Empfehlungen

NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz

2. Auflage, 2017. Version 1 – Druckversion (PDF ) | Kapitelübersicht | weitere Informationen

Die Empfehlungen der NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz sind im Folgenden zusammengefasst. Zur Einordnung in den Kontext der NVL klicken Sie bitte bei den jeweiligen Empfehlungen auf "Hintergrund und Evidenz".

Diagnostik

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

3-1 [Hintergrund und Evidenz]

Finden sich bei Patienten mit Kreuzschmerzen durch Anamnese und körperliche Untersuchung beim Erstkontakt keine Hinweise auf gefährliche Verläufe oder andere ernstzunehmende Pathologie, sollen vorerst keine weiteren diagnostischen Maßnahmen durchgeführt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-2 [Hintergrund und Evidenz]

Psychosoziale und arbeitsplatzbezogene Risikofaktoren sollen von Beginn der Kreuzschmerzen an und im Behandlungsverlauf berücksichtigt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-3 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit Kreuzschmerzen soll eine körperliche Untersuchung durchgeführt werden, um ernstzunehmende Pathologien zu erkennen und die Wahrscheinlichkeit abwendbarer gefährlicher Erkrankungen abzuschätzen.

Literatur [82], [79], [81], [80]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-4 [Hintergrund und Evidenz]

Nach vier Wochen Schmerzdauer und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie sollten psychosoziale Risikofaktoren durch den koordinierenden Arzt mit einem standardisierten Screeninginstrument, z. B. STarT Back Tool oder Örebro Kurzfragebogen, erfasst werden.

Expertenkonsens

sollte

3-5 [Hintergrund und Evidenz]

Nach vier Wochen Schmerzdauer und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie können arbeitsplatzbezogene Risikofaktoren mit einem standardisierten Screeninginstrument erfasst werden.

Expertenkonsens

Empfehlungsfeil "kann"

3-6 [Hintergrund und Evidenz]

Bei akuten und rezidivierenden Kreuzschmerzen soll ohne relevanten Hinweis auf gefährliche Verläufe oder andere ernstzunehmende Pathologien in Anamnese und körperlicher Untersuchung keine bildgebende Diagnostik durchgeführt werden.

Literatur [104], [105]

soll nicht

3-7 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Patienten mit anhaltenden aktivitätseinschränkenden oder progredienten Kreuzschmerzen (nach vier bis sechs Wochen) trotz leitliniengerechter Therapie soll die Indikation für eine bildgebende Diagnostik überprüft werden.

Expertenkonsens basierend auf [106], [107]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-8 [Hintergrund und Evidenz]

Die Wiederholung der Bildgebung ohne relevante Änderung des klinischen Bildes soll nicht erfolgen.

Expertenkonsens

soll nicht

3-9 [Hintergrund und Evidenz]

Bei akuten Kreuzschmerzen soll ohne relevanten Hinweis auf gefährliche Verläufe oder andere ernstzunehmenden Pathologien keine routinemäßige Laboruntersuchung zum Ausschluss entzündlicher oder neoplastischer Ursachen durchgeführt werden.

Expertenkonsens

soll nicht

3-10 [Hintergrund und Evidenz]

Ein multidisziplinäres Assessment zur weiteren Therapieempfehlung soll durchgeführt werden:

  • nach sechs Wochen Schmerzdauer, alltagsrelevanten Aktivitätseinschränkungen1 und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie sowie dem Vorliegen von psychosozialen und/oder arbeitsplatzbezogenen Risikofaktoren zur Chronifizierung;
  • nach zwölf Wochen Schmerzdauer, alltagsrelevanten Aktivitätseinschränkungen1 und unzureichendem Therapieerfolg trotz leitliniengerechter Therapie;
  • bei chronischen nicht-spezifischen Kreuzschmerzen mit erneuter therapieresistenter Exazerbation.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

3-11 [Hintergrund und Evidenz]

Liegen Warnhinweise ("red flags") vor, sollen je nach Verdachtsdiagnose und Dringlichkeit weitere bildgebende oder Laboruntersuchungen und/oder Überweisungen in spezialfachärztliche Behandlung eingeleitet werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

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Therapieplanung und Versorgungskoordination

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

4-1 [Hintergrund und Evidenz]

Für den gesamten Versorgungsprozess soll ein Arzt eine "Lotsenfunktion" übernehmen. Dieser Arzt ist erste Anlaufstelle für die Erkrankten und koordiniert sämtliche Behandlungsschritte.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-2 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit nicht-spezifischen Kreuzschmerzen sollen im gesamten Krankheitsverlauf gemäß der Grundlagen und Empfehlungen der NVL individuell informiert und beraten werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-3 [Hintergrund und Evidenz]

Im Krankheitsverlauf soll eine kontinuierliche Aufklärung und Motivation zu einer gesunden Lebensführung, die regelmäßige körperliche Aktivität einschließt, durchgeführt werden.

