Relevanz von Studien/Leitlinien
Die "Relevanz" ("Bedeutsamkeit", "Wichtigkeit") ist ein Maß dafür, wie stark eine Sache die Realität beeinflusst oder wie gut eine Information oder eine Theorie Wissen über die Realität vermittelt (zunächst unabhängig davon, ob dieses Wissen wahr ist). Sie ist ein wichtiges Kriterium für die Informationsqualität.
Die Bewertung der Relevanz hat eine besondere Bedeutung beim "Critical Appraisal" von Studienergebnissen oder Leitlinien-Empfehlungen. Dabei geht es um die Frage, ob verschiedene Einzelheiten oder Aussagen einer Studie oder einer Leitlinie für die behandelte medizinische Fragestellung bedeutsam sind. Ein Sachverhalt, der auch mit dem Begriff der "Angemessenheit" ("Adäquanz/adequacy") von Studien oder Leitlinien bezeichnet wird [1].
Kriterien der Angemessenheit sind in diesem Zusammenhang unter anderem:
- Bedeutung des Behandlungsziels und -verfahrens im Kontext der im Alltag (fast) immer komplexen Patientenprobleme
- Stellung der für eine Studie/Leitlinie ausgewählten Patienten im Gesamtspektrum der behandelten Erkrankung
- Übertragbarkeit der Behandlungsbedingungen einer Studie/Leitlinie auf den medizinischen Alltag
- Wahl der Dosierungen/Applikation im Studien-/Leitlinien-Setting im Vergleich zum üblichen/vorgeschriebenen Vorgehen im medizinischen Alltag
- Ausmaß der Effektparameter und -maße: klinisch relevante Endpunkte vs. Surrogatparameter; einseitige Betonung der relativen Risikoreduktion
- statistische Signifikanz vs. klinische Bedeutsamkeit von Ergebnissen
- Vernachlässigung unerwünschter Wirkungen
- Kontrolle der relevanten Confounder, Effektmodifikatoren
- Wahl der richtigen Erhebungszeitpunkte im Vergleich zum erwartbaren Effekteintritt und zu den Therapiezielen von Arzt und Patient
- vorraussehbare Akzeptanz der geprüften Verfahren durch Ärzte und Patienten vor dem Hintergrund ihres Wissens, ihrer Einstellungen und Gewohnheiten
- ihre technische und finanzielle Umsetzbarkeit im medizinischen Alltag.
Quelle:
- DELBI Domäne 5 und 7
Literatur:
[1] Raspe H, Ollenschläger G. EBM braucht zur Literaturbewertung methodische und klinische Kriterien! ZaeFQ 2000; 94(2):131-132.
siehe auch

