraktärer Herzinsuffizienz;
  • frühzeitige Überweisung in ein Zentrum für Herztransplantation und mechanische Unterstützungssysteme bei Patienten, die im kardiogenen Schock verbleiben und Kandidaten für eine Herztransplantation oder ein Assist-Device sind;
  • Nierenersatzverfahren bei Patienten mit Volumenbelastung, die auf intravenöse Therapie mit Diuretika nicht ausreichend ansprechen;
  • intravenöse Behandlung mit Nitroglyzerin oder Dihydralazin und – in Einzelfällen – Na-Nitroprussid zur Blutdrucksenkung unter intensivmedizinischem Monitoring bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz als Folge einer hypertensiven Entgleisung (hypertensives Lungenödem).

Empfehlungsfeil "kann"

4-16 [Hintergrund und Evidenz]

Die stationäre Aufnahme von Patienten wegen akut dekompensierter Herzinsuffizienz soll genutzt werden:

  • um pharmakologische und nichtpharmakologische Therapiemaßnahmen (inkl. Revaskularisation und Device-Therapie) zu überprüfen und ggf. zu optimieren;
  • um durch edukative Maßnahmen die zukünftige Therapieadhärenz des Patienten zu verbessern;
  • um Komorbiditäten zu evaluieren und ihre Behandlung einzuleiten.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-17 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz sollen bis zur Stabilisierung mehrmals am Tag, ggf. kontinuierlich, Herzfrequenz/Herzrhythmus, Blutdruck und Sauerstoffsättigung kontrolliert werden. In Abhängigkeit vom Schweregrad kann auch ein kontinuierliches Monitoring dieser Parameter erforderlich sein.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-18 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz sollten außerdem folgende Parameter mindestens täglich kontrolliert werden:

  • Zeichen und Symptome der Volumenbelastung;
  • Gewicht und Flüssigkeitsbilanz (Ein- und Ausfuhr, ggf. mit Blasenkatheter);
  • Serumelektrolyte (Na, K);
  • Nierenfunktion (BUN, Serumkreatinin).

sollte

4-19 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz sollte ein invasives hämodynamisches Monitoring nur bei bestimmten Indikationen und nicht routinemäßig eingesetzt werden.

sollte

4-20 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten nach einer behandelten Dekompensation vor der Entlassung folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Ursachen der Dekompensation wurden ermittelt, kein Bedarf für intravenöse Vasodilatatoren oder positiv inotrope Substanzen über 24 Stunden;
  • Wechsel zu oralen Diuretika ist erfolgt und Medikationsregime war > 24 Stunden stabil;
  • Patient ist entsprechend der zu erwartenden Situation nach Entlassung mobilisiert;
  • Edukation von Patient und/oder Familienangehörigen ist erfolgt, Unterlagen hinsichtlich Medikation und empfohlenen Aktivitäten wurden ausgehändigt;
  • Indikationen für die wesentlichen Substanzklassen der Herzinsuffizienztherapie (ACE-Hemmer/AT1-Rezeptorenblocker, Betarezeptorenblocker, Aldosteronantagonisten) und nichtpharmakologischen Therapiemaßnahmen (z. B. Revaskularisation und Device-Therapie) entsprechend den gültigen Leitlinien wurden geprüft;
  • Kommunikation mit dem Hausarzt ist erfolgt und Termine zur Nachkontrolle innerhalb von sieben bis zehn Tagen (bei schwerer Herzinsuffizienz innerhalb von maximal drei Tagen) wurden vereinbart;
  • ein detaillierter Behandlungsvorschlag zur Auftitration der verschriebenen Pharmaka in den nächsten Wochen für den weiterbetreuenden Arzt wurde erstellt;
  • Indikation für eine Rehabilitationsmaßnahme wurde geprüft und ggf. beantragt;
  • häusliche Versorgungssituation des Patienten wurde ermittelt.

sollte

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5 Allgemeine Behandlungsstrategie (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

5-1 [Hintergrund und Evidenz]

Alle Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und wenn möglich ihre Angehörigen sollen nach Diagnosestellung sowie vor und während der Therapie über die Grundprinzipien der Therapie aufgeklärt und zu aktiver Mitwirkung motiviert werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-2 [Hintergrund und Evidenz]

Bei der Kommunikation mit Patienten und/oder Angehörigen sollten die folgenden Aspekte berücksichtigt werden:

  • eine tragfähige Arzt-Patient-Beziehung etablieren;
  • typischen Verlauf der Erkrankung und Besonderheiten der Prognose erläutern, Patient in die Identifizierung der Prognosefaktoren und evtl. Barrieren für Lebensstiländerungen involvieren;
  • Auswirkungen der Erkrankung auf die Lebensqualität (Symptomatik, Belastungsintoleranz, Depression, reduziertes Sexualleben) erfragen und ggf. besprechen;
  • Angebot wirksamer und unterstützender Therapien erläutern und Patientenpräferenzen erfragen;
  • Bedeutung eines gesünderen Lebensstils für den Therapieerfolg erklären;
  • Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität im Alltag erläutern;
  • Einwilligung des Patienten zu Lebensstiländerung anstreben (Zielvereinbarungen), ggf. Hilfestellung bei einem realistischen Plan zum Lebensstil anbieten und Entwicklung beobachten;
  • den Patienten über die Bedeutung der kontrollierten Flüssigkeitsaufnahme aufklären und mit dem Patienten eine tägliche Trinkmenge vereinbaren;
  • zum Führen eines Gewichtstagebuchs motivieren;
  • über praktische Hilfsmittel wie Notfallarmband informieren;
  • über zusätzliche Informationen und Unterstützung (Patientenleitlinie, Selbsthilfegruppen) informieren;
  • Strategien im Umgang mit Veränderungen und emotionalen Auswirkungen im familiären, beruflichen und sozialen Umfeld anbieten.

sollte

5-3 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz, die Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Coenzym Q10, Carnitin, Taurin, Antioxydantien) einnehmen oder einnehmen wollen, sollen darüber informiert werden, dass deren Nutzen und Unbedenklichkeit nicht gesichert sind.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-4 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit der Diagnose Herzinsuffizienz sollten initial – und wenn neue diagnostische Erkenntnisse dafür sprechen – die Untersuchung und Therapie der folgenden Prognosefaktoren in Betracht gezogen werden:

