8. Adaptation

Die DELBI-Domäne 8 "Methodologische Exaktheit der Leitlinien-Entwicklung bei Verwendung existierender Leitlinien" (Kriterien 30-34) bezieht sich auf das Verfahren, mit dem bereits existierende Leitlinien gesammelt, bewertet, ausgewählt und bei der Formulierung von Empfehlungen berücksichtigt wurden.

Gebrauchsanweisung

Leitlinien können - in unterschiedlichem Ausmaß - sowohl Empfehlungen enthalten, die auf der Grundlage bereits existierender Leitlinien-Empfehlungen entwickelt wurden als auch Empfehlungen, die auf der Grundlage von systematisch recherchierten Primärstudien, Übersichtsarbeiten und Metaanalysen erstellt wurden.
An die Erstellung von Leitlinien-Empfehlungen auf der Basis existierender Leitlinien sind spezifische Qualitätskriterien anzulegen. Die Fragen der Domäne 8 sind zu bearbeiten wenn:

  • Von den Leitlinien-AutorInnen eine systematische Berücksichtigung (inkl. Recherche) von existierenden Leitlinien angegeben wurde oder
  • für die BewerterInnen der Leitlinie offensichtlich ist, dass bei der Erstellung der Leitlinien-Empfehlungen andere Leitlinien als Evidenzquellen genutzt wurden.

30. Bei der Suche nach existierenden Leitlinien wurden systematische Methoden angewandt.

Trifft überhaupt nicht zu

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Trifft uneingeschränkt zu

Bei der Suche nach Leitlinien ist das entscheidende Qualitätskriterium, dass die Suche systematisch und transparent durchgeführt wurde und dargelegt ist.
Die Suchstrategie für die Identifizierung existierender Leitlinien sollte detailliert beschrieben sein; dies beinhaltet eine Auflistung der verwendeten Suchbegriffe und Quellen sowie Angaben zum Suchzeitraum für die berücksichtigten Leitlinien. Bei den Quellen kann es sich um elektronische bibliographische Datenbanken handeln (z. B. MEDLINE, EMBASE, CINAHL) und / oder um Leitlinien-Datenbanken (z. B. www.awmf.org, www.versorgungsleitlinien.de, www.g-i-n.net, www.guideline.gov).

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn keine Angaben zur Suche nach existierenden Leitlinien vorhanden sind.
  • Für eine Beantwortung mit "2" muss anhand einer Beschreibung der Methodik der Suche nach existierenden Leitlinien mindestens klar werden, dass eine Systematik zur Anwendung kam.
  • Für eine Beantwortung mit "3" muss eine systematische Suche in Datenbanken genannt sein. Die benutzten Datenbanken müssen namentlich angegeben sein.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" müssen zusätzlich zur Angabe der systematisch durchsuchten Datenbanken die verwendeten Suchbegriffe, der Suchverlauf, Angaben zum Suchzeitraum der Suche und ggf. die Nutzung weiterer Quel-len angegeben sein. Dies kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss. Die Beschreibung im Leitlinien-Report muss sich in Bezug auf die hier geforderte Darlegung individuell auf die vorliegende Leitlinie beziehen, eine prinzipielle Darlegung ist nicht ausreichend.

31. Die Auswahl der als Evidenzquellen verwendeten Leitlinien (sogenannte Quellleitlinien) ist transparent und explizit begründet.

Trifft überhaupt nicht zu

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Trifft uneingeschränkt zu

Für eine Leitlinie werden in der Praxis nicht alle verfügbaren Leitlinien als Evidenzquellen verwendet, sondern es werden nur bestimmte Leitlinien (so genannte Quellleitlinien) Eingang in die Leitlinie finden.
Abhängig vom Anwendungsbereich, für den eine Leitlinie Gültigkeit haben soll (z. B. überregional / regional; Krankenhaus / Praxis oder sektorübergreifend) sind unterschiedliche Kriterien (Relevanz, Methodische Qualität, Übertragbarkeit, Herausgeber, Alleinstellung, Gültigkeit, Umsetzungserfahrungen) für die Auswahl der Quellleitlinien ansetzbar. Diese sollten explizit dargelegt werden. Insbesondere Ausschlussgründe bedürfen einer klaren Darlegung.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn keine Kriterien für die Auswahl der Quellleitlinien angegeben sind.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist es erforderlich, dass die Gründe für den Ein- und Aus-schluss von Leitlinien explizit beschrieben werden.
  • Für eine Beantwortung mit "3" muss der Ein- bzw. Ausschlussgrund für jede Leitlinie explizit beschrieben werden.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" muss der Ein- bzw. Ausschlussgrund aller Leitlinien explizit beschrieben werden. Für die eingeschlossenen und ausgeschlossenen Leitlinien muss dies auf der Basis einer formalen Bewertung mit einem anerkannten Instrument (z. B. AGREE, DELBI) begründet werden. Die Ergebnisse der Bewertung sollten nach Möglichkeit vergleichend dargelegt werden. Dies kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss. Die Beschreibung im Leitlinien-Report muss sich in Bezug auf die hier geforderte Darlegung individuell auf die vorliegende Leitlinie beziehen, eine prinzipielle Darlegung ist nicht ausreichend.

