2. Beteiligung

Die DELBI Domäne 2 "Beteiligung von Interessengruppen" (Kriterien 4-7) bezieht sich darauf, in welchem Maße die Leitlinie die Sicht ihrer beabsichtigten Anwender und betroffenen Patienten verkörpert.

4. Die Entwicklergruppe der Leitlinie schließt Mitglieder aller relevanten Berufsgruppen ein.

Trifft überhaupt nicht zu

1

2

3

4

Trifft uneingeschränkt zu

Die Bereitschaft, Leitlinien anzuwenden, steigt in dem Maße, in dem der Erstellungsprozess transparent und die Entwicklergruppe repräsentativ in Bezug auf die Anwendergruppe sind.
In die Entwicklung einer Leitlinie sollten daher alle von der Thematik betroffenen Fachgruppen, aber auch weitere Interessengruppen, einbezogen worden sein. Eine Einbeziehung kann direkt als Autor oder Teilnehmer am Konsensusverfahren, durch ein Review-Verfahren oder eine öffentliche Diskussion vor Inkrafttreten der Leitlinie geleistet werden.
Die betroffenen Fachgruppen sind in der Regel diejenigen, die im Kontext der Leitlinie adressiert werden, darüber hinaus aber ggf. auch Gruppen, die an Schnittstellen benötigt werden (z. B. Rettungskräfte / Notärzte bei der Herzinfarktversorgung, Pflegepersonal, medizinische Hilfsberufe).

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn keine Angaben über die Zusammensetzung der Entwicklergruppe gemacht werden oder wenn nur Autoren mit Namen genannt werden und so eine Zuordnung zu Fachgruppen oder Funktionsbereichen nicht möglich ist.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist ergänzend zu den Namen die eindeutige Benennung der Fach- oder Interessengruppen, die die jeweiligen Autoren repräsentieren, notwendig.
  • Für eine Beantwortung mit "3" wird darüber hinaus aus der Benennung klar, dass alle im Kontext der Leitlinie adressierten Fachgruppen an der Entwicklung der Leitlinie beteiligt waren.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" ist ergänzend die Angabe über Art und Weise der Einbeziehung von nicht direkt im Kontext der Leitlinie adressierten Fach- und Interessengruppen notwendig (z. B. Pflegeberufe bei einer rein ärztlichen Leitlinie). Diese Darlegung kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss.

5. Die Ansichten und Präferenzen der Patienten wurden ermittelt.

Trifft überhaupt nicht zu

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3

4

Trifft uneingeschränkt zu

Die Anwendung einer Leitlinie kann dadurch erschwert werden, dass die Wünsche oder Bedürfnisse von Patienten nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt werden. In die Entwicklung einer Leitlinie sollten daher Patienten / Angehörige einbezogen worden sein. Eine Einbeziehung kann direkt, durch Mitgliedschaft in der Autorengruppe, oder indirekt, durch Einbeziehung in ein Review-Verfahren oder durch eine öffentliche Diskussion vor Inkrafttreten der Leitlinie, geleistet werden. Idealerweise existiert mit der Leitlinie immer eine speziell für Patienten ausformulierte Fassung der Leitlinie.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn Patienten nicht beteiligt worden sind bzw. Art und Umfang der Beteiligung anhand der (nicht) dargelegten Angaben nur zu vermuten sind.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist erforderlich, dass Patientenvertreter indirekt (z. B. durch ein Review-Verfahren oder eine öffentliche Diskussion der Leitlinie inklusive Modifikation von Inhalten vor In-Kraft-Treten) beteiligt wurden.
  • Für eine Beantwortung mit "3" ist eine direkte Beteiligung bei der Leitlinien-Erstellung notwendig.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" ist ergänzend die Angabe und Darlegung von Entscheidungskonsequenzen durch die Beteiligung von Patienten notwendig. Dies kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report (siehe Kriterium 29) erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports klar aus der Leitlinie hervorgehen muss.