  • kardiovaskuläre Erkrankungen;
  • Diabetes mellitus;
  • chronische Niereninsuffizienz;
  • maligne Erkrankungen;
  • Depression;
  • Atemwegserkrankungen;
  • Lebenstilfaktoren (z. B. Rauchen);
  • Anämie.

sollte

5-5 [Hintergrund und Evidenz]

Bei jedem Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz soll unter Berücksichtigung der Gesamtsituation des Patienten zunächst die Ursache der Herzinsuffizienz behandelt werden, da die Heilung oder Linderung der Grunderkrankung unter Umständen zu einer kompletten Remission der Herzinsuffizienz führen kann.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-6 [Hintergrund und Evidenz]

Stabile Herzinsuffizienzpatienten (NYHA I-III) sollen zu moderater körperlicher Aktivität, ggf. im Rahmen eines kardialen Rehabilitationsprogramms, ermuntert werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-7 [Hintergrund und Evidenz]

Ein körperliches Training bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz soll über eine umschriebene Rehabilitationsmaßnahme hinaus aufrechterhalten und mit ambulanten Nachsorgemaßnahmen unterstützt werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-8 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die rauchen, sollen dazu ermutigt werden, das Rauchen einzustellen. Bei unzureichendem Effekt sollen weitere Maßnahmen zur Rauchentwöhnung angeboten werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-9 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit alkoholtoxischer Kardiomyopathie sollen strikte Alkoholkarenz einhalten und ggf. Unterstützung zur Abstinenz erhalten, da darunter Verbesserungen oder sogar komplette Remissionen beobachtet wurden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-10 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz, die nicht auf einer alkoholtoxischen Kardiomyopathie beruht, sollte empfohlen werden, Alkohol nur in geringen Mengen zu konsumieren.

sollte

5-11 [Hintergrund und Evidenz]

Mit herzinsuffizienten Patienten und ihren Partnern sollten die individuellen Möglichkeiten sexueller Aktivität besprochen werden.

sollte

5-12 [Hintergrund und Evidenz]

Bei allen Patienten mit unklarem Gewichtsverlust sollte nach einer behebbaren Ursache (z. B. Depression, Medikamente, maligne Erkrankungen) gesucht werden und diese entsprechend behoben werden.

sollte

5-13 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz sollen dazu angehalten werden, ihr Gewicht täglich zu einem festen Zeitpunkt zu messen und bei einem für den Patienten unüblichen, kurzfristigen Gewichtsanstieg (Faustregel: > 1 kg/Nacht, > 2 kg/3 Tage sowie > 2,5 kg/Woche)* den behandelnden Arzt zu benachrichtigen.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-14 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz soll sich die Beschränkung der Flüssigkeitszufuhr (in Liter) am klinischen Zustand (Gewicht im Verlauf gemäß täglicher Kontrolle) und der Ausscheidung (Nierenfunktion gemäß Serumkreatinin oder eGFR) orientieren:

  • Bei Hypervolämie und/oder Hyponatriämie soll die Trinkmenge beschränkt werden auf ca. 1 Liter/Tag (dies berücksichtigt die Flüssigkeitszufuhr von ca. 300 ml durch feste Nahrung, 300 ml Oxidationswasser sowie Flüssigkeitsverlust von ca. 600 ml durch Perspiratio insensibilis).
  • Bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) ist ggf. eine darüber hinaus-gehende Beschränkung erforderlich, unabhängig von Hypo- oder Normonatriämie.
  • Exzessive Flüssigkeitsaufnahmen von drei oder mehr Litern am Tag sind unbedingt zu vermeiden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-15 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz sollten über die folgenden Aspekte aufgeklärt werden:

  • Flugreisen sind kontraindiziert für Patienten mit Ruhedyspnoe.
  • Bei Patienten mit stabiler Herzinsuffizienz und gut kontrollierten Symptomen bestehen keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Flugreise.
  • Lange Flugreisen bergen für Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz erhebliche Risiken: z. B. Dehydratation, exzessive Beinödeme, Lungenödem, schlechtere Oxygenierung, tiefe Beinvenenthrombose.
  • Reisen in Zielgebiete großer Höhenlagen (> 1 500 m) oder hoher Luftfeuchte sind mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden.
  • Eine Anpassung der Dosierung der Pharmakotherapie in heißen und feuchten Klimaten kann erforderlich sein (Gesundheitsversorgung im Gastland?).
  • Für herztransplantierte Patienten gelten besondere Reiseempfehlungen.

sollte

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6 Medikamentöse Therapie (aktualisiert 2017)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

6-1 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Für Patienten mit Herzinsuffizienz soll ein bundeseinheitlicher Medikationsplan in der Form nach § 31a SGB V erstellt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-2 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Die Indikation von Arzneistoffen, die den klinischen Zustand von Patienten mit Herzinsuffizienz negativ beeinflussen können, sollte kritisch geprüft werden. Dazu zählen z. B. Antiarrhythmika der Klassen I und III, Kalziumkanalblocker (außer Amlodipin, Felodipin) und nichtsteroidale Antiphlogistika.

Quellleitlinien [13]; [12], Literatur [179]; [180]; [181]; [182]

sollte

6-3 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz soll die Indikation aller Medikamente regelmäßig überprüft werden. Besteht keine Indikation mehr, soll das Medikament konsequent abgesetzt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-4 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sollen der Elektrolythaushalt (insbesondere Kalium und Natrium) sowie die Nierenfunktion regelmäßig sowie bei An- und Absetzen oder Dosisänderung diesbezüglich relevanter Medikation engmaschig kontrolliert werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-5 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Allen symptomatischen sowie asymptomatischen Patienten mit einer nachgewiesenen reduzierten Ejektionsfraktion und fehlenden Kontraindikationen sollen ACE-Hemmer empfohlen werden.

Quellleitlinien [13]; [12], Literatur [186]; [187]; [188]; [189]; [190]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-6 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

ACE-Hemmer sollten in zweiwöchentlichen Intervallen konsequent bis zur höchsten in Studien ermittelten Zieldosis oder, falls diese nicht erreicht werden kann, bis zur maximal tolerierten Dosis gesteigert werden.

