Depression

Clearingbericht "Depression" - German Guideline Clearing Project "Depression".

Zur Qualitätsförderung der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Depressionen verabredeten die Spitzenverbände der Selbstverwaltungskörperschaften im Gesundheitswesen im Jahr 2001 die Durchführung eines Leitlinien-Clearingverfahrens zu deutsch- und englischsprachigen Depressions-Leitlinien.


Zusammenfassung

Zielsetzung:
Recherche, formale und inhaltliche Bewertung der Leitlinien nach den Methoden der evidenzbasierten Medizin mit dem Ziel der Qualitätsdarlegung für Leitlinien, die den internationalen Standards entsprechen. Formulierung von Empfehlungen für eine nationale, evidenzbasierte Leitlinie Depression.

Methode:
Leitlinienrecherche, formale Bewertung: Systematische Datenbankrecherche nach deutsch- und englischsprachigen Leitlinien aus dem Angebot des Leitlinien-Informationssystems des ÄZQ unter http://www.leitlinien.de/ und Literaturdatenbanken (X Med) für den Zeitraum Januar 1991- 2001.
Von 843 Treffern in Literatur- und Leitliniendatenbanken wurden 128 Zitate im Volltext gesichtet. 20 Leitlinien erfüllten primär die Einschlusskriterien.
Nach Abschluss der Recherche erschien im Jahr 2002 die Leitlinie „Psychotherapie der Depression“. Diese wurde zusätzlich in die Bewertung aufgenommen.

Inhaltliche Bewertung: Inhaltliche Bewertung von 21 Leitlinien mit folgenden Einschlusskriterien: ärztliche Therapieleitlinie zu „Depression“ (major depression, bipolar depression), deutsch- und englischsprachige Versionen überregionaler Leitlinien, aktuellste gültige Version bei mehreren Leitlinien eines Herausgebers ohne Einschränkung des Geltungsbereiches. Inhaltliche Bewertung durch eine Fokusgruppe von Leitlinienanwendern aus ambulanter und stationärer Versorgung sowie Methodikern (Expertenkreis Depression des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin).

Berichtsverfahren: Schriftliche Darlegung der Ergebnisse der formalen Bewertung mittels strukturierter Abstracts, Formulierung von Eckpunkten einer nationalen Musterleitlinie „Depression“ und Darlegung beispielhafter Textbausteine auf der Grundlage der Recherche- und Bewertungsergebnisse.

Ergebnisse:
Formale Bewertung: 21 Leitlinien wurden formal mit der Checkliste „Methodische Qualität von Leitlinien“ des Leitlinien-Clearingverfahrens bewertet. Deutliche Unterschiede in der Qualität fanden sich bezüglich des Entwicklungsprozesses, der Verknüpfung der Empfehlungen mit der Evidenz und Empfehlungen zur Implementierung.

Inhaltliche Bewertung:

Keine der bewerteten Leitlinien entspricht vollständig den folgenden inhaltlichen Eckpunkten, die die Fokusgruppe für eine überregionale deutsche Depressions-Leitlinie empfiehlt:

  1. Anwendungsbereich
  2. Bereich Epidemiologie, Ätiopathogenese und Risikofaktoren: Deskriptive Epidemiologie, Ätiopathogenese und Risikofaktoren, Prognosefaktoren
  3. Bereich Diagnostik: Psychopathologie (technical terms), Syndromale Diagnostik, Diagnostik spezieller Symptome, Mehraxiale Diagnostik, Nosologische / Kategoriale Diagnosen, Differenzialdiagnostik und Komorbidität, Zusatzdiagnostik, Funktionseinschränkungen, Stufenplan der Diagnostik / Red Flags, Verlaufs-, Prognosediagnostik / Verlaufstypologien, Screening-Diagnostik
  4. (Primäre-)Prävention
  5. Bereich Therapie: Behandlungsziele /-planung /-management, Interaktion der Behandler und Versorgungsebenen (Stufenpläne), Psychoedukation/ Patientenführung, Psychotherapieverfahren, Pharmakotherapie, Nichtmedikamentöse somatische Therapieverfahren, Therapie von Komorbidität, Depression in speziellen Gruppen, Notfallmaßnahmen / Prävention von Notfällen, Management bei Suizid(-gefährdung), Compliance, Familienmedizin / Beratung Angehöriger, Anforderungen an therapeutische und nicht therapeutische Beratung durch Dritte, Rehabilitation
  6. Bereich Organisation / Methodik: Rahmenbedingungen der Leitlinienanwendung, Kosten / Nutzen, Maßnahmen des Qualitätsmanagements, Überprüfung der Leitlinien Anwendung / Implementierung.

Empfehlungen:
Künftigen deutschen Depressions-Leitlinienprogrammen wird die Berücksichtigung folgender Kriterien empfohlen:

  • Berücksichtigung der Vorschläge zum methodischen Vorgehen und Begründung von Abweichungen im empfohlenen methodischen Vorgehen
  • Die Grundlage sämtlicher Empfehlungen (wissenschaftlich, Konsens, Erfahrung) sollte stets explizit benannt werden (Evidenzbasierung)
  • Die Formulierungen der Leitlinie sollten den Handlungskontext der angesprochenen Nutzer (z. B. Hausärzte) berücksichtigen. Für die unterschiedliche Anwender Zielgruppen wird die Erstellung von, angepassten Versionen für verschiedene Gruppen von Therapeuten, Patienten und / oder Angehörigen empfohlen
  • Für die Interaktion der Anwenderzielgruppen ist es erforderlich, dass das Krankheitsbild „Depression“ und die Kriterien zur Festlegung der Diagnose einheitlich und interdisziplinär festgelegt werden.

Zu den Vorschlägen der durch eine Leitlinie abzudeckenden Bereiche werden auch beispielhafte Textbausteine aus den bewerteten Leitlinien gezeigt. Diese können als eine Grundlage zur Erarbeitung einer nationalen Leitlinie Depression, die den formalen und inhaltlichen Qualitätskriterien des Clearingverfahrens entspricht, dienen.

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).
Leitlinien-Clearingbericht "Depression".
Niebüll: Verl. Videel; 2003
ISBN 3-89906-902-1

Mehr InformationVolltext: Schriftenreihe; 12

Mehr InformationÄZQ-Schriftenreihe – Übersichtsseite

zuletzt verändert: 24.02.2011 18:43