Literatur [114], [115], [116], [117], [118]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-4 [Hintergrund und Evidenz]

Auf die Anwendung von chronifizierungsfördernden und/oder nicht-evidenzbasierten medizinischen Verfahren soll verzichtet werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-5 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten sollen aufgefordert werden, körperliche Aktivitäten soweit wie möglich beizubehalten.

Literatur [119]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-6 [Hintergrund und Evidenz]

Die Beschwerden bei akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen sind häufig selbst begrenzend, so dass ein großer Anteil der Personen, die sich erstmalig mit Kreuzschmerzen in medizinische Behandlung begeben, lediglich einer Beratung und Akutversorgung bedarf.

Literatur [36], [37]

Statement

4-7 [Hintergrund und Evidenz]

Während des Behandlungsverlaufes sollte die symptomorientierte Basistherapie fortgesetzt, überprüft und ggf. ergänzt werden. Insbesondere wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als zwei Wochen andauert, sollten die Erstversorgenden die Hinzuziehung weiterer Fachdisziplinen erwägen.

Expertenkonsens

sollte

4-8 [Hintergrund und Evidenz]

Entsteht der Verdacht auf psychosoziale Belastungen, können nach der ärztlichen Beratung ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten zur weiteren Diagnostik und Behandlung konsultiert werden.

Expertenkonsens

Empfehlungsfeil "kann"

4-9 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Vorliegen einer komorbiden psychischen Störung soll eine entsprechende leitliniengerechte Versorgung eingeleitet werden.

Referenzleitlinien: [124], [125], [126]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-10 [Hintergrund und Evidenz]

Liegen im subakuten Stadium nach wie vor keine Risikofaktoren zur Chronifizierung vor, soll der Schwerpunkt der Behandlung auf der Optimierung der symptomatischen Therapie liegen.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

4-11 [Hintergrund und Evidenz]

Bleiben die Untersuchungen auch nach zwölf Wochen ohne spezifischen Befund, ist die Diagnose chronische nicht-spezifische Kreuzschmerzen wahrscheinlich.

Expertenkonsens

Statement

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Nicht-medikamentöse Therapie

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

5-1 [Hintergrund und Evidenz]

Akupunktur kann zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen bei unzureichendem Erfolg symptomatischer und medikamentöser Therapien in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen in möglichst wenigen Sitzungen angewendet werden.

Literatur [135], [136], [137]

Empfehlungsfeil "kann"

5-2 [Hintergrund und Evidenz]

Akupunktur kann zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [138], [139], [135], [140]

Empfehlungsfeil "kann"

5-3 [Hintergrund und Evidenz]

Bettruhe soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden. Den Betroffenen soll von Bettruhe abgeraten werden.

Literatur [119], [121]

soll nicht

5-4 [Hintergrund und Evidenz]

Bewegungstherapie, kombiniert mit edukativen Maßnahmen nach verhaltenstherapeutischen Prinzipien, kann zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen bei unzureichendem Heilungsverlauf und Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit zur Unterstützung der körperlichen Aktivität angewendet werden.

Literatur [141], [142], [143], [144], [46], [145]

Empfehlungsfeil "kann"

5-5 [Hintergrund und Evidenz]

Bewegungstherapie, kombiniert mit edukativen Maßnahmen nach verhaltenstherapeutischen Prinzipien, soll zur primären Behandlung subakuter und chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen zur Unterstützung der körperlichen Aktivität angewendet werden.

Literatur [141], [146], [147], [148], [149], [150], [151], [152], [144], [145], [153], [154], [155], [156], [157], [135], [158], [159], [160], [161], [162], [163], [164], [142], [165], [166]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-6 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit subakuten und chronischen nicht-spezifischen Kreuzschmerzen sollte unter folgenden Bedingungen die Teilnahme an einer Rehabilitationssport- bzw. Funktionstrainingsgruppe empfohlen werden:

  • anhaltende alltagsrelevante Aktivitätseinschränkungen1;
  • Gefährdung der beruflichen Wiedereingliederung.