Expertenkonsens

sollte

6-7 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz (NYHA II-IV), die ACE-Hemmer nicht tolerieren, sollen Angiotensinrezeptorblocker empfohlen werden.

Quellleitlinien [13]; [12], Literatur [202]; [203]; [204]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-8 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Asymptomatischen Patienten (NYHA I), die ACE-Hemmer nicht tolerieren, können alternativ Angiotensinrezeptorblocker empfohlen werden.

Expertenkonsens, basierend auf [206]; [203]

Empfehlungsfeil "kann"

6-9 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Allen klinisch-stabilen*, symptomatischen Patienten (NYHA II-IV) mit nachgewiesener Herzinsuffizienz und Fehlen von Kontraindikationen sollen Betarezeptorenblocker (Bisoprolol, Carvedilol oder Metoprololsuccinat) empfohlen werden, Patienten über 70 Jahren alternativ auch Nebivolol.

Quellleitlinien [13]; [12], Literatur [213]; [214]; [215]; [216]; [217]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-10 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Betarezeptorenblocker sollen konsequent wie folgt bis zur Zieldosis bzw. maximal tolerierten Dosis auftitriert werden:

  • beginnend mit einer geringen Startdosis;
  • in minimal zweiwöchentlichen Intervallen;
  • frequenzadaptiert (Ziel Herzfrequenz 55-60/min);
  • symptomorientiert (Ziel: maximale Symptomkontrolle).

Expertenkonsens, basierend auf [213]; [214]; [215]; [216]; [217]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-11 modizfiert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten, deren Herzinsuffizienz sich akut verschlechtert (Übergang NYHA III-IV) sollten Betarezeptorenblocker möglichst beibehalten werden.

Expertenkonsens

sollte

6-12 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion, die trotz leitliniengerechter Therapie mit einem ACE-Hemmer und einem Betarezeptorenblocker symptomatisch sind, sollen zusätzlich Mineralokortikoidrezeptorantagonisten empfohlen werden.

Quellleitlinie [12], Literatur [230]; [231]; [232]; [233]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-13 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Auch Patienten mit Diabetes, eingeschränkter Nierenfunktion oder grenzwertiger Hyperkaliämie sollten Mineralokortikoidrezeptorantagonisten erhalten, wenn Nutzen und Schaden kritisch abgewogen werden

Expertenkonsens, basierend auf [231]; [232]; [230]

sollte

6-14 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Das Monitoring von Patienten, die Mineralkortikoidrezeptorantagonisten erhalten, soll aufgrund des Hyperkaliämierisikos in der Einstellungsphase engmaschig, danach mindestens viermonatlich erfolgen.

Expertenkonsens, basierend auf [185]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-15 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion, die Zeichen einer Flüssigkeitsretention aufweisen, sollen Diuretika empfohlen werden.

Quellleitlinie [12]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-16 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten, die trotz leitliniengerechter Therapie mit ACE-Hemmern, Betarezeptorenblockern und Mineralokortikoidrezeptorantagonisten symptomatisch sind, sollte ein Wechsel von ACE-Hemmern auf Sacubitril/Valsartan empfohlen werden, unter Berücksichtigung der Unsicherheiten bezüglich der Langzeitverträglichkeit und des Nebenwirkungsprofils.

Systematische Recherche, Literatur [235]

sollte

6-17 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Symptomatischen Patienten sollte zusätzlich Ivabradin empfohlen werden, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • LVEF ≤ 35%;
  • stabiler Sinusrhythmus;
  • Therapie mit ACE-Hemmern (bzw. Angiotensinrezeptorblockern) und Mineralokortikoidrezeptorantagonisten;
  • Ruheherzfrequenz ≥ 75/min trotz Zieldosis bzw. maximal tolerierter Betarezeptorenblocker-Dosis.

Systematische Recherche, Literatur [243]; [244]; [245]

sollte

6-18 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Symptomatischen Patienten mit Betarezeptorenblocker-Intoleranz oder -Kontraindikationen sollte Ivabradin empfohlen werden, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • LVEF ≤ 35%;
  • stabiler Sinusrhythmus;
  • Therapie mit ACE-Hemmern (bzw. Angiotensinrezeptorblockern) und Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten;
  • Ruheherzfrequenz ≥ 75/min.

Systematische Recherche, Literatur [243]; [244]; [245]

sollte

6-19 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Unter Therapie mit Ivabradin soll der Herzrhythmus regelmäßig kontrolliert werden. Liegt kein stabiler Sinusrhythmus vor, soll die Therapie beendet werden.

Expertenkonsens, basierend auf [243]; [244]; [245]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-20 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten im Sinusrhythmus, die trotz leitliniengerechter Therapie mit ACE-Hemmern (bzw. Angiotensinrezeptorblockern), Betarezeptorenblockern und Mineralokortikoidrezeptorantagonisten symptomatisch bleiben, können nach Zielplasmakonzentration dosierte Digitalisglykoside empfohlen werden.

Quellleitlinie [12], Literatur [255]

Empfehlungsfeil "kann"

6-21 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz ohne weitere Indikation zur Blutgerinnungshemmung sollen keine Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern erhalten.

Expertenkonsens

soll nicht

6-22 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Wenn bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit erhaltener linksventrikulärer Ejektions-fraktion Komorbiditäten vorliegen, sollen diese gemäß der jeweiligen Leitlinie behandelt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-23 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion und Zeichen einer Flüssigkeitsretention sollen symptomorientiert Diuretika empfohlen werden.

Quellleitlinie [12]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-24 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Zur Behandlung der Herzinsuffizienz sollen weitere medikamentöse oder nahrungsergänzende Mittel nicht angewendet werden.

Expertenkonsens

soll nicht

6-25 modifziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz soll jährlich eine Grippeschutzimpfung empfohlen werden.

Referenzleitlinie [294]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-26 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit Herzinsuffizienz soll eine Impfprophylaxe gegen Pneumokokken empfohlen werden.

Referenzleitlinien [294]; [298]; [299]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung


* Als "klinisch stabil" sollen Patienten gelten, die unter Diuretikatherapie über 1-2 Wochen konstantes Körpergewicht haben und auch sonst keine Zeichen einer Dekompensation aufweisen.


