Konsensusverfahren
Konsensusverfahren sind informelle oder formelle Methoden, mit divergierenden Meinungen hinsichtlich medizinischer Verfahren umzugehen. Zu den wichtigsten formellen Konsensverfahren gehören die Delphi-Methode und der Nominale Gruppenprozess (NGP).
Der Nominale Gruppenprozess (NGP) zählt zu den formalisierten Konsensfindungsmethoden wie auch die Delphi-Technik oder die Konsensuskonferenz.
Die unterschiedlichen Verfahren unterscheiden sich u. a. in Bezug auf die möglichen Teilnehmerzahlen und die zeitlichen Rahmenbedingungen, die für die Durchführung benötigt werden.
Kernelemente des NGP sind:
- Vorlage zuvor produzierter Texte/Elemente,
- Kommentar jedes Gruppenmitgliedes zu einem bestimmten Aspekt (Empfehlung der Leitlinie, Begründungstext o. a.),
- Sammlung aller Kommentare durch Moderator/Leiter,
- Zusammenfassung ähnlicher Kommentare,
- Abstimmung über Diskussionspunkte/Priorisierung,
- Diskussion aller Kommentare mit ggf. daraus resultierender Überarbeitung des Entwurfes,
- Anschließend erneute Diskussion des Entwurfes, ggf. erneute Diskussionsrunde.
Bei der Leitlinien-Entwicklung haben Konsensprozesse ebenfalls Bedeutung erlangt. Allerdings sollten systematische Reviews die Grundlage für Konsensermittlung darstellen, etwa bei der Formulierung von Empfehlungen oder der Festlegung von Indikationskorridoren.
Durch den Einsatz formaler Konsensverfahren sollen die Nachteile informeller Konsensbildungsprozesse (z. B. Intransparenz, systematische Verzerrung) reduziert werden.
Insbesondere für das deutsche Gesundheitswesen ist - aufgrund der Strukturen der gesetzlichen Krankenversicherung und der Selbstverwaltungstradition - der einvernehmliche Konsens der maßgeblichen gesundheitspolitischen Akteure von zentraler Bedeutung.
Der Qualität der Konsensbildung ist daher eine mindestens ebenso wichtige Rolle beizumessen wie der Qualität der wissenschaftlichen Fundierung [1, 2]
Quelle:
- DELBI Statement 10
Literatur:
[1] Murphy MK, Black NA, Lamping DL, McKee CM, Sanderson CFB, Askham J, Marteau T Consensus development methods and their use in clinical guideline development. Health Techn Assess. 1998;2(3):i-iv,1-88.
[2] Helou A, Lorenz W, Ollenschläger G, Reinauer H, Schwartz FW. Methodische Standards der Entwicklungen evidenz-basierter Leitlinien in Deutschland. ZaeFQ 2000;94:330-339.