Expertenkonsens

sollte

5-7 [Hintergrund und Evidenz]

Bei erhöhtem Chronifizierungsrisiko kann das Entspannungsverfahren "Progressive Muskelrelaxation" (PMR) zur Behandlung akuter und subakuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Expertenkonsens

Empfehlungsfeil "kann"

5-8 [Hintergrund und Evidenz]

Das Entspannungsverfahren "Progressive Muskelrelaxation" (PMR) sollte zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [170]

sollte

5-9 [Hintergrund und Evidenz]

Ergotherapie soll zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [143]

soll nicht

5-10 [Hintergrund und Evidenz]

Ergotherapeutische Maßnahmen können zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen im Rahmen multimodaler Behandlungsprogramme angewendet werden.

Literatur [143]

Empfehlungsfeil "kann"

5-11 [Hintergrund und Evidenz]

Interferenzstromtherapie soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [171], [172], [173], [174], [175]

soll nicht

5-12 [Hintergrund und Evidenz]

Kinesio-Taping soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [176], [177]

soll nicht

5-13 [Hintergrund und Evidenz]

Kurzwellendiathermie soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [178], [179], [180], [181]

soll nicht

5-14 [Hintergrund und Evidenz]

Lasertherapie soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [182], [123]

soll nicht

5-15 [Hintergrund und Evidenz]

Magnetfeldtherapie soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [183]

soll nicht

5-16 [Hintergrund und Evidenz]

Manipulation/Mobilisation kann zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [184], [185], [186], [187]

Empfehlungsfeil "kann"

5-17 [Hintergrund und Evidenz]

Massage soll zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [189]

soll nicht

5-18 [Hintergrund und Evidenz]

Massage kann zur Behandlung subakuter und chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen angewendet werden.

Literatur [189], [163], [137], [123]

Empfehlungsfeil "kann"

5-19 [Hintergrund und Evidenz]

Medizinische Hilfsmittel sollen zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [190], [191], [192], [193]

soll nicht

5-20 [Hintergrund und Evidenz]

PENS soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [123], [194]

soll nicht

5-21 [Hintergrund und Evidenz]

Rückenschule, die auf einem biopsychosozialen Ansatz basiert, kann bei länger anhaltenden (> sechs Wochen) oder rezidivierenden, nicht-spezifischen Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [195], [196], [123], [197], [198]

Empfehlungsfeil "kann"

5-22 [Hintergrund und Evidenz]

Wärmetherapie kann im Rahmen des Selbstmanagements in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [121], [199], [200], [201]

Empfehlungsfeil "kann"

5-23 [Hintergrund und Evidenz]

Kältetherapie sollte zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [199]

sollte nicht

5-24 [Hintergrund und Evidenz]

Traktion mit Gerät soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [202], [123]

soll nicht

5-25 [Hintergrund und Evidenz]

TENS soll zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Expertenkonsens

soll nicht

5-26 [Hintergrund und Evidenz]

TENS sollte zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [203], [123]

sollte nicht

5-27 [Hintergrund und Evidenz]

Therapeutischer Ultraschall soll zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [204], [203]

soll nicht

5-28 [Hintergrund und Evidenz]

Bei Vorliegen psychosozialer Risikofaktoren soll bei subakuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen eine auf das individuelle Risikoprofil bezogene kognitive Verhaltenstherapie angeboten werden.

Literatur [122], [205], [165], [206], [207]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

5-29 [Hintergrund und Evidenz]

Kognitive Verhaltenstherapie soll zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen im Rahmen von Bewegungsprogrammen oder multimodalen Behandlungskonzepten angewendet werden.

Literatur [208], [170], [123], [165], [145], [209]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

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Medikamentöse Therapie

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

6-1 [Hintergrund und Evidenz]

Folgende Grundsätze sollen unabhängig von der Wahl, der Einleitung und der Durchführung der medikamentösen Therapie berücksichtigt werden:

  • Aufklärung, dass Medikamente nur eine unterstützende Therapieoption bei Kreuzschmerzen darstellen;
  • Festlegung eines realistischen und relevanten Therapieziels auch unter Berücksichtigung der körperlichen Funktion (z. B. Verbesserung der Gehstrecke oder Belastbarkeit, relevante Schmerzlinderung (>30 oder >50%));
  • individuelle Auswahl der Medikation unter Berücksichtigung der Begleiterkrankungen, Begleitmedikation, Unverträglichkeiten, Vorerfahrungen und Präferenzen des Patienten (siehe auch LL Multimedikation (DEGAM) [211], PRISCUS- und FORTA-Liste (DGIM) [212], [213]);
  • stufenweise Dosistitration der Medikation zum Erreichen dieses Effektes mit der geringsten effektiven Dosierung;
  • Überprüfung des Auftretens von Nebenwirkungen und des klinischen Effekts in regelmäßigen Intervallen (ca. vier Wochen);
  • bei akuten Schmerzen zeitiges Ausschleichen bzw. Absetzen der Medikation mit Besserung der Symptomatik;
  • Fortführung der Therapie nur bei guter Wirksamkeit und Verträglichkeit, Überprüfung in regelmäßigen Intervallen (alle drei Monate);
  • Ausschleichen/Absetzen der Therapie bei nicht ausreichender Wirksamkeit (trotz angemessener Dosierung) oder relevanten Nebenwirkungen.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-2 [Hintergrund und Evidenz]

NSAR sollten zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen in der niedrigsten wirksamen Dosierung und so kurzzeitig wie möglich angewendet werden.

Literatur [214], [215], [216], [121]

sollte

6-3 [Hintergrund und Evidenz]

NSAR sollen nicht parenteral verabreicht werden.

Literatur [214]

soll nicht

6-4 [Hintergrund und Evidenz]

Bei NSAR-Behandlung und gleichzeitig vorliegenden Risiken für gastrointestinale Komplikationen sollten prophylaktisch Protonenpumpenhemmer gegeben werden.

Expertenkonsens

sollte

6-5 [Hintergrund und Evidenz]

COX-2-Hemmer können unter Berücksichtigung der Warnhinweise zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden, wenn NSAR kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden.

Literatur [214], [215], [216]

Empfehlungsfeil "kann"

6-6 [Hintergrund und Evidenz]

Metamizol kann zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen in der niedrigsten wirksamen Dosierung und so kurzzeitig wie möglich angewendet werden, wenn NSAR kontraindiziert sind.

Expertenkonsens

Empfehlungsfeil "kann"

6-7 [Hintergrund und Evidenz]

Paracetamol sollte nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [233]

sollte nicht

6-8 [Hintergrund und Evidenz]

Flupirtin soll nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [235], [236], [237], [238], [239], [240], [241], [242], [243]

soll nicht

6-9 [Hintergrund und Evidenz]

Opioide können zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen bei fehlendem Ansprechen oder Vorliegen von Kontraindikationen gegen nicht-opioide Analgetika angewendet werden.

Literatur [248], [249], [250], [251], [252]

Empfehlungsfeil "kann"

6-10 [Hintergrund und Evidenz]

Opioide können zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen als eine Therapieoption für vier bis zwölf Wochen angewendet werden.

Literatur [215], [253], [254], [255]

Empfehlungsfeil "kann"

6-11 [Hintergrund und Evidenz]

Die Opioidtherapie soll regelmäßig reevaluiert werden, bei akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen nach spätestens vier Wochen, bei chronischen Kreuzschmerzen nach spätestens drei Monaten.

Referenzleitlinie [256]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-12 [Hintergrund und Evidenz]

Opioide können zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen auch als langfristige Therapieoption angewendet werden, wenn unter einer zeitlich befristeten Therapie (vier bis zwölf Wochen) eine klinisch relevante Reduktion der Schmerzen und/oder des körperlichen Beeinträchtigungserlebens bei fehlenden oder geringen Nebenwirkungen eingetreten ist.

Literatur [257]

Empfehlungsfeil "kann"

6-13 [Hintergrund und Evidenz]

Opioide sollen zur Langzeitbehandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nur im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes angewendet werden.

Referenzleitlinie [256]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-14 [Hintergrund und Evidenz]

Die Opioidtherapie soll beendet werden, wenn das vereinbarte Therapieziel nicht erreicht wird.

Referenzleitlinie [256]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

6-15 [Hintergrund und Evidenz]

Transdermale Opioide sollen nicht zur Behandlung akuter und subakuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Expertenkonsens

soll nicht

6-16 [Hintergrund und Evidenz]

Muskelrelaxanzien sollten nicht zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [261], [262]

sollte nicht

6-17 [Hintergrund und Evidenz]

Muskelrelaxanzien sollen nicht zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [261], [262]

soll nicht

6-18 [Hintergrund und Evidenz]

Antidepressiva sollten nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [269], [216], [270]

sollte nicht

6-19 [Hintergrund und Evidenz]

Antidepressiva können zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen bei Vorliegen einer komorbiden Depression oder Schlafstörung angewendet werden.