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7 Invasive Therapie (aktualisiert 2017)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

7-1 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Eine kardiale Resynchronisation soll symptomatischen Patienten empfohlen werden, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • reduzierte Ejektionsfraktion ≤ 35% trotz optimaler medikamentöser Therapie;
  • Sinusrhythmus;
  • QRS-Komplex ≥ 130 ms;
  • Linksschenkelblock.

Quellleitlinie [12], Literatur [324]; [325]; [326]; [327]; [328]; [322]; [329]; [330]; [331]; [332]; [333]; [334]; [319]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-2 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Eine kardiale Resynchronisation sollte symptomatischen Patienten empfohlen werden, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • reduzierte Ejektionsfraktion ≤ 35% trotz optimaler medikamentöser Therapie;
  • Sinusrhythmus;
  • QRS-Komplex ≥ 150 ms;
  • Nicht-Linksschenkelblock;

Quellleitlinie [12], Literatur [324]; [325]; [326]; [327]; [328]; [322]; [329]; [330]; [331]; [332]; [333]; [334]

sollte

7-3 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Eine kardiale Resynchronisation kann symptomatischen Patienten empfohlen werden, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • reduzierte Ejektionsfraktion ≤ 35% trotz optimaler medikamentöser Therapie;
  • Sinusrhythmus;
  • QRS-Komplex 130-149 ms;
  • Nicht-Linksschenkelblock.

Quellleitlinie [12], Literatur [322]; [319]

Empfehlungsfeil "kann"

7-4 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Eine kardiale Resynchronisation soll nicht eingesetzt werden bei Patienten mit QRS-Komplex < 130 ms.

Quellleitlinie [12], Literatur [322]; [335]; [336]; [320]

soll nicht

7-5 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

In Ausnahmefällen kann eine kardiale Resynchronisation bei Patienten mit Vorhofflimmern erwogen werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • LVEF ≤ 35%;
  • NYHA-Klasse III-IV trotz optimaler medikamentöser Therapie;
  • QRS-Komplex ≥ 130 ms;
  • nahezu vollständige biventrikuläre Stimulation.

Expertenkonsens, basierend auf [346]; [347]; [348]; [349]

Empfehlungsfeil "kann"

7-6 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Der Nutzen einer biventrikulären (CRT) im Vergleich zur rechtsventrikulären Stimulation bei Patienten, die aufgrund eines AV-Blocks einen Schrittmacher benötigen, ist auf Basis der vorliegenden Daten nicht endgültig zu beurteilen.

Expertenkonsens

Statement

7-7 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten, die bereits einen konventionellen Schrittmacher oder ICD erhalten haben, kann der Umstieg auf eine kardiale Resynchronisationstherapie empfohlen werden, wenn die folgenden Kriterien zutreffen:

  • Verschlechterung der Herzinsuffizienz trotz optimaler medikamentöser Therapie;
  • hoher Anteil rechtsventrikulärer Stimulation.

Quellleitlinie [12], Literatur [356]

Empfehlungsfeil "kann"

7-8 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten sollen vor einer geplanten ICD-Implantation darüber aufgeklärt werden,

  • dass ein ICD der Verhinderung des plötzlichen Herztodes dient und nicht der Verhinderung der Progression der Herzinsuffizienz;
  • dass bei schwerer Symptomatik meist keine Indikation besteht*;
  • dass die Indikation bei Aggregatwechsel erneut geprüft und mit dem Patienten abgestimmt werden soll**;
  • dass die Systeme bei Bedarf abgeschaltet werden können.

Expertenkonsens

* siehe Empfehlung 7-11; ** siehe Empfehlung 7-12

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-9 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz soll die Implantation eines Defibrillators (ICD) empfohlen werden, wenn sie eine Lebenserwartung von über einem Jahr haben und eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • überlebter plötzlicher Herztod;
  • anhaltende, hämodynamisch wirksame Kammertachykardien (die nicht durch vermeidbare Ursachen aufgetreten sind).

Quellleitlinie [12], Literatur [364]; [365]; [366]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-10 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Die Implantation eines Defibrillators (ICD) soll Patienten mit ischämischer Kardiomyopathie empfohlen werden, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • NYHA II-III;
  • LVEF ≤ 35% trotz ≥ 3 Monaten optimaler medikamentöser Therapie;
  • Lebenserwartung > 1 Jahr;
  • guter funktioneller Status.

Die Implantation soll frühestens 41 Tage nach zurückliegendem Myokardinfarkt erfolgen.

Quellleitlinie [12], Literatur [370]; [371]; [372]; [373]; [374]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-11 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit schweren Symptomen (NYHA IV) trotz optimaler medikamentöser Therapie soll kein ICD implantiert werden, wenn nicht eine kardiale Resynchronisationstherapie (CRT), die Implantation eines mechanischen Kreislaufunterstützungssystems oder eine Herztransplantation geplant ist.

Quellleitlinie [12], Literatur [380]; [381]; [382]; [383]

soll nicht

7-12 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Ist der Austausch des ICD notwendig, sollte die ICD-Indikation erneut geprüft werden.

Quellleitlinie [12], Literatur [384]; [385]; [386]; [387]; [388]

sollte

7-13 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten, bei denen keine zusätzliche (z. B. antibradykarde) Indikation vorliegt, sollten keinen Zweikammer-ICD erhalten.

Systematische Recherche [390]

sollte nicht

7-14 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Externe Defibrillatoren können zeitlich begrenzt bei ausgewählten Patienten angewendet werden.

Expertenkonsens, basierend auf [393]

Empfehlungsfeil "kann"

7-15 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Ob CRT-ICD-Systeme gegenüber CRT-Systemen ohne ICD bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zu einem Überlebensvorteil führen, wurde bisher nicht adäquat untersucht.

Systematische Recherche [319]; [405]

Statement

7-16 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten, die sowohl die Voraussetzungen für eine biventrikuläre Stimulation (CRT) als auch für die Implantation eines Defibrillators (ICD) erfüllen, kann die Implantation eines CRT-ICD-Systems in Einzelfällen erwogen werden.

