Definitionen

Wir verstehen unter Leitlinien "systematisch entwickelte Aussagen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung von Ärzten und ggf. anderen Gesundheitsberufen sowie Patienten für eine angemessene Vorgehensweise bei vorgegebenen Gesundheitsproblemen".

Sie sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder muss.

Hauptziel medizinischer Leitlinien ist es, unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen gute klinische Praxis zu fördern und die Öffentlichkeit darüber zu informieren.

Leitlinien sind wesentlicher Bestandteil des Qualitätsmanagements im Gesundheitswesen [1].

Leitlinien haben dabei die Aufgabe, das umfangreiche Wissen (wissenschaftliche Evidenz und klinische Praxiserfahrung) zu speziellen Versorgungsproblemen zu werten, gegensätzliche Standpunkte zu klären und unter Abwägung von Nutzen und Schaden das derzeitige Vorgehen der Wahl zu definieren.

Leitlinien sind weder als Anleitung für eine so genannte "Kochbuchmedizin" zu verstehen; noch stellen sie die Meinungen einzelner Fachexperten dar. Vielmehr handelt es sich bei Leitlinien um den nach einem definierten, transparent gemachten Vorgehen erzielten Konsens multidisziplinärer Expertengruppen zu bestimmten Vorgehensweisen in der Medizin. Grundlage dieses Konsenses ist die systematische Recherche und Analyse der Literatur.

Leitlinien unterscheiden sich von systematischen Übersichtsarbeiten und HTA-Berichten (Health Technology Assessment) durch ihre primäre Zielsetzung, explizit ausformulierte und konkrete Entscheidungshilfen bereitzustellen. Leitlinien können bei der Entscheidungsfindung über angemessene und effektive gesundheitliche Betreuung Hilfestellung leisten, und zwar insbesondere in Bereichen mit großen Unterschieden in der Versorgungsroutine oder Versorgungsqualität.

Der günstige Einfluss von Leitlinien auf die Prozess- und Ergebnisqualität im Gesundheitswesen ist mittlerweile wissenschaftlich belegt [21]. Leitlinien werden aber erst dann wirksam, wenn ihre Empfehlungen bei der individuellen Patientenversorgung Berücksichtigung finden. Aus diesem Grund müssen überregionale (nationale oder internationale) Leitlinien hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf regionaler oder lokaler Ebene begutachtet und gegebenenfalls angepasst werden. Allerdings hängt die Wirksamkeit von Leitlinien insbesondere von ihrer Akzeptanz und der Zuverlässigkeit ihrer Empfehlungen ab, die von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden [22].

Wesentliche Faktoren sind:

  • systematische Auswahl und Bewertung der Evidenz
  • strukturierte Konsensusfindung
  • Orientierung am Ergebnis für den Patienten ("Outcome-Bewertung")
  • Abwägung von Nutzen und Risiken ("Entscheidungsanalyse") und
  • Nachvollziehbarkeit des Versorgungsablaufs ("Algorithmische Logik"). [1; 10].

 

Unter der Qualität medizinischer Leitlinien verstehen wir,

  • dass diese Faktoren bei der Leitlinien-Entwicklung angemessen berücksichtigt worden sind (interne Validität),
  • dass die Empfehlungen in der Praxis machbar sind
  • dass sie die Versorgung günstig beeinflussen können (externe Validität).

(mod. nach AGREE [4; 5])

zuletzt verändert: 23.09.2016 14:28