6. Die Anwenderzielgruppe der Leitlinie ist definiert.

Trifft überhaupt nicht zu

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Trifft uneingeschränkt zu

Eine Leitlinie kommt bei bestimmten Gruppen direkt zur Anwendung, darüber hinaus können aber auch andere nicht unmittelbar adressierte ärztliche Gruppen und nichtärztliche Gruppen von Empfehlungen oder Vorgehensweisen betroffen sein oder die Leitlinie zur Information nutzen.
Um eine Entscheidung zur Nutzbarkeit der Leitlinie treffen zu können, sollten potenzielle Anwender eindeutig definiert werden, insbesondere, welche ärztlichen Fachgruppen aus ambulanter und stationärer Versorgung und ob nichtärztliches Personal (und andere Leistungserbringer), Patienten sowie Entscheidungsträger im gesundheitspolitischen Bereich zur Anwenderzielgruppe (z. B. bei Nutzung in der Leitlinie festgelegten Qualitätsvorgaben) gehören. Zu unterscheiden von den oben beschriebenen Gruppen der Anwender sind die indirekt Betroffenen, die an den individuellen, auf den Empfehlungen der Leitlinie basierenden Entscheidungs- und Handlungsprozessen nicht beteiligt sind aber durch die Ergebnisse dieser Prozesse betroffen werden. So kann beispielsweise ein geändertes Verordnungsverhalten Auswirkungen auf die Pharmaindustrie oder Kostenträger haben.
Zu beachten ist, dass durch leitlinienunabhängige Vorgaben dieser indirekt Betroffenen die Anwendbarkeit der Leitlinie eingeschränkt werden können (siehe auch Kriterium 19).

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn die Anwender nicht definiert worden sind.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist es erforderlich, dass aus dem Kontext der Leitlinie auf die wesentlichen Anwender verwiesen wird bzw. eindeutige Rückschlüsse auf diese möglich sind.
  • Für eine Beantwortung mit "3" ist es erforderlich, dass die Anwender klar genannt werden.
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" ist es darüber hinaus erforderlich, dass auf weitere (indirekte) Anwender (Schnittstellen) verwiesen wird (z. B. Anwender bei Krankenkassen).

7. Die Leitlinie wurde in einer Pilotstudie von Mitgliedern der Anwenderzielgruppe getestet.

Trifft überhaupt nicht zu

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Trifft uneingeschränkt zu

Zur Steigerung der Akzeptanz einer Leitlinie sollte vor einer umfassenden Implementierung eine Pilotstudie mit der Leitlinie innerhalb der Anwendergruppe oder mindestens eines repräsentativen Teils der Anwendergruppe stattgefunden haben. Durch eine Pilotstudie wird die Autorengruppe in die Lage versetzt, anhand der Rückmeldungen u. a. zur Brauchbarkeit, Praktikabilität und Akzeptanz aus der Anwenderzielgruppe mögliche Problembereiche oder weiße Felder aufzudecken und ggf. Aktualisierungen in Bezug darauf in die Leitlinie einzuarbeiten.

  • Das Statement muss mit "Trifft überhaupt nicht zu" "1" beantwortet werden, wenn keine Pilotstudie erfolgte oder diesbezüglich keine Informationen vorhanden sind.
  • Für eine Beantwortung mit "2" ist es erforderlich, dass in der Leitlinie auf ein Verfahren zur Pilotierung hingewiesen wird.
  • Für eine Beantwortung mit "3" ist es erforderlich, dass die Leitlinie Angaben über das Verfahren der Pilotstudie enthält (z. B. Befragungen zur Anwendbarkeit, Anwendungstest in der Praxis).
  • Für eine Antwort mit "Trifft uneingeschränkt zu" "4" ist es darüber hinaus erforderlich, dass das Verfahren und Ergebnis der Pilotstudie dargelegt sind. Dies kann in der Leitlinie selbst oder in einem Leitlinien-Report erfolgen, wobei die Existenz eines Leitlinien-Reports (siehe Kriterium 29) aus der Leitlinie hervorgehen muss.
zuletzt verändert: 23.09.2016 00:05