Systematische Recherche [319]; [405]

Empfehlungsfeil "kann"

7-17 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Der Nutzen einer Myokardrevaskularisation durch Bypassanlage ist auch bei symptomatischen Patienten mit einer LVEF ≤ 35% und behandelbarer koronarer Mehrgefäßerkrankung belegt.

Quellleitlinie [12], Referenzleitlinien [411]; [412], Literatur [413]; [414]

Statement

7-18 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Primäre und sekundäre Klappenvitien sollen unabhängig vom Stadium der Herzinsuffizienz leitliniengerecht behandelt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-19 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei sekundärer Mitralklappeninsuffizienz können eine Mitralklappenrekonstruktion, ein Mitralklappenersatz unter komplettem Erhalt des Halteapparates bzw. eine katheterbasierte Mitralklappentherapie empfohlen werden. Diese Verfahren sind spezialisierten Zentren vorbehalten.

Systematische Recherche [416]; [417]

Empfehlungsfeil "kann"

7-20 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Die Implantation eines Herzunterstützungssystems sollte bei Patienten mit Herzinsuffizienz im Endstadium trotz optimaler medikamentöser und CRT/ICD-Therapie in Betracht gezogen werden. Dies gilt sowohl für Patienten, bei denen eine Herz-transplantation infrage kommt, als auch für Patienten, bei denen eine Herztransplantation nicht möglich ist.

Quellleitlinie [12]

sollte

7-21 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Eine mögliche Überweisung zum Zweck der Indikationsprüfung eines Herzunterstützungssystems sollte mit dem Patienten besprochen werden, bevor irreversible Endorganschädigungen (Nieren-, Leber- oder Lungenschäden) aufgetreten sind. Dabei sollten auch Komorbiditäten, die das Ausmaß des zu erwartenden Nutzens einer Implantation limitieren, sowie die individuelle Patientenpräferenz berücksichtigt werden.

Expertenkonsens

sollte

7-22 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Die Indikation zu Kunstherzen/Unterstützungssystemen soll ausschließlich in hierfür spezialisierten Einrichtungen gestellt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-23 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) soll zwischen Hausarzt und Kardiologen die Vorstellung in einer spezialisierten Einrichtung, die ggf. eine Indikation zur Herztransplantation stellt, besprochen werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-24 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten nach einer Herztransplantation soll im Rahmen der primärärztlichen Versorgung in enger Abstimmung mit dem transplantierenden Zentrum Folgendes berücksichtigt werden:

  • strenge Einstellung der kardiovaskulären Risikofaktoren, da diese einerseits teilweise durch die Immunsuppression verstärkt werden, andererseits das Transplantat gefährden;
  • grundsätzlich keine Verwendung von Lebendimpfstoffen; Impfungen mit Tot­impfstoffen sollen wie bei allen chronisch kranken Patienten durchgeführt werden;
  • strikte Einhaltung der Untersuchungen zur Tumorfrüherkennung;
  • großzügige antibiotische Behandlung von Infekten;
  • ggf. Rücksprache bei Verordnung oder Um-/Absetzen von Medikamenten wegen des erheblichen Interaktionspotenzials von Immunsuppressiva.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

7-25 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Organerhaltende kardiochirurgische Maßnahmen (Ventrikelrekonstruktion, LV-Aneurysmektomie) können sorgfältig ausgewählten Patienten mit HFrEF bei spezifischen Indikationen einschließlich therapierefraktärer Herzinsuffizienz und ventrikulären Arrhythmien angeboten werden.

Expertenkonsens

Empfehlungsfeil "kann"

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8 Verlaufskontrolle (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

8-1 [Hintergrund und Evidenz]

Bei allen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz soll regelmäßig der klinische Status anhand der folgenden Parameter überprüft werden:

  • funktionale Kapazität (NYHA-Klasse);
  • psychosozialer Status und Lebensqualität;
  • Volumenstatus (Gewichtsverlauf, klinische Untersuchung, Blutdruckmessung);
  • Herzrhythmus und -frequenz (Pulsmessung, ggf. EKG und Langzeit-EKG);
  • eingenommene Medikation (Erfassung – Kontrolle – ggf. Anpassung, UAW);
  • Laborkontrolle (Natrium, Kalium, Kreatinin bzw. glomeruläre Filtrationsrate (eGFR)).

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

8-2 [Hintergrund und Evidenz]

Bei klinisch stabilen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz soll bei unveränderter Medikation die Kontrolle der Serumelektrolyte (Natrium, Kalium) und Nierenfunktion (Kreatinin bzw. glomeruläre Filtrationsrate geschätzt nach Cockcroft-Gault-Formel oder verkürzter MDRD-Formel oder endogene Creatininclearance) halbjährlich erfolgen.

Eine engmaschigere Beobachtung und die Kontrolle zusätzlicher Parameter sollen in Abhängigkeit vom klinischen Status, Begleiterkrankungen und bei Änderungen der Medikation erfolgen.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

8-3 [Hintergrund und Evidenz]

Alle symptomatischen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten ermutigt und darin geschult werden, ihren Gewichtsverlauf in einem Tagebuch zu dokumentieren und bei einem für den Patienten unüblichen, kurzfristigen Gewichtsanstieg (> 1 kg/Nacht, > 2 kg/3 Tage, > 2,5 kg/Woche)* den behandelnden Arzt umgehend zu konsultieren.

sollte

8-4 [Hintergrund und Evidenz]

Bei allen symptomatischen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollte geprüft werden, ob der Patient fähig ist, auf der Grundlage des Gewichtsprotokolls selbständig die Diuretikadosis anzupassen.

sollte


* Diese Werte sind Erfahrungswerte und sollten dem Patienten als Orientierungshilfe angeboten werden.


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9 Rehabilitation (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

9-1 [Hintergrund und Evidenz]

Die Indikation von Rehabilitationsmaßnahmen soll in Kooperation zwischen Hausarzt, Kardiologen und Rehabilitationsmediziner geprüft werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

9-2 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA II-III) und/oder bei klinisch stabilisierten Patienten nach Dekompensation sollte eine kardiologische Rehabilitation durchgeführt werden, wenn als Ursache der Herzinsuffizienz eine koronare Herzkrankheit und/oder eine hypertensive Herzkrankheit vorliegt.

