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Leitlinien-Wirksamkeit & Leitlinien-Qualität

Wirksamkeit und Nutzen von Leitlinien hängen von deren Qualität ab. Qualitätskriterien, die hochwertige Leitlinien erfüllen sollten, werden international einheitlich definiert.

Wirksamkeit und Qualität von Leitlinien

Der günstige Einfluss von Leitlinien auf die Prozess- und Ergebnisqualität im Gesundheitswesen ist wissenschaftlich belegt [2]. Die Wirksamkeit und damit letztlich der Nutzen einer einzelnen Leitlinie hängen aber entscheidend von ihrer Qualität und von ihrer Umsetzung ab. Demnach werden heute international bestimmte Kriterien, die hochwertige Leitlinien erfüllen sollten, in einheitlicher Weise definiert [4].

Für den deutschen Raum sind diese Kriterien methodischer Qualität in Form einer kommentierten Checkliste publiziert, dem Deutschen Leitlinien-Bewertungs-Instrument (DELBI) [1].

DELBI soll einerseits Leitlinienanwendern und anderen Interessierten helfen, Leitlinien einer methodischen Überprüfung zu unterziehen und damit ihre Validität zu beurteilen. Andererseits kann für Leitlinienautoren die Orientierung an DELBI sicherstellen, dass Leitlinien den internationalen Standards entsprechen.

Dabei sind zunächst drei grundlegende Aspekte hervorzuheben:

  • Zusammensetzung des Leitliniengremiums: Repräsentativität für den Anwenderkreis,
  • Evidenzbasierung: systematische Suche, Auswahl und Bewertung der Literatur,
  • Methodik der Entwicklung: systematische Evidenz- und Konsensbasierung.

Vor allem die Evidenzbasierung ist maßgeblich für die wissenschaftliche Legitimation einer Leitlinie, während die Beteiligung der Anwender sowie die strukturierte Konsensfindung vor allem für die Akzeptanz und Umsetzung entscheidend sind.

Um Leitliniennutzern eine Orientierung über das Ausmaß der Berücksichtigung dieser Aspekte zu ermöglichen, werden vier Klassen von Leitlinien unterschieden (siehe Tabelle 1) [3].

Aufgabe des praktizierenden Arztes und Voraussetzung für die Nutzung von Leitlinien im Rahmen der Evidenzbasierten Medizin ist die Fähigkeit, gute (d. h. valide, aktuelle, praktikable) Leitlinien zu identifizieren.

Tab. 1: Stufenklassifikation von Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) [5]

Bezeichnung Charakteristika Wissenschaftliche Legitimation der Methode Legitimation für die Umsetzung
S1: Handlungsempfehlung von Experten
  1. Selektierte Entwicklergruppe
  2. Keine systematische Evidenzbasierung
  3. Keine strukturierte Konsensfindung
gering gering
S2k: Konsensbasierte Leitlinien
  1. Repräsentative Entwicklergruppe
  2. Keine systematische Evidenzbasierung
  3. Strukturierte Konsensfindung
gering hoch
S2e: Evidenzbasierte Leitlinien
  1. Selektierte Entwicklergruppe
  2. Systematische Evidenzbasierung
  3. Keine strukturierte Konsensfindung
hoch gering
S3: Evidenz- und Konsensbasierte Leitlinien
  1. Repräsentative Entwicklergruppe
  2. Systematische Evidenzbasierung
  3. Strukturierte Konsensfindung
hoch hoch

Literatur

  1. Encke A, Kopp I, Selbmann HK, Hoppe D, Köhler A, Ollenschläger G. Das Deutsche Instrument zur methodischen Leitlinien-Bewertung (DELBI).
    Dtsch Arztebl 2005;102:A-1912-3
    Pfeil MagentaInternet
    Pfeil MagentaVolltext
  2. Grimshaw JM, Thomas RE, MacLennan G, Fraser C, Ramsay CR, Vale L, Whitty P, Eccles MP, Matowe L, Shirran L, Wensing M, Dijkstra R, Donaldson C. Effectiveness and efficiency of guideline dissemination and implementation strategies.
    Health Technol Assess 2004;8(6):iii-iv, 1-72
    Pfeil MagentaVolltext
  3. Kirchner H, Ollenschläger G. Implementierung von Leitlinien. Netze auf dem Weg zur evidenzbasierten Medizin. In: Tophoven C, Lieschke L, (eds.). Integrierte Versorgung. Köln: Dt. Ärzte-Verl.; 2002. p. 63-106
  4. Ollenschläger G, Marshall C, Qureshi S, Rosenbrand K, Burgers J, Mäkelä M, Slutsky J; Board of Trustees 2002, Guidelines International Network (G-I-N). Improving quality of health care: using international collaboration to inform guideline programmes by founding the Guidelines International Network (G-I-N). Qual Saf Health Care 2004;13(6):455-60
    Pfeil MagentaDetails
  5. Kopp I, Encke A, Lorenz W. Leitlinien als Instrument der Qualitätssicherung in der Medizin. Das Leitlinienprogramm der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF).
    Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2002;45:223–33

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Letzte Aktualisierung: 03.09.2011