1 Definition und Epidemiologie

NVL Asthma

3. Auflage, 2018. Version 1 – Druckversion (PDF ) | Kapitelübersicht | weitere Informationen

1.1         Definition

Die Inhalte dieses Kapitels basieren auf einer Adaptation der Aussagen nationaler und internationaler Leitlinien [19], [20], [21], [22].

Asthma ist eine heterogene Erkrankung, die durch eine chronische Entzündung der Atemwege charakterisiert ist. Sie ist gekennzeichnet durch das Auftreten zeitlich und in Intensität variierender Symptome wie Atemnot, Giemen, Brustenge und Husten, sowie durch eine bronchiale Hyperreagibilität. [19]

Bei der Entstehung des Asthmas ist von einer multifaktoriellen Genese auszugehen. Eine genetische Disposition und exogene Faktoren, die durch psychosoziale Faktoren verstärkt werden, können zur Entstehung eines Asthmas führen. [20] Ausgehend von einer Entzündungsreaktion der Atemwege kann eine bronchiale Hyperreagibilität bis hin zu einer bronchialen Obstruktion auftreten [20].

Die Einteilung der Asthmaformen in Phänotypen folgt der Annahme, dass die Erkrankung bestimmter Patientengruppen sowohl durch eine ähnliche Pathophysiologie als auch durch ähnliche klinische Merkmale gekennzeichnet ist [19]:

  • Allergisches Asthma ist häufig mit dem Auftreten anderer allergischer Erkrankungen und/oder mit Erkrankungen des atopischen Formenkreises vergesellschaftet. Im Sputum zeigen sich häufig Zeichen einer eosinophilen Entzündung. [19] Saisonale Verlaufsformen werden von perennialen abgegrenzt.
  • Nicht-allergisches Asthma kann durch Infektionen der Atemwege ausgelöst werden. Zudem kann eine Intoleranz gegen Acetylsalicylsäure (ASS) oder nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) bestehen. Es ist unter Umständen möglich, dass eigentlich ein allergisches Asthma vorliegt, aber das Allergen nicht identifiziert wurde.

In den letzten Jahren wurde diese klassische Einteilung (allergisches/nicht-allergisches Asthma) um weitere Phänotypen ergänzt. Diese weitergehende Differenzierung ist sinnvoll, wenn sich die Krankheitsverläufe der Patienten unterscheiden und sich konkrete Konsequenzen für die Auswahl der Therapie ergeben. Erste Erkenntnisse zu eosinophilem Asthma, Type-2-High-Asthma oder cough-variant-Asthma sind in der S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-009.html) [22] zusammengefasst.

Exazerbationen sind nach der S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma [22] definiert als Phasen einer progredienten Zunahme der Asthmasymptome und/oder Abnahme der Lungenfunktion (…), welche über das für den Patienten übliche Maß an Variabilität hinausgehen und welche einer Änderung bzw. Intensivierung der Therapie über mehrere Tage bedürfen. Der Begriff Exazerbation schließt den Begriff "Asthmaanfall" ein. Die Beschwerden im Rahmen von Exazerbationen können nur gering ausgeprägt oder auch schwergradig sein und ohne adäquate Behandlung bis zum Tode führen. [22]

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1.2         Schweres Asthma

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

1-1 | Erwachsene

Bei Erwachsenen liegt ein schweres Asthma vor, wenn unter Therapie mit inhalativen Corticosteroiden (ICS) in Höchstdosis (siehe Tabelle 6) und mindestens einem zusätzlichen Langzeitmedikament (Langwirkendes Beta-2-Sympathomimetikum oder Montelukast) oder oralen Corticosteroiden (OCS) > 6 Monate/Jahr mindestens einer der folgenden Punkte zutrifft bzw. bei Reduktion der Therapie zutreffen würde:

  • Atemwegsobstruktion: FEV1 < 80% des Sollwertes (FEV1/FVC < LLN);
  • häufige Exazerbationen: ≥ 2 corticoidsteroidpflichtige Exazerbationen in den letzten 12 Monaten;
  • schwere Exazerbationen: ≥ 1 Exazerbation mit stationärer Behandlung oder Beatmung in den letzten 12 Monaten;
  • teilweise kontrolliertes oder unkontrolliertes Asthma (siehe Abbildung 2).

Statement

Die Autoren formulieren die Definition des schweren Asthmas bei Erwachsenen in Anlehnung an die internationale Leitlinie "International ERS/ATS guidelines on definition, evaluation and treatment of severe asthma" [21]. Dabei gilt für die ICS-Dosierung die Definition der ERS/ATS-Leitlinie, wie in der ICS-Vergleichstabelle in der Spalte "Höchstdosis" abgebildet. Dadurch wird sichergestellt, dass nur Patienten, bei denen die ICS-Therapie ausgeschöpft wurde, die Definition des schweren Asthmas erfüllen können.

Besonderheiten des Kindes- und Jugendalters

Empfehlungen/Statements

Empfehlungsgrad

1-2 | Kinder und Jugendliche

Bei Kindern und Jugendlichen liegt ein schweres Asthma vor, wenn bei sachgerechter und adäquat durchgeführter Therapie mit dem Ziel einer guten Asthmakontrolle dauerhaft (> 6 Monate) eine Add-on-Therapie mit einem LAMA oder einem monoklonalen Antikörper erfolgen und/oder eine hohe ICS-Tagesdosis verabreicht werden muss.

Statement

Bei diesem Statement handelt es sich um einen Expertenkonsens. Die Vertreter der pädiatrischen Fachgesellschaften formulieren die Definition auf Basis ihrer klinischen Erfahrung.

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1.3         Epidemiologie

Eine selektive Suche zu epidemiologischen Daten im deutschen Versorgungskontext erbrachte folgende Ergebnisse:

Die Querschnittstudie "Gesundheit in Deutschland aktuell" (GEDA-Studie) basiert auf Selbstangaben von 19 294 Befragten einer repräsentativen erwachsenen deutschsprachigen Stichprobe und errechnet eine 12-Montasprävalenz des Asthmas von 6,3%. Frauen sind häufiger betroffen als Männer (7,5% vs. 5,0%) [23]. Die erste Erhebung der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-2011" (DEGS1) basiert auf Befragungen, Untersuchungen und Tests. In einem computergestützten ärztlichen Interview gaben 5% der Teilnehmer an, ein ärztlich diagnostiziertes Asthma zu haben. Betroffen waren auch hier mehr Frauen als Männer (6,3% vs. 3,7%). [24]

Bei Kindern und Jugendlichen wurde eine 12-Monats-Prävalenz von 4,0% (95% KI 3,5; 4,5) in der "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS Welle 2) errechnet. [25] Im Gegensatz zu Erwachsenen waren Jungen häufiger betroffen als Mädchen (5,0% vs. 3,0%). [25]

Einteilung der Altersgruppen in der NVL Asthma

In der vorliegenden NVL werden häufig altersgruppenspezifische Empfehlungen ausgesprochen. Diese sind jeweils in der Überschrift im Empfehlungskasten gekennzeichnet. Ergänzend finden sich Erläuterungen im Hintergrundtext, die durch Zwischenüberschriften abgegrenzt sind.

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zuletzt verändert: 21.09.2018 12:39