Eine kardiologische Rehabilitation sollte insbesondere dann erfolgen, wenn:

  • die Optimierung der Herzinsuffizienzmedikation häufiger Kontrollen bedarf;
  • die körperliche Trainingstherapie noch initiiert und anfänglich überwacht werden muss;
  • ein besonderer Bedarf an Schulungen und/oder Lebensstilinterventionen besteht;
  • Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und/oder bei der psychischen Stabilisierung notwendig ist;
  • die Aussicht auf Stabilisierung bzw. Verbesserung der sozialen und/oder insbesondere der beruflichen Teilhabe besteht.

Eine kardiologische Rehabilitation sollte auch bei anderen kardialen Grunderkrankungen angeboten werden, wenn die oben aufgezählten Aspekte bei einem Patienten von Bedeutung sind.

sollte

9-3 [Hintergrund und Evidenz]

Rehabilitationsprogramme für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollen folgende Grundelemente umfassen:

  • Implementierung einer leitlinienkonformen und individuell angemessenen Medikation;
  • Durchführung eines ärztlich überwachten und individuell ausgerichteten körperlichen Trainings;
  • Erfassung der psychosozialen Situation und ggf. Therapie psychischer Probleme bzw. Sozialberatung;
  • Patientenschulung;
  • Angebote zur Verhaltensmodifikation/Lebenstiländerung.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

9-4 [Hintergrund und Evidenz]

Zum Abschluss der Rehabilitationsmaßnahme soll den Patienten, basierend auf dem erreichten Bewegungsniveau, den Risikofaktoren und Stresstestdaten (falls verfügbar), ein spezifischer Übungsplan sowie Informationen zu Möglichkeiten der strukturierten Nachsorge (z. B. ambulante Herzgruppen, Selbsthilfegruppen) angeboten werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

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10 Psychosoziale Aspekte (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

10-1 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten nach Diagnosestellung und in regelmäßigen Abständen hinsichtlich psychischer (Angst, Depression) und sozialer Probleme im Rahmen eines ärztlichen Gesprächs oder durch standardisierte Fragebögen befragt werden.

Die Relevanz psychosozialer Probleme bzw. auffälliger Fragebogenscores sollte mit dem Patienten besprochen und ggf. eine weiterführende Diagnostik veranlasst werden.

sollte

10-2 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und Depression oder Angststörung sollten zunächst Angebote im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung inklusive Psychoedukation erhalten.

Bei mittelschweren oder schweren Formen oder bei unzureichendem Effekt der Grundversorgung sollten weitere Behandlungsoptionen unter Hinzuziehung von Spezialisten (z. B. Stressbewältigungstechniken, Psychotherapie, ggf. Antidepressiva) angeboten werden.

sollte

10-3 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und Indikation für eine Therapie mit Antidepressiva sollen Trizyklika, aufgrund ihrer proarrhythmischen und negativ inotropen Wirkung, vermieden werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

10-4 [Hintergrund und Evidenz]

Vor dem Beginn einer Therapie mit Antidepressiva sollten andere Behandlungsoptionen (z. B. Psychotherapie, körperliches Training) und etwaige Interaktionen mit dem bestehenden Arzneimittelregime des Patienten berücksichtigt werden.

sollte

10-5 [Hintergrund und Evidenz]

Bei der Information und Schulung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten kognitive Einschränkungen und möglicherweise vorliegende psychische Probleme berücksichtigt werden.

sollte

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11 Komorbidität (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

11-1 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und einem erheblichen Anstieg des Serumkreatinin (GFR-Abfall) sollen auf reversible Ursachen (z. B. Begleitmedikation, Hypovolämie, Hypotension, Harnwegsverengung oder -infektion) der Niereninsuffizienz untersucht werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

11-2 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und begleitender Niereninsuffizienz sollten entsprechend den ermittelten Ursachen folgende Maßnahmen erwogen werden:

  • bei Dehydratation: Lockerung der Flüssigkeitsrestriktion, Dosisreduktion oder befristete Aussetzung des Diuretikums;
  • bei Therapie mit ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorenblocker und/oder Spironolacton: Dosisreduktion oder befristete Aussetzung;
  • bei separater Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie, renovaskuläre Erkrankungen): Untersuchung der Nierenfunktion.

sollte

11-3 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und begleitender Niereninsuffizienz sollte die Erhaltungsdosis von Digoxin reduziert bzw. auf Digitoxin umgestellt werden und bei fortschreitender Verschlechterung der Nierenfunktion die Therapie mit Digoxin ausgesetzt werden.

sollte

11-5 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und begleitender Hypertension sollen entsprechend den Empfehlungen aktueller evidenzbasierter Leitlinien zur Therapie der Hypertension behandelt werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

11-6 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und begleitender chronischer KHK sollen entsprechend den Empfehlungen aktueller evidenzbasierter Leitlinien zur Therapie der chronisch stabilen Angina pectoris behandelt werden.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

11-7 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer systolischer Herzinsuffizienz und therapierefraktärer arterieller Hypertonie und/oder Angina pectoris ist unter den Kalziumkanalblockern nur die additive Gabe von Amlodipin oder Felodipin möglich.

Statement

11-8 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz stellt eine begleitende COPD keine Kontraindikation für die Gabe eines Betarezeptorenblockers dar.