32. Die Qualität der Quellleitlinien wurde überprüft.

Trifft überhaupt nicht zu

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Trifft uneingeschränkt zu

Wenn eine Empfehlung aus bereits existierenden Leitlinien (so genannten Quellleitlinien) abgeleitet wurde, muss die Qualität der zugrunde liegenden Empfehlungen überprüft werden. Dies umfasst die systematische tabellarische Gegenüberstellung der Empfeh-lungen der Quellleitlinien mit ggf. angegebenen Evidenzklassen ("Levels of Evidence") und Empfehlungsgraden ("Grades of Recommendation") und der in der Quellleitlinie zugrunde gelegten Literatur. Von den Autoren der Leitlinien sollte außerdem überprüft werden, ob die Empfehlungen der Quellleitlinien durch die in der Quellleitlinie angegebene Literatur abgedeckt sind.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn die Empfehlungen der Quellleitlinien weder systematisch dargestellt wurden, noch die den Empfehlungen zugrunde liegende Literatur überprüft wurde.
  • Für eine Beantwortung mit "2" müssen die Empfehlungen der Quellleitlinien mit ggf. angegebenen Evidenzklassen („Levels of Evidence“) und Empfehlungsgraden („Grades of Recommendation“) dargestellt sein. Bei mehreren Quellleitlinien muss dies in einer tabel-larischen Gegenüberstellung erfolgen.
  • Für eine Beantwortung mit "3" müssen die Empfehlung(en) der Quellleitlinie(n) mit ggf. angegebenen Evidenzklassen ("Levels of Evidence") und Empfehlungsgraden ("Grades of Recommendation“) und der in der Quellleitlinie zugrunde gelegten Literatur dargestellt sein. Bei mehreren Quellleitlinien muss dies in einer tabellarischen Gegenüberstellung erfolgen.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" muss darüber hinaus von den Autoren der Leitlinie dargelegt werden, dass eine Überprüfung der in der Quellleitlinie angegebenen Literatur durchgeführt wurde. Dies kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss. Die Beschreibung im Leitlinien-Report muss sich in Bezug auf die hier geforderte Darlegung individuell auf die vorliegende Leitlinie beziehen, eine prinzipielle Darlegung ist nicht ausreichend.

33. Es wurden systematische Aktualisierungsrecherchen zu den Quellleitlinien durchgeführt.

Trifft überhaupt nicht zu

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Trifft uneingeschränkt zu

Aktualisierungsrecherchen müssen durchgeführt werden, wenn es Hinweise darauf gibt, dass die Evidenzen in den als Evidenzquellen verwendeten Leitlinien (so genannte Quellleitlinien) nicht mehr die aktuelle Evidenzlage darstellen.
Die Suchstrategie für die Identifizierung der Evidenz sollte detailliert beschrieben sein; dies beinhaltet eine Auflistung der verwendeten Suchbegriffe und Quellen sowie Zeitangaben zum Suchzeitraum. Bei den Quellen kann es sich um elektronische bibliographische Datenbanken handeln (z. B. MEDLINE, EMBASE, CINAHL), Datenbanken systematischer Übersichtsarbeiten (z. B. Cochrane Library, DARE), von Hand durchsuchte Fachzeitschriften sowie Kongressberichte.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn keine Angaben zu Aktualisierungsrecherchen in der Leitlinie enthalten sind.
  • Für eine Beantwortung mit "2" muss anhand einer Beschreibung der Methodik der Aktualisierungsrecherche mindestens klar werden, dass eine Systematik zur Anwendung kam.
  • Für eine Beantwortung mit "3" muss aus der Leitlinie die Methodik der Aktualisierungsrecherchen einschließlich der Angabe verwendeter Suchwörter und Datenbanken hervorgehen.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" muss eine vollständige Darlegung mit Angabe der Suchwörter, der benutzten Datenbanken und ggf. weiterer Quellen sowie Angaben zu den Ergebnissen (mindestens mit Trefferzahlen) und Zeitangaben der Suche enthalten sein. Eventuell getroffene Einschränkungen der Suche müssen explizit benannt sein. Eine Bewertung mit "4" ist auch möglich, wenn auf der Basis der Bewertung der Quellleitlinien nachvollziehbar dargelegt ist, dass keine Aktualisierungsrecherchen notwendig waren. Die Angaben zu Aktualisierungsrecherchen können in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss. Die Beschreibung im Leitlinien-Report muss sich in Bezug auf die hier geforderte Darlegung individuell auf die vorliegende Leitlinie beziehen, eine prinzipielle Darlegung ist nicht ausreichend.

34. Modifikationen von Empfehlungen der Quellleitlinien sind eindeutig benannt und begründet.

Trifft überhaupt nicht zu

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Trifft uneingeschränkt zu

Die Verwendung von bereits existierenden Leitlinien-Empfehlungen bei der Entwicklung einer evidenzbasierten Empfehlung erfordert die klare Kennzeichnung, inwiefern die ent-wickelten Empfehlungen den Empfehlungen aus den Quellleitlinien entsprechen. Sowohl Modifikationen als auch Beibehaltungen der Empfehlungen aus den Quellleitlinien sollten begründet werden. Eine Empfehlung gilt dann als modifiziert, wenn die Formulierung der Empfehlung nicht mit der Formulierung in der Quellleitlinie übereinstimmt.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn keine Angaben zu Modifikationen und / oder Beibehaltungen angegeben sind.
  • Für eine Beantwortung mit "2" müssen Modifikationen und / oder Beibehaltungen benannt sein bzw. es muss explizit darauf hingewiesen werden, wenn keine Abweichungen vorliegen.
  • Für eine Beantwortung mit "3" müssen Modifikationen und / oder Beibehaltungen benannt und teilweise begründet sein.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" müssen Modifikationen und / oder Beibehaltungen benannt und durchgehend begründet sein. Dies kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss. Die Beschreibung im Leitlinien-Report muss sich in Bezug auf die hier geforderte Darlegung individuell auf die vorliegende Leitlinie beziehen, eine prinzipielle Darlegung ist nicht ausreichend.
zuletzt verändert: 23.09.2016 00:05