5. Anwendbarkeit

Die DELBI Domäne 5 "Anwendbarkeit" (Kriterien 19-21) betrifft die wahrscheinlichen Auswirkungen der Anwendung einer Leitlinie bezüglich Organisation, Verhalten und Kosten.

19. Die möglichen organisatorischen Barrieren gegenüber der Anwendung der Empfehlungen werden diskutiert.

Trifft überhaupt nicht zu

1

2

3

4

Trifft uneingeschränkt zu

Leitlinien können durch ihre Empfehlungen Veränderungen der üblichen Organisation der Gesundheitsversorgung in einer Einrichtung (Praxis, Klinik, Abteilung etc.), auf struktureller Ebene (auch im Gesamtverbund aller Gesundheitseinrichtungen) oder im Verhalten der medizinischen  Leistungserbringer, notwendig machen.
Diese potenziellen Veränderungen können die Umsetzung der Empfehlungen be- oder verhindern.
Änderungen, die für die Realisierung der Umsetzung der Empfehlungen notwendig sind, sollten systematisch analysiert und diskutiert werden.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn die Leitlinie Barrieren gegenüber der Anwendung nicht diskutiert hat bzw. dies nur zu vermuten ist.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist es erforderlich, dass die Leitlinie auf mögliche Barrieren hinweist.
  • Für eine Beantwortung mit "3" ist es erforderlich, dass die Leitlinie mögliche Barrieren benennt und für die wichtigsten Vorschläge zur möglichen Lösung der damit verbundenen Probleme enthält.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" ist es erforderlich, dass die Leitlinie die für ihre Umsetzung potentiell hinderlichen und förderlichen Faktoren systematisch aufarbeitet und klar darlegt (Barrierenanalyse).

20. Die durch die Anwendung der Empfehlungen der Leitlinie möglicherweise entstehenden finanziellen Auswirkungen werden berücksichtigt.

Trifft überhaupt nicht zu

1

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4

Trifft uneingeschränkt zu

Von Leitlinien wird in der Regel eine rationellere Ressourcenverwendung erwartet. Nicht selten jedoch können für die Realisierung der Empfehlungen u. U. zusätzliche Ressourcen erforderlich sein. Hierbei kann es sich zum Beispiel um zusätzliches, spezialisierteres Personal, um neue Geräte oder um teure(-re) Medikamente handeln, die möglicherweise Auswirkungen auf Finanzbudgets haben.
Die potenziellen Auswirkungen auf die Ressourcen sollten in der Leitlinie diskutiert werden. Gesundheitsökonomische Analysen werden in der Regel nur bei bestimmten Empfehlungsbereichen möglich sein. Für alle Leitlinien ist es aber (z. B. anhand von Beispielrechnungen) möglich, dass sie über potenzielle Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch eine grundsätzliche Aussage treffen.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn die Leitlinie zu möglicherweise entstehenden finanziellen Auswirkungen, die bei der Anwendung der Empfehlungen zum Tragen kommen, keine Angaben enthält.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist es erforderlich, dass die Leitlinie mögliche finanzielle Auswirkungen, die durch die Anwendung der Empfehlungen entstehen, zumindest in ausgewählten Bereichen benennt und mögliche Folgen oder Lösungsstrategien diskutiert.
  • Für eine Beantwortung mit "3" ist es erforderlich, dass die Leitlinie mögliche finanzielle Auswirkungen, die durch die Anwendung der Empfehlungen entstehen, in den überwiegenden Bereichen benennt und mögliche Folgen oder Lösungsstrategien diskutiert. Bereiche der Leitlinie, für die keine hinreichend konkreten Aussagen (z. B. wegen fehlender Datenlage) möglich sind, sind markiert.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" müssen mögliche finanzielle Auswirkungen im Detail diskutiert sein und nach Möglichkeit auf Daten von Entscheidungsanalysen (z. B. Kosten-Nutzen-Analysen) abgestützt sein. Für Bereiche mit unzureichender Datenlage sollten nach Möglichkeit Beispielrechnungen vorliegen, um zumindest Dimensionen abschätzen zu können oder notwendige Erfassungsmaßnahmen zu planen. Bereiche der Leitlinie, für die auch dann keine Aussagen möglich sind, sind durchgängig und markiert. Dies kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss. Die Beschreibung im Leitlinien-Report muss sich in Bezug auf die hier geforderte Darlegung individuell auf die vorliegende Leitlinie beziehen, eine prinzipielle Darlegung ist nicht ausreichend.

21. Die Leitlinie benennt wesentliche Messgrößen für das Monitoring und / oder die Überprüfungskriterien.

Trifft überhaupt nicht zu

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2

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4

Trifft uneingeschränkt zu

Die Anwendung von Leitlinien kann durch eine Evaluation der Leitliniennutzung und der Auswirkungen des Leitlinieneinsatzes gefördert werden. Dazu werden Messgrößen benötigt, die dazu dienen, drei unterschiedliche Aspekte beurteilbar zu machen:
a)  die Konformität der Versorgung mit den Leitlinien-Empfehlungen, d. h. Überprüfung der
Leitlinien-Anwendung in der Praxis,
b)  den individuellen Therapieerfolg, d. h. die individuelle Ergebnisqualität,
c)  die Auswirkungen der Leitlinie auf alle von der Leitlinie betroffenen Patienten, d. h. die
populationsbezogenen Ergebnisse der Leitlinienanwendung.
Mit Hilfe solcher Messgrößen können systematische Verbesserungspotenziale aufgezeigt werden. Darüber hinaus können Messgrößen Daten liefern, die für die Anwender und für die Datenübertragung und Koordination der Versorgung an Schnittstellen (z. B. ambulant / stationär) notwendig sind.
Die Messgrößen sollten aus den (Schlüssel-)Empfehlungen der Leitlinie abgeleitet worden sein und in der Leitlinie dargestellt werden. Um die methodische Qualität von klinischen Messgrößen zu fördern, sind Anforderungen für klinische Messgrößen in einem Grundsatzdokument [24] beschrieben.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn die Leitlinie keine Messgrößen enthält oder nur auf Messgrößen verwiesen wird, die einzelne Labor- oder Messwerte darstellen, ohne das dabei weitergehende Kriterien für klinische Messgrößen erfüllt werden.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist es erforderlich, dass die Leitlinie Messgrößen enthält, anhand derer die Ergebnisse der Versorgung (zumindest orientierend) überprüft werden können.
  • Für eine Beantwortung mit "3" ist es erforderlich, dass die Leitlinie Messgrößen enthält, die in Bezug auf die Schlüsselempfehlungen definiert wurden. Nach Möglichkeit sind die zu den Messgrößen(sets) dazugehörigen Referenzwerte / Referenzbereiche so definiert, dass Risikopatienten / -gruppen / -zustände zuverlässig identifiziert werden können.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" ist es erforderlich, dass die Leitlinie methodisch begründete Messgrößen(sets) enthält, die auf die (Schlüssel-)Empfehlungen Bezug nehmen und die eine Evaluation in Bezug auf die Leitlinien-Anwendung und die erreichte Ergebnisqualität ermöglichen. Die Messgrößen(sets) sollten so formuliert sein, dass nach Möglichkeit die Daten (mit)abgebildet werden, die für die oder die an den Schnittstellen zu erfassen sind oder benötigt werden. Die Messgrößen sollten dabei in ein Gesamtkonzept zur Evaluierung der Leitlinie eingebettet sein.
zuletzt verändert: 23.09.2016 14:42