Statement

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12 Multimorbidität und geriatrische Aspekte (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

12-1 [Hintergrund und Evidenz]

Bei multimorbiden Patienten mit chronischer systolischer Herzinsuffizienz sollen die folgenden Pharmaka unbedingt vermieden werden:

  • selektive COX-2-Hemmer;
  • negativ inotrope Kalziumkanalblocker (Diltiazem, Verapamil) bei chronischer systolischer Herzinsuffizienz;
  • Antiarrhythmika Klasse I und III (Ausnahme Amiodaron);
  • Trizyklika;
  • Amphetamine;
  • Minoxidil;
  • Metformin und Insulinsensitizer (Glitazone) bei NYHA III-IV;
  • Mutterkornalkaloide.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

12-2 [Hintergrund und Evidenz]

Bei multimorbiden Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten die Indikationen folgender Pharmaka kritisch gestellt und die langfristige Gabe möglichst vermieden werden:

  • nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR);
  • Phosphodiesterasehemmer (z. B. Sildenafil), Cilostazol;
  • Carbamazepin;
  • Itraconazol;
  • Corticosteroide;
  • Alphablocker.

sollte

12-3 [Hintergrund und Evidenz]

Multimorbiden und/oder älteren Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten prinzipiell die in dieser Leitlinie empfohlenen Therapiemaßnahmen, insbesondere aber ACE-Hemmer und Betarezeptorenblocker, angeboten werden, jedoch unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Begleiterkrankungen und der möglicherweise eingeschränkten Tolerierung der empfohlenen Pharmaka (Dosisanpassung an reduzierte Nierenfunktion).

sollte

12-4 [Hintergrund und Evidenz]

Bei älteren Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz soll insbesondere auf psychische und mentale Komorbiditäten wie kognitive Beeinträchtigungen, Demenz und Depression geachtet werden, weil diese die Therapie, Therapieadhärenz, Verlaufskontrolle und Prognose negativ beeinflussen können.

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

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13 Palliativversorgung (Stand 2009)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

13-1 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten mögliche Verunsicherungen und Ängste bezüglich eines plötzlichen Todes in allen Stadien der Erkrankung besprochen werden. Dabei sollte auf gezielte Äußerungen oder Nachfragen des Patienten oder seiner Angehörigen sowie auf nonverbale Angstsignale geachtet und eingegangen werden, insbesondere bei Erstdiagnose oder Progredienz der Erkrankung bzw. bei wiederholten Dekompensationen.

sollte

13-2 [Hintergrund und Evidenz]

Mögliche Bedürfnisse von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und ggf. von deren Angehörigen hinsichtlich einer palliativen Versorgung sollten rechtzeitig im Krankheitsverlauf ermittelt und in regelmäßigen Abständen erneut besprochen werden.

sollte

13-3 [Hintergrund und Evidenz]

Für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im Terminalstadium besteht die Möglichkeit, unter Einbeziehung von Ärzten, Pflegekräften und anderen Berufsgruppen mit Erfahrung in Palliativmedizin und den verfügbaren lokalen Ressourcen (z. B. Hospizdienste) behandelt zu werden.

Statement

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14 Versorgungskoordination (aktualisiert 2017)

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

14-1 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Diagnostische Befunde, Therapieempfehlungen, Informationen und die Länge der Kontrollintervalle sollen zwischen dem betreuenden Hausarzt und weiteren beteiligten Fachärzten präzise kommuniziert und gemeinschaftlich abgestimmt werden. Diagnostische Bewertungen und Therapieempfehlungen sollen in Textform und zügig mitgeteilt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

14-2 modizifiert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Verdacht auf Herzinsuffizienz soll im Rahmen der Erstdiagnostik eine Überweisung zum Kardiologen erfolgen, um die verursachende Erkrankung zu diagnostizieren, die Art und das Ausmaß der Herzinsuffizienz zu bestimmen und ggf. Ansätze für eine kausale Therapie zu identifizieren.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

14-3 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Allen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollen regelmäßige fachkardiologische Verlaufsuntersuchungen angeboten werden. Dies gilt auch für wenig symptomatische/asymptomatische Patienten mit kardialer Dysfunktion zur Frage nach Verbesserung oder Verschlechterung unter Therapie. Die Länge der Intervalle soll der Schwere der Erkrankung angepasst werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

14-4 bestätigt 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten, die nach kardialer Dekompensation aus einer stationären Behandlung entlassen wurden, sollen engmaschig kardiologisch kontrolliert werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

14-5 modifiziert 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Insbesondere bei folgenden Konstellationen sollen Hausarzt und Kardiologe Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz auch außerhalb der Kontrolluntersuchungen in Kooperation behandeln:

  • bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) bei allen Problemen, die sich während oder nach Einstellung mit Pharmaka ergeben, dazu zählen insbesondere Hypotension und Bradykardie;
  • wenn Unsicherheiten hinsichtlich der Umsetzung der Therapieempfehlungen der vorliegenden Leitlinie bestehen (z. B. Gabe von Betarezeptorenblockern);
  • bei Problemen mit Vorhof- oder Kammerrhythmusstörungen, insbesondere Tachykardien;
  • bei Patienten, die gemäß der vorliegenden Leitlinie behandelt werden und bezüglich der Herzinsuffizienz, aber auch bezüglich evtl. bestehender Angina-pectoris-Symptomatik keine Symptomverbesserung erfahren, zur Prüfung weiterer Therapieoptionen;
  • bei Patienten mit therapierefraktären Symptomen der Herzinsuffizienz;
  • bei Patienten mit Indikation zu medikamentöser antiarrhythmischer Therapie oder zur Implantation eines Schrittmacher- und/oder Defibrillatorsystems;
  • bei Patienten zur Klärung weiterführender interventioneller oder operativer Therapieverfahren.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

14-6 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollte die Behandlung in Kooperation zwischen Hausarzt/Kardiologen und weiteren Fachdisziplinen insbesondere bei den in Tabelle 27 aufgeführten Konstellationen erfolgen.

Expertenkonsens

sollte

14-7 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Pflegekräfte und medizinische Fachangestellte, die an der Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten beteiligt sind, sollten aktiv auch in die Versorgungsplanung eingebunden werden.

Expertenkonsens

sollte

14-8 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Apotheker sollten in die multidisziplinäre Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz eingebunden werden.

Expertenkonsens

sollte

14-9 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten in ein strukturiertes Versorgungskonzept eingebunden werden. Dieses sollte folgende Bestandteile umfassen:

  • die leitliniengerechte Diagnostik und Therapie;
  • die koordinierte multidisziplinäre Versorgung mit regelmäßigen Terminen und direktem Arzt-Patienten-Kontakt;
  • kontinuierliche Schulungen zur Verbesserung von Selbstmanagement-Fähigkeiten und Adhärenz.

Dabei sollte das Konzept so flexibel gestaltet sein, dass die Bedürfnisse des individuellen Patienten berücksichtigt werden.