Expertenkonsens

Empfehlungsfeil "kann"

6-20 [Hintergrund und Evidenz]

Gabapentin, Pregabalin, Topiramat und Carbamazepin sollten nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [215], [278]

sollte nicht

6-21 [Hintergrund und Evidenz]

Die Kombination von Uridinmonophosphat, Vitamin B12 und Folsäure soll nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Expertenkonsens

soll nicht

6-22 [Hintergrund und Evidenz]

Weidenrinde kann in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [200]

Empfehlungsfeil "kann"

6-23 [Hintergrund und Evidenz]

Teufelskralle sollte nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [200]

sollte nicht

6-24 [Hintergrund und Evidenz]

Capsaicinpflaster und -cremes können im Rahmen des Selbstmanagements in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [200], [201]

Empfehlungsfeil "kann"

6-25 [Hintergrund und Evidenz]

Topisch applizierbare NSAR sollen nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Expertenkonsens

soll nicht

6-26 [Hintergrund und Evidenz]

Beinwellhaltige Creme sollte nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [200]

sollte nicht

6-27 [Hintergrund und Evidenz]

Intravenös, -muskulär oder subkutan applizierbare Schmerzmittel, Lokalanästhetika, Glukokortikoide und Mischinfusionen sollen nicht zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen angewendet werden.

Literatur [293], [294], [295], [296], [297], [298], [299], [300], [301]

soll nicht

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Invasive Therapie

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

7-1 [Hintergrund und Evidenz]

Perkutane Therapieverfahren sollen zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [306], [307], [308], [309], [310], [163], [311], [312], [313]

soll nicht

7-2 [Hintergrund und Evidenz]

Operative Therapieverfahren sollen zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuzschmerzen nicht angewendet werden.

Literatur [314], [315], [316], [317], [318], [319], [320], [321], [322]

soll nicht

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Prävention

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

8-1 [Hintergrund und Evidenz]

Körperliche Bewegung soll den Betroffenen zur Vermeidung oder Verkürzung von Kreuzschmerzepisoden und Arbeitsunfähigkeit empfohlen werden.

Literatur [324], [325], [143], [165]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

8-2 [Hintergrund und Evidenz]

Die Form der Bewegung soll sich nach den individuellen Präferenzen und Voraussetzungen der Betroffenen richten.

Literatur [168]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

8-3 [Hintergrund und Evidenz]

Information und Schulung – basierend auf einem biopsychosozialen Krankheitsmodell über die Entstehung und den Verlauf von Kreuzschmerzen – sollten in die Prävention einbezogen werden.

Literatur [324], [327], [328], [122], [123], [118]

sollte

8-4 [Hintergrund und Evidenz]

Maßnahmen am Arbeitsplatz (ergonomische Gestaltung, Verhaltensprävention, Förderung der Arbeitsplatzzufriedenheit) sollten zur Prävention von Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Literatur [329], [330], [331], [332]

sollte

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Multimodale Behandlungsprogramme

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

9-1 [Hintergrund und Evidenz]

Patienten mit subakuten und chronischen nicht-spezifischen Kreuzschmerzen sollen, wenn weniger intensive evidenzbasierte Therapieverfahren unzureichend wirksam waren, mit multimodalen Programmen behandelt werden. Zuweisungskriterien zu den Versorgungsbereichen siehe Tabelle 12.

Literatur [209], [123], [333]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

9-2 [Hintergrund und Evidenz]

Die Vorbereitung der Zeit nach der Behandlung (z. B. eigenverantwortliche körperliche Aktivität, Sport usw.) soll integrativer Teil des Therapieplans sein, wobei das primäre Ziel die Überleitung von Therapieinhalten in selbständig durchgeführte Aktivitäten ist.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

9-3 [Hintergrund und Evidenz]

Zur unmittelbaren Überleitung vom stationären oder rehabilitativen in den ambulanten Versorgungsbereich soll der koordinierende Arzt kontaktiert werden. Dabei sollen konkrete Nachsorgeempfehlungen in Form eines Entlassungsberichtes kommuniziert werden und ggf. darüber hinaus die weitere Behandlung abgestimmt werden.

Expertenkonsens

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

9-4 [Hintergrund und Evidenz]

Zur Verstetigung der Effekte einer multimodalen Schmerztherapie können Folgebehandlungen durchgeführt werden.

