Definition, Ziele, Aufgaben
Zu Definitionen, Ziele und Aufgaben existieren in Deutschland, aber auch international einheitliche Vorstellungen.
Seit Mitte der 90er Jahre haben sich im Rahmen der Kooperation zwischen ÄZQ und AWMF sowie internationalen Leitlinien-Netzwerks G-I-N einheitliche Definitionen und Beschreibungen der Ziele und Aufgaben von Leitlinien entwickelt. Für Deutschland sind die wesentlichen Aspekte im Leitlinienmanual und im Leitlinienglossar von AWMF und ÄZQ sowie im Leitlinienbewertungsinstrument DELBI beschrieben worden.
Definition von Leitlinien [1; 2; 3; 4]
Leitlinien
- sind systematisch entwickelte, wissenschaftlich begründete und praxisorientierte Entscheidungshilfen für die angemessene ärztliche Vorgehensweise bei speziellen gesundheitlichen Problemen,
- stellen den nach einem definierten, transparent gemachten Vorgehen erzielten Konsens mehrerer Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen und Arbeitsgruppen (möglichst unter Einbeziehung von Patienten und anderen Fachberufen des Gesundheitswesens) zu bestimmten ärztlichen Vorgehensweisen dar,
- sollen regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ggf. fortgeschrieben werden,
- sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder sogar muss.
Leitlinien sind im Gegensatz zu Richtlinien nicht verbindlich [3]. Die Anwendbarkeit einer bestimmten Empfehlung in der individuellen Situation ist unter Berücksichtigung der vorliegenden Gegebenheiten (z. B. Begleiterkrankungen des Patienten, verfügbare Ressourcen) zu prüfen.
Aus Leitlinien können Zielgrößen und Indikatoren abgeleitet werden, anhand derer die Qualität der medizinischen Versorgung messbar und eine Unterscheidung zwischen gut und verbesserungsbedürftig ermöglicht wird.
Ziele von Leitlinien
Vorrangiges Ziel von Leitlinien ist die Verbesserung der Qualität medizinischer Versorgung durch Wissensvermittlung.
Leitlinien sollen darauf zielen:
- unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen,
- gute klinische Praxis zu fördern und die Öffentlichkeit darüber zu informieren,
- Entscheidungen in der medizinischen Versorgung auf eine rationalere Basis zu stellen,
- die Stellung des Patienten als Partner im Entscheidungsprozess zu stärken und
- die Qualität der Versorgung zu verbessern.
Aufgabe von Leitlinien
Leitlinien haben darüber hinaus die Aufgabe, das umfangreiche Wissen (wissenschaftliche Evidenz und Praxiserfahrung) zu speziellen Versorgungsproblemen
- explizit darzulegen,
- unter methodischen und klinischen Aspekten zu bewerten,
- gegensätzliche Standpunkte zu klären,
- unter Abwägung von Nutzen und Schaden das derzeitige Vorgehen der Wahl zu definieren.
Literatur
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (ÄZQ). Das Leitlinien-Manual von AWMF und ÄZQ. Entwicklung und Implementierung von Leitlinien in der Medizin. Z Arztl Fortbild Qualitatssich 2001;95(Suppl I):4-84.
Internet
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Von Absolute Risikoreduktion bis Zuverlässigkeit von Leitlinien. Leitlinien-Glossar. Begrifflichkeiten und Kommentare zum Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien. Berlin: ÄZQ; 2007.
Internet
Volltext
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Beurteilungskriterien für Leitlinien in der medizinischen Versorgung – Beschlüsse der Vorstände der Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, Juni 1997.
Dtsch Arztebl 1997;94:A-2154-5Volltext
- Europarat, Entwicklung einer Methodik für die Ausarbeitung von Leitlinien für optimale medizinische Praxis. Empfehlung Rec (2001)13 des Europarates am 10. Oktober 2001 und Erläuterndes Memorandum. Deutschsprachige Ausgabe.
Z Arztl Fortbild Qualitatssich 2002;96:3-60Volltext