Systematische Recherche [593]; [594]; [12]; [13]

sollte

14-10 neu 2017 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit einem erhöhten Mortalitäts- oder Hospitalisierungsrisiko (z. B. Zustand nach Dekompensation, komplikationsträchtige Komorbiditäten, Progredienz bei NYHA ≥ III) sollen – neben einer verstärkten häuslichen Betreuung durch Hausärzte – eine intensivierte Betreuung erhalten, beispielsweise mit folgenden ergänzenden Komponenten:

  • Betreuung der Patienten durch spezialisierte Pflegekräfte;
  • strukturierte telefonische Betreuung;
  • Telemonitoring.

Systematische Recherche [12]; [595]; [596]; [597]; [598]; [594]; [599]; [600]; [601]; [602]; [603]; [604]; [605]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

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Methodik

Die erste Auflage der NVL Chronische Herzinsuffizienz basierte auf einer Leitliniensynopse nationaler und internationaler Leitlinien. Auf eine neue eigene Leitlinienrecherche und -bewertung für die 2. Auflage wurde verzichtet und auf eine aktuelle Leitliniensynopse zurückgegriffen, die vom IQWiG im Rahmen der Aktualisierung des DMP Chronische Herzinsuffizienz erstellt worden war [10]. Anstelle der in der IQWiG-Synopse enthaltenen ESC-Leitlinie von 2012 [11] wurde die Neuauflage dieser Leitlinie [12] verwendet und einer strukturierten methodischen Bewertung mithilfe von AGREE unterzogen (siehe Leitlinienreport [9]).

Folgende Leitlinien wurden als Quellleitlinien für die Aktualisierung dieser NVL herangezogen:

  • ESC guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2016 [12];
  • ACCF/AHA guidelines for the management of heart failure [13].

Entsprechend den Themenbereichen in den einzelnen Kapiteln wurde eine Gegenüberstellung der Empfehlungen und der begründenden Literatur in den Quellleitlinien in Form einer Leitlinien-Synopse erstellt.

Darüber hinaus wurden 14 ergänzende systematische Recherchen durchgeführt. Die methodische Bewertung von Übersichtsarbeiten erfolgte mit dem AMSTAR-Tool [14], die von Primärstudien nach SIGN [15]. Detaillierte Informationen zu Recherchethemen, Recherchestrategien, Screening und methodischer Bewertung der Quellen sind im Leitlinienreport [9] aufgeführt.

Das in Tabelle 1 dargestellte Grundprinzip fand bei der Graduierung der Empfehlungen Beachtung. Zur besseren Unterscheidung zwischen Negativ- und Positivempfehlungen werden die Pfeilsymbole der Empfehlungen in entsprechenden Spalten "positiv" oder "negativ" positioniert.

Tabelle 1: Einstufung von Leitlinien-Empfehlungen in Empfehlungsgrade (Grades of Recommendation) [8]

Empfehlungsgrad

Beschreibung

Formulierung

Symbol

A

starke Empfehlung

soll (nicht)

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung (soll nicht)

B

Empfehlung

sollte (nicht)

sollte (sollte nicht)

0

offen

kann

Empfehlungsfeil "kann"

Die Vergabe der Empfehlungsgrade berücksichtigt dabei neben der zugrunde liegenden Evidenz und der Evidenzqualität z. B. ethische Verpflichtungen, klinische Relevanz der Effektivitätsmaße der Studien, Anwendbarkeit der Studienergebnisse auf die Patientenzielgruppe, Patientenpräferenzen und die Umsetzbarkeit im ärztlichen Alltag [3].

Die NVL-Methodik sieht die Vergabe von Empfehlungsgraden durch die Autoren der Leitlinie im Rahmen eines formalen Konsensusverfahrens vor. Auf Grund dieser Konsensusaspekte kann es zu einem begründeten Auf- oder Abwerten des Empfehlungsgrades gegenüber der Evidenzklasse kommen. Die Gründe sind im Hintergrundtext bei der jeweiligen Empfehlung dargelegt. Auch Expertenmeinungen wurden im formalisierten Konsensverfahren gemeinsam formuliert und abgestimmt.

Ab der 2. Auflage wird der Überarbeitungsstand der Empfehlungen mit "bestätigt", "modifiziert" oder "neu" sowie dem Jahr der letzten Aktualisierung gekennzeichnet. Dabei enthalten modifizierte Empfehlungen im Vergleich zur Vorversion inhaltliche Änderungen, während bestätigte Empfehlungen nicht oder lediglich redaktionell geändert wurden.

Formales Konsensusverfahren

Bei der Erstellung der 2. Auflage der NVL wurden mehrteilige Nominale Gruppenprozesse [16]; [17]; [18] unter Moderation der AWMF und des ÄZQ sowie formale Abstimmungsprozesse mittels schriftlicher Delphi-Verfahren durchgeführt. An diesen Prozessen nahmen die benannten Vertreter aller an der Erstellung beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen teil. Die konkreten Details zu den jeweiligen formalen Abstimmungen finden sich im Leitlinienreport [9].

Umgang mit Interessenkonflikten

Interessenkonflikte wurden zu Beginn des Leitlinienprozesses durch alle Autoren der NVL schriftlich offengelegt (siehe Leitlinienreport [9]) sowie im Rahmen der Auftaktsitzung von der Leitliniengruppe und den Koordinatoren diskutiert und bewertet. Ausschlüsse wurden als nicht erforderlich angesehen. Die Leitliniengruppe beschloss, dass sich Stimmberechtigte grundsätzlich enthalten sollen, wenn Interessenkonflikte der Kategorie "bezahlte Gutachter-, Berater- und Vortragstätigkeit" bezüglich eines Themas vorliegen. Enthaltungen bei empfehlungsrelevanten Interessenkonflikten anderer Kategorien (z. B. berufspolitische Interessen) sollten individuell abgewogen und in Eigenverantwortung entschieden werden. Bei der Abstimmung der in der 2. Auflage der NVL überarbeiteten Empfehlungen kam es bei neun verschiedenen Empfehlungen zu insgesamt 15 Enthaltungen aufgrund von Interessenkonflikten (Details siehe Leitlinienreport [9]).

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zuletzt verändert: 23.04.2018 13:36