Expertenkonsens

Empfehlungsfeil "kann"

9-5 [Hintergrund und Evidenz]

Allen Rehabilitanden, deren Behandlungserfolg nach einer Rehabilitation noch nicht ausreichend stabilisiert ist, sollte durch den koordinierenden Arzt eine Nachsorgeleistung angeboten werden.

Expertenkonsens

sollte

9-6 [Hintergrund und Evidenz]

Maßnahmen zur Unterstützung der beruflichen Wiedereingliederung sollen geprüft und ggf. initiiert werden.

Expertenkonsens basierend auf [348]

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung

Methodik

Die erste Auflage der NVL Kreuzschmerz basierte auf einer Leitliniensynopse internationaler Leitlinien und punktuell ergänzenden systematischen Literaturrecherchen. Aufgrund mangelnder Aktualität von möglichen Quellleitlinien, wurde in der zweiten Auflage auf eine Leitliniensynopse verzichtet und die NVL auf Basis einer systematischen Recherche nach aggregierter Evidenz aktualisiert. Im Falle fehlender systematischer Übersichtsarbeiten wurde punktuell ergänzend nach Primärliteratur recherchiert. Die Einordnung der Quellen erfolgte anhand der Evidenzgraduierung (LoE) des Oxford Centre for Evidence-Based Medicine [9]. Die systematischen Übersichtsarbeiten wurden methodisch mit dem AMSTAR-Tool [10] bewertet, wobei nur systematische Übersichtsarbeiten mit einem AMSTAR-Score von 6 in die Synthese einbezogen wurden. In Bezug auf die einzelne Empfehlung wurden die Quellen nach ihrer inhaltlichen Aussagekraft (Datenqualität) in Anlehnung an GRADE (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation) bewertet [11]. Genauere Informationen zur Recherchestrategie, Screening und methodischer Bewertung der Quellen sind im Leitlinienreport detailliert aufgeführt [8].

Das in Tabelle 1 dargestellte Grundprinzip fand bei der Graduierung der Empfehlungen Beachtung. Zur besseren Unterscheidung zwischen Negativ- und Positivempfehlungen werden die Pfeilsymbole der Empfehlungen in entsprechenden Spalten "positiv" oder "negativ" positioniert.

Tabelle 1: Einstufung von Leitlinien-Empfehlungen in Empfehlungsgrade (Grades of Recommendation) [7]

Empfehlungsgrad

Beschreibung

Formulierung

Symbol

A

Starke Empfehlung

soll (nicht)

"soll": Empfehlungsgrad A; starke Empfehlung (soll nicht)

B

Empfehlung

sollte (nicht)

sollte (sollte nicht)

0

Offen

"kann"

Empfehlungsfeil "kann"

Die in der NVL verwendete Graduierung der Empfehlungen orientiert sich, wie im Methodenreport zum Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien beschrieben [7], an der Vorgehensweise nach GRADE (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation) [12], [13]. Die Vergabe der Empfehlungsgrade berücksichtigt dabei neben der zugrunde liegenden Evidenz und der Evidenzqualität z. B. ethische Verpflichtungen, klinische Relevanz der Effektivitätsmaße der Studien, Anwendbarkeit der Studienergebnisse auf die Patientenzielgruppe, Patientenpräferenzen und die Umsetzbarkeit im ärztlichen Alltag [2].

Die NVL-Methodik sieht die Vergabe von Empfehlungsgraden durch die Autoren der Leitlinie im Rahmen eines formalen Konsensusverfahrens vor. Auf Grund dieser Konsensusaspekte kann es zu einem begründeten Auf- oder Abwerten des Empfehlungsgrades gegenüber der Evidenzklasse kommen. Häufig mussten Empfehlungen aufgrund unzureichender und/oder widersprüchlicher Evidenzlage unter Nutzen-Schaden-Abwägungen abgewertet werden. Die Gründe sind im Hintergrundtext bei der jeweiligen Empfehlung dargelegt. Auch Expertenmeinungen wurden im formalisierten Konsensverfahren gemeinsam formuliert und abgestimmt. Im Besonderen haben sich die Leitlinienautoren darauf geeinigt, bei fehlendem oder nur sehr geringem Nutzennachweis starke Negativ-Empfehlungen von Interventionen auszusprechen, auch wenn kein direkter Schaden durch die Intervention belegt ist.

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zuletzt verändert: 15.06.